Malakka - Der Tod kommt in der Nacht
Uli T. Swidler
Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2007, 399 Seiten
Susanna Mende
Bei Piraterie denken die meisten Menschen
noch immer an Abenteuergeschichten mit grinsenden einäugigen oder einarmigen Helden aus einer längst
vergangen Zeit oder, wenn sie Klamauk im Kino lieben, höchstens an
Johnny Depp. Piraterie ist jedoch im Zeitalter der Globalisierung und
angesichts des rasant anwachsenden Schiffsverkehrs zu einer ernsthaften
Bedrohung geworden. Und wer es nicht glauben möchte, kann gerne einen
Blick in den "Weekly Piracy Report" des International Maritime Bureau
in London werfen.
Umso erfreulicher ist, dass sich Uli T. Swidler in
seinem Roman "Malakka
- Der Tod kommt in der Nacht" des Themas angenommen hat. Die Malakka-Straße,
eine ca. 500 Seemeilen lange Meeresstraße, welche die Andamanensee
mit dem Südchinesischen Meer und der Javasee verbindet und über
die ca. ein Drittel der weltweit per Schiff verbrachten Handelsgüter
transportiert wird, ist Ausgangs- und Endpunkt dieses auf Action und
Suspense angelegten Thrillers. Außerdem versprechen die Protagonisten
eine intensive Auseinandersetzungen, stehen sie doch mit ihren Interessen
an entgegengesetzten Polen:
Zum einen ist da Berry Feiler, dessen Londoner
Firma "Lost Ship Management" im
Auftrag von Schiffseignern gestohlene Schiffe zurückholt, was häufig
nur am Rande der Legalität möglich ist. Angetrieben zu diesem
recht gefährlichen Job wird er von wüsten Rachegedanken: Er
will den Mörder seiner Frau finden, einen von fünf indonesischen
Piraten, die während eines Segeltörns ihr Boot geentert hatten.
Zum
anderen ist da Anxa Perikos, Meeresbiologin und Greenpeace-Aktivistin,
die überraschend die Tankerreederei ihres Vaters erbt und plötzlich
auf der anderen Seite zu stehen scheint.
Außerdem wird die Geschichte
des Piraten Yanto erzählt, der
in seiner indonesischen Heimat im Kampf gegen Hunger und Armut zum
skrupellosen Verbrecher wird.
Sie ahnen es wahrscheinlich schon: Das klingt
nach Reißbrettentwurf
und entpuppt sich leider als ein solcher der schlimmsten Art, obwohl
die Geschichte, eingebettet in das größere Thema Globalisierung
und die sich daraus ergebenden explosiven Probleme im Wohlstandsgefälle,
mit vielen gut recherchierten Details zum brisanten Thema Piraterie
aufwartet.
Abgesehen von ein paar hübschen kleinen Wendungen am Schluss,
die in der Geschichte kurz einmal für Spannung sorgen, ist die Handlung
so vorhersehbar, und ist auch die Dialektik zwischen Gut und Böse
so simpel gestrickt, dass sich beim Lesen nachgerade Ärger darüber
einstellt. Nicht nur das schnulzige Happyend mit einem geläuterten
Helden birst vor Klischees. Man muss sich außerdem durch hölzerne
und phantasielose Dialoge quälen, in denen die Gesprächspartner
meistens ziemlich sauer aufeinander sind und sich wie tumbe Grobiane
anblaffen (oft natürlich nur, um ihre Verletzlichkeit und ihr großes
Herz zu verbergen).
Ein aktuelles und spannendes Thema, leider
unter Rückgriff auf ein
rudimentäres und ziemlich simples Thriller-Schema und eindimensionale
Charaktere nur grob zurechtgehauen. Schade!