Und wenn der Privatermittler seine schäbige Detektei eintauschte gegen
eine Redaktion? Raus aus der Isolation, aus dem zu wahrenden Schein, fort von
der unentbehrlichen Sekretärin, die ggf. mehr ist, deren Gehalt nicht
gezahlt werden kann, die aber dennoch bleibt. Rein in eine Zeitungsredaktion
mit ihren wirtschaftlichen Zwängen, einem Redakteur, der Anweisungen erteilt,
Artikeln, die sich verkaufen müssen und dem Drang, zu wissen und zu verstehen,
diesem Drang, der alle Risiken akzeptabel werden lässt. Journalisten als
Detektive gibt es seit 1907, seit dem berühmten Rouletabille von Gaston
Leroux. Hundert Jahre später haben sich Journalisten als Ermittler
vervielfacht. Auf allen Kontinenten. In den letzten Jahren bin ich ihnen
beim Lesen aus reinem Zufall immer wieder begegnet: In Kolumbien, in
Island und in Schweden.
Der
Kolumbianer entstammt der Feder von Santiago Gamboa, einem dieser typisch
lateinamerikanischen Erzähler. Verlieren ist eine Frage der
Methode.
Der Titel ist Programm. Auf der Romanvorlage beruht eine, wenn ich den
Kritiken glauben darf, einigermaßen treue Filmfassung, die jedoch
leider keine Zeit hatte, die Kinosäle in der französischsprachigen
Welt zu erobern. Sei's drum. Victor Silanpa ist Journalist bei El
Observador,
einer Tageszeitung in Bogotá. Eines Sonntagmorgens meldet ihm Kapitän
Moya höchstpersönlich, dass sich am Ufer des Sisga-Sees eine
Leiche befinde, eine aufgespießte Wasserleiche, ein Fall zum Kopfzerbrechen.
Angesichts der rasanten Ausbreitung der Stadt Bogotá ist das Gelände
rund um den Sisga-See ein kleines Vermögen wert. Was zu beweisen wäre.
Und genau da drückt der Schuh: Der mutmaßliche Eigentümer
ist verschwunden und die Dokumente ebenso! Victor Silanpa muss tiefer in
diese Affäre einsteigen, selbst auf die Gefahr hin, dabei seine Freundin
zu verlieren und seine Wohnung von ein paar Grobianen verwüsten zu
lassen. Es gibt entschieden zu viele Leute, die sich für diese Gegend
interessieren: Ein Stadtrat, ein Anwalt, ein Bauträger . und er selbst,
ein einfacher Journalist der Rubrik Sonstiges.
In Island verfrachtet Arni Thorarinsson drei Angestellte des Abendblattes in
den Norden des Landes, um dort eine neue Regionalredaktion aufzubauen.
Ein Chefredakteur, Asbjörn, ein Journalist mit Alkoholproblemen, Einar, und
eine Fotografin, Joa. In der Redaktion in Reykjavik waren Einar und Asbjörn
die verfeindeten Brüder. Und nun sind sie dazu verdammt, im Norden zusammen
zu arbeiten, gemeinsam Erfolg zu haben. In einer Außenredaktion direkt
unter Asbjörns Wohnung. Mit Einar, der eine Zigarette nach der anderen
qualmt, und Asbjörns Ehefrau, die Tabakrauch und -geruch nicht ausstehen
kann! Und mit dem neuen Chefredakteur in Reykjavik, einem im Marketing und
im Fernsehgeschäft geschulten jungen Wolf, der vorhat, den alten Hasen
ihren Beruf zu erklären, und sie dabei ohne Zögern daran erinnert,
wer der Chef ist. Während ein möglicherweise provozierter Unfall
und ein Mord geschehen, quält sich Einar damit ab, Leute in den Straßen
von Akureyri nach ihrer Meinung über den Wetterbericht zu befragen.
In Schweden ist die Journalistin als Ermittlerin
Hauptfigur einer fünfteilen
Romanreihe, die weltweit durchschlagenden Erfolg gehabt haben. Annika Bengtzon
wurde von der Journalistin Liza Marklund geschaffen, eine in ihrem Heimatland
durch die Medien bekannte Persönlichkeit. Im Verlauf der Romane begleitet
man die Hauptfigur bei ihrem Kampf, sich einen Platz in der Redaktion der Abendpresse zu
erobern. Annika ist eine geschlagene Frau, die von ihrem Posten vertrieben
wurde, nachdem sie in Notwehr ihren Verlobten getötet hat. Nun muss sich
Annika beweisen, um das zu bewahren, was sie sich schwer erkämpft hat.
Später, als Ressortchefin, als Ehefrau und Mutter, reibt sie sich auf,
um die Anforderungen des Familienlebens und die Notwendigkeiten ihres Berufes,
den sie leidenschaftlich liebt, in Einklang zu bringen. Jede Recherche bringt
für die Heldin ein gehöriges Risiko mit sich, sowohl physisch als
auch psychisch. Und am Ende bleibt sie nie ganz unversehrt. Liza Marklunds
Romane sind fast überall in Europa übersetzt.