Le cercle de sang*
Jérôme Delafosse
Sonzogno editore, 2007
Giuseppina La Ciura
Übersetzung: Dieter Hartmann
Hammerfest, Norwegen. Ein Mann unbekannter
Identität und Geschichte
erwacht in einem sterilen Krankenzimmer. Sie nennen ihn Nathan Falh. Die
ihn behandelnde Ärztin spricht von Gedächtnisverlust, ausgelöst
durch ein traumatisches Ereignis: Ein Tauchgang im eisigen Wasser des
Polarmeers, der tragisch endete. Wieder etwas zu Kräften gekommen
flüchtet Nathan in panischer Angst zunächst per Auto und dann
weiter mit dem Flugzeug nach Paris, in seine Stadt. Dort entdeckt er,
dass sein Appartement in der Rue Campagne-Première im 14. Arrondissement
während seiner Abwesenheit leergeräumt wurde - weitere schreckliche
Bestätigung seiner Vermutung, dass er von unsichtbaren Feinden gnadenlos
gehetzt wird. Dann ein erster Lichtblick: Im Speicher eines Fax-Geräts
findet er ein winziges, aber wichtiges Indiz: Die Adresse eines Engländers,
eines gewissen Ashley Woods, der in der Biblioteca Malatestiana von Cesena
beschäftigt ist.
Dort arbeitet er an der Rekonstruktion eines
geheimnisvollen Manuskripts mit dem Titel "Handschrift des Elias", das
im 17. Jahrhundert in Saint-Malo verfasst worden ist.
Also macht Nathan sich auf den Weg nach
Cesena und von dort wieder nach Paris, wo er eine junge, schöne Jüdin trifft, die in den Wochen
des Völkermords an den Tutsie für eine NGO in Ruanda gearbeitet
hat, und die behauptet, ihn in einem Flüchtlingslager in Katalè gesehen
zu haben . Bei der mühevollen Suche nach sich selbst und seiner Vergangenheit
reist er, im atemlosen Wettlauf gegen die Zeit und gegen seine fanatischen
Gegner, von Antwerpen zu den arktischen Inseln Spitzbergens und von Ruanda
in den Sudan . Ein temporeicher Roman mit sich überstürzenden
Ereignissen, der dem Leser den Atem raubt, jedoch im Gegensatz zu anderen
Büchern dieses Genres dabei nie seine innere Geschlossenheit verliert.
Mit ihren dunklen Intrigen, parawissenschaftlichen Experimenten und blutrünstigen
Sekten kann die Handlung auf den ersten Blick als wenig wahrscheinlich
erscheinen; bedenkt man jedoch gründlicher den Wahnsinn der Gesellschaft,
in der wir zu leben gezwungen sind, ist sie dies ganz und gar nicht.
Die Kritiker jenseits der Alpen haben im Zusammenhang
mit Delafosses erstem Werk den allgegenwärtig-erwartbaren Dan Brown zitiert, ebenso
wie Jean-Christoph Grangè. Diese Lesart scheint mir etwas oberflächlich.
Stärker als bei anderen spürt man hier den Einfluss der großen
Tradition des französischen Volksromans von Lermina, De La Hire , Leblanc
bis zum Jules Verne des "Michael Strogoff" und dem Genre-Vater selbst, Dumas.
Gleichzeitig haben die glänzenden Seiten, die im tiefsten Schwarzafrika
und in der Wüste des Sudan spielen, etwas von der alten Faszination
unvergesslicher Romane eines Rider Haggard. Nimmt man die ausgezeichnete Übersetzung
von Giovanni Zucca hinzu, bleibt nur noch, dem Leser zu sagen: "Les jeux
sont fait!". * Blutiger
Kreis