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Dominique
Manotti © Seuil
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Elfriede
Müller : Wann haben
Sie angefangen zu schreiben und warum ?
Dominique
Manotti : Ich habe im September 1993 angefangen. Da war
ich bereits 50 Jahre alt. Ich habe nicht gerade jung begonnen.
Natürlich hatte ich als Historikerin bereits Artikel verfasst
und meine Doktorarbeit geschrieben. Es war nicht das erste Mal,
dass ich ein Blatt Papier beschrieb, aber das erste Mal, dass
es sich um einen Roman handelte. Das hat tieferliegende Gründe.
Ich
gehöre einer politisierten und aktivistischen Generation an.
Zur Zeit des Algerienkrieges war ich eine Jugendliche, damals fing
ich an mich zu engagieren. Ich war dann in diversen politischen
Bewegungen aktiv, zunächst gegen den Algerienkrieg, dann in
politischen und gewerkschaftlichen Gruppen. Ich war lange Jahre
Gewerkschafterin, aber als Mitterrand 1981 gewählt wurde,
bin ich richtig verzweifelt. Viele Leute haben an die linke Regierung
geglaubt, ich keinen einzigen Moment. Natürlich habe ich auch
im zweiten Wahlgang für Mitterrand gestimmt, allerdings bin
ich am 10. Mai nicht zur Bastille gegangen. Zunächst war Mitterrand für mich niemals ein Mann der Linken. Dann war ich damals
in der CFDT aktiv, also habe ich mitbekommen was intern so passiert.
Ich war sicher, dass alles mit einer Katastrophe enden würde.
Wenn
man mehr als 20 Jahre lang aktiv war, hört man nicht von heute
auf morgen auf, aber innerhalb von zwei bis drei Jahren verließ ich
die Gewerkschaft und seitdem habe ich nichts mehr gefunden, wo
ich mich engagieren könnte. Ich habe wieder mehr als Historikerin
gearbeitet, doch sehr lustlos. Die historische Forschung soll eigentlich
dazu beitragen, die politischen Aktionen zu untermauern. Aber als
sie dies nicht mehr tat, wurde sie mir ziemlich gleichgültig.
Ich bin auf das 19. Jahrhundert spezialisiert, aber ich interessierte
mich nicht mehr besonders für die Gedanken des französischen
Unternehmertums im 19. Jahrhundert. Es waren ziemlich schwierige
Jahre. Ich lebte so lustlos dahin.
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James
Ellroy
(Photo : Marion Ettlinger)
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1993
kam ich im August nach Paris zurück, um an einem Artikel zu
arbeiten, den eine historische Zeitschrift für Oktober oder
November bestellt hatte. Ich bin die ganze Nacht durchgefahren,
war müde und konnte nicht unmittelbar anfangen zu arbeiten.
So nahm ich recht zufällig ein Buch aus meinem Regal. Es war LA
Confidential von James Ellroy.
Ich hatte nichts von ihm gelesen und wusste nichts über ihn.
Und dann bekam ich einen richtigen Schock... wie ein Knall. Also
las ich alles, was auf französisch zu bekommen war und als
ich die letzte Seite des letzten Buches gelesen hatte, sagte ich
mir : Wenn man so etwas starkes schreiben kann, ist es einen Versuch
wert. Ich werde schreiben.
E.
M. : Sie
haben vom Algerienkrieg und von den Mitterrandjahren gesprochen,
aber 68 gar nicht erwähnt. War die Revolte oder die verpasste
Revolution von 68 auch ein Auslöser für Sie Romane zu
schreiben ?
D.
M. : Nein. 68 war ich Lehrerin an einem Gymnasium, wo
niemals etwas geschah und auf einmal streikte das Gymnasium.
Das war ein außergewöhnlicher Moment. Dann habe ich
in Vincennes unterrichtet, seit der Existenz des Centre
Expérimentel. Auch diese Jahre waren außergewöhnlich.
Doch sehe ich keine Beziehung zwischen meinem Schreiben und 68.
Im Moment jedenfalls noch nicht. Ich schreibe über den Verlust
und die Katastrophen, aber nicht über die erfüllten
Zeiten. Vielleicht werde ich eines Tages über diese Periode
schreiben, doch jetzt reizt es mich nicht.
E.
M. : Was
ist von 68 geblieben ?
D.
M. : Ich glaube nicht viel außer – und das
ist allerdings von Bedeutung – die Freiheit im Privatleben.
Die Verhütung, die Abtreibung, mehr Rechte für die
Frauen, Toleranz in sexuellen Fragen, die staatlichen Normen
und die staatliche Überwachung spielen im privaten Bereich
keine große Rolle mehr. Doch auf sozialer und politischer
Ebene ist es anders. Was ich innerhalb der Universität erlebte,
war die langsame Zerstörung all dessen, was 68 ausmachte.
Dies wird heute durch die Sklerose und die Krise der französischen
Universitäten deutlich. Ich habe es am eigenen Leib gespürt
im Centre Expérimentel von Vincennes,
als die Rechte versuchte alle Neuerungen, die aus 68 entstanden
waren, zu vereiteln und dann die langsame Rückkehr der neuen
Generationen zu den hierarchischen Praktiken der Mandarins. Wenn
die Ordnung überall wieder eingekehrt ist, sind Reformen
nicht mehr möglich und es nützt nichts gegen die Unbeweglichkeit
zu wettern.
Diese
Blockade gilt durchaus für die gesamte französische Gesellschaft.
Es gibt nur noch sehr Wenige, die gewerkschaftlich organisiert
sind. Es sind weniger als 9 %, und die vor allem im öffentlichen
Dienst. Nach den 10 Millionen Streikenden des Mai 68 und für
jemanden wie mich, eine Gewerkschafterin mit Haut und Haaren, die
an die Möglichkeit glaubte, dass die große Masse der
Arbeitenden sich bewegt, ist das ein harter Schlag. Und dazu wird
Frankreich durch die Gesetze von Sarkozy und Perben zum Polizeistaat.
Die gesellschaftlichen Reaktionen sind sehr schwach, fast nicht
vorhanden. Wenn Sie 68 erlebt haben, das große Verlangen
nach Freiheit, das die Bewegung getragen hat, macht die Apathie
Angst. Nein, von 68 bleibt nicht viel, nur die weibliche Emanzipation.
E.
M. : Ist
die Tatsache, dass der französische roman noir links ist,
nicht auch ein Ergebnis von 68 ?
Nicht
der gesamte roman noir ist links. Doch findet man viele 68er, die
die Hoffnungen der Epoche nicht "verraten" haben, viel
mehr als in anderen Berufsgruppen.
E.
M. : Ist
die Schriftstellerei für Sie eine politische Praxis oder eher
ein Rückzug aus der Praxis ?
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Dominique
Manotti © Seuil
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D.
M. : Ich bin nicht mehr aktiv, weil ich in Frankreich
keine Organisation finde, die zu dem passt woran ich geglaubt
habe und wozu ich beitragen wollte. Ich habe eine "schwarze" Sicht
auf die Dinge, weil ich glaube, dass meine Generation die sozialen
Veränderungen, die ich wollte und von denen ich träumte,
nicht mehr erleben wird. Die nächste Generation vielleicht,
aber meine nicht. Schreiben bedeutet für mich die Fortführung
meines Engagements in einer anderen Form, weil die vorherige
Form nicht mehr existiert, aber es ersetzt keinesfalls das politische
Engagement, der Mangel bleibt. Aber es ist eine Lebensform, es
motiviert mich weiter zu leben. Wenn ich Morgen, wie durch ein
Wunder, auf eine Aktionsform treffen sollte, die dem entspricht,
was ich erhoffe und woran ich glaube, würde ich sofort wieder
anfangen politisch zu arbeiten.
Aber ein Roman ist etwas anderes als ein Flugblatt. Einen Roman schreiben,
heißt Personen zum Leben zu erwecken, ganz unterschiedliche Personen,
d.h. Situationen erfinden, kein Flugblatt schreiben. Es ist mir bewusst,
dass ein Teil meiner intellektuellen Bildung aus der leidenschaftlichen Lektüre
von Romanen herrührt. Also, gibt es da einen wechselseitigen Einfluss.
E.
M. : Ich
lese Ihre Romane als historische Chronik der 80er Jahre, denn die
80er Jahre liegen nun 20 Jahre zurück. Welche Rolle spielt
die Geschichte überhaupt in Ihrer Literatur ?
D.
M. : Geschichte spielt
in meiner intellektuellen Bildung eine zentrale Rolle. Ich bin
Historikerin, ich habe das mein ganzes Leben gemacht, ich arbeite
an der Fiktion, wie ich an der Geschichtsschreibung gearbeitet
habe und außerdem finde ich die Vorgehensweise eines Krimischriftstellers
dem von Historikern sehr verwandt. Der Historiker konstruiert
und stellt die Spuren, die Indizien zusammen und schreibt von
da ausgehend einen rationalen Bericht, er verleiht den Spuren
und Indizien einen Sinn. Die Schriftsteller des polar, zumindest
diejenigen, die mir nahe stehen, gehen ungefähr auf die
gleiche Art und Weise vor, wobei sie ihre Phantasie etwas mehr
spielen lassen. Allerdings spielt die Phantasie auch eine beachtliche
Rolle beim Verfassen einer historischen Analyse.
Meine
Arbeitsmethoden ähneln sehr den gerade beschriebenen. Zunächst
suche ich mir ein Thema.
Dann
lese und recherchiere ich für mindestens ein halbes Jahr,
ohne zu sehr einzugrenzen. Ich lese Zeitungen, Bücher, ich
mache Interviews. Für Nos fanstastiques annés
fric (Die Jahre des Geldes, ein preisgekrönter
roman noir über die Mitterrand-Jahre) wollte ich eine Geschichte über
den Waffenhandel zwischen 1980 und 1990 erzählen. Ich bin
dabei von einem Fall aus dem Jahr 1985 ausgegangen. Dann habe ich
die Zeitungen dieses Jahres gelesen, um mich in die Atmosphäre
der Zeit hinein zu versetzen. In diesem Augenblick begannen sich
Silhouetten, Szenen abzuzeichnen. Ich interviewte einen kaufmännischen
Angestellten eines großen Waffenunternehmens, das war erstaunlich
entspannt und amüsant. Dann die im Elysée akkreditierten
Journalisten. Und ich erstellte mir eine Bibliographie über
die zu lesenden Werke. Aber ich arbeite nie in Archiven, soweit
geht es dann doch nicht, das würde mich zuviel Zeit kosten.
Wie
ich meine Themen aussuche ? Mein erster Roman Sombre Sentier war
die Fortsetzung meiner politischen Arbeit. Ich war als Gewerkschafterin
direkt in den Streik des Sentier 1980 verwickelt. Als ich mich
entschlossen hatte, einen roman noir zu schreiben, kam das Thema
wie von selbst. Er musste während dieses Streikes spielen,
ich musste eine geschriebene Spur dieses Streikes hinterlassen.
Nach diesem ersten Buch war ich nicht sicher, ob ich weitermachen
sollte. Man riet mir es zu tun. Also nahm ich mir vor, über
meine politische Desillusionierung zu schreiben, die Mitterrand-Jahre
zwischen 1980 und 1990, als sich Frankreich sehr veränderte:
Die Linke verliert sich, indem sie alle Traditionen übernimmt,
die Sozialisten rehabilitieren die Unternehmen. Es waren Jahre
der Korruption, in denen das Geld König war. Die Dezentralisierung
verbreitet und streut die Korruption, die dadurch wesentlich eher
toleriert wird: Die korrumpierten Politiker werden systematisch
wiedergewählt. Ich hatte Lust, eine Chronik dieser korrupten
Gesellschaft zu schreiben. Es handelt sich dabei selbstverständlich
um ein sehr traditionelles Thema des roman noir.
Das
Thema meines letzten Romans ist die französische Gestapo im
Jahr 1944. Ich bin 1942 geboren – also habe ich überhaupt
keine persönliche Erinnerung an diesen Krieg. Allerdings habe
ich eine sehr starke Erinnerung an die große Stille, die
auf diesen Krieg folgte. Ich wollte wissen, welche Gründe
es für diese Stille gab, was sich dahinter verbarg : Hinter
der breiten Unterstützung für Vichy und die deutschen
Besatzer, hinter dem langen Flirt der Masse mit dem Nazismus, den
vordergründig zu verbergen De Gaulle und die Résistance
lange Zeit ermöglichten.
Schließlich
sind meine Themen keine historischen Themen, es sind politische
Themen. Ich versuche eine politische Geschichte meiner Generation
zu schreiben.
E.
M. : Welche
Rolle spielt das Subjekt in Ihren Romanen ?
D.
M. : Das Subjekt ist fundamental für meine Romane.
Ein Roman ist nur dann spannend, wenn die Individuen lebendig
sind. Es sind Leute, die man trifft, mit denen man spricht, die
man sympathisch oder unsympathisch findet, die man hasst, begehrt,
liebt. Es muss lebhaft zugehen, es geht um Individuen nicht um
Abstraktionen. Beim Aufbau meiner Romane, forsche ich zuerst
und lese und erst wenn ich von dieser Epoche und meinem Thema
durchdrungen bin, kommen die Personen. Sie sind zwar immer sehr
von ihrem Kontext geprägt, doch meine spezifische Arbeit
besteht darin diesen Personen Leben einzuhauchen.
E.
M. : Sind
diese Individuen Ideenträger, transportieren sie Hoffnungen
auf Veränderung oder sind sie nur die Zeugen einer verlorenen
Zeit ?
D.
M. : Mit dieser Frage berühren Sie ein schwieriges
Problem meiner Romane. Meine Persönlichkeiten sind aktiv,
Hoffnungsträger, aber auch verzweifelt. Aber die positiv
gezeichneten Personen sind eher Zeugen als Akteure. Das entspricht
sicherlich meiner eigenen aktuellen Position. Zumindest Zeuge
zu sein.
E.
M. : Der
Erfolg der Front National bei den Wahlen und im Leben seit 1983
wurde in vielen polars thematisiert. Glauben Sie, dass diese Art
von Literatur ein Mittel im Kampf gegen den Aufstieg des Faschismus
sein kann ?
D. M. : In meinen Romanen kommen keine
bestimmten politischen Gruppen vor, also auch nicht der FN.
In Sombre
Sentier erzähle ich von einem Arbeitskampf, in
meinen anderen Texten interessiere ich mich für die großen
Skandale und die Korruption der traditionellen Parteien. Ich
habe wenig über den FN geschrieben, denn ich glaube, um über
etwas zu schreiben, sollte man sich wirklich gut auskennen und
ich kenne ehrlich gesagt den FN eigentlich nicht. Der FN ist
ein wichtiges Phänomen, aber ich verstehe die Menschen nicht,
ich weiß nicht warum sie sich für den FN entscheiden.
Ich kann mich eher in einen Großunternehmer oder einen
korrupten Politiker der UMP hineinversetzen, die sich sehr sicher
fühlen und ein reines Gewissen haben, so als würden
sie über den Gesetzen stehen. Sie wären wirklich entrüstet,
sich vor einem Richter rechtfertigen zu müssen. Sie gehen
davon aus, dass die Gesetze für die Armen gemacht sind,
die Arbeiter, die Immigranten. Sicherheit bedeutet für sie,
den Diebstahl von Handys und das Abfackeln von Autos zu unterbinden.
Sie haben niemals das Handy ihrer Nachbarin gestohlen, niemals
Brot in der Bäckerei mitgehen lassen oder ein Auto geklaut.
Sie stehlen Millionen, aber es handelt sich um abstraktes Geld,
um schlichte Geldtransfers auf Bankkonten. Wem stehlen sie denn
dieses Geld? Die Kommissionen, die sich mit den taiwanischen
Fregatten befassten, die Betrügereien von Executive Life
und dem Crédit Lyonnais, wem wurde das weggenommen ? Niemand.
Also hat die Justiz dabei nichts verloren. Und sie sind schockiert,
wenn sie verurteilt werden, sind sich sicher im Recht zu sein.
Ich schaffe es, Romanfiguren aus ihnen zu machen, weil ich verstehe,
wie sie funktionieren. Die Leute der FN entziehen sich meinem
Verständnis.
E.
M. : Richten
Sie sich an ein bestimmtes Publikum ?
D.
M. : Nein und ich denke auch nicht an ein Publikum wenn
ich schreibe. Ich gehe nicht davon aus von einem breiten Publikum
gelesen zu werden. Zunächst, weil die Bücher nicht
von einem breiten Publikum gekauft werden. Aber mehr kann ich
dazu nicht sagen.
E.
M. : Warum
haben sie eine journalistische, historische und dichte Erzählform
gewählt ?
D.
M. : Das kommt von meiner historischen Tätigkeit.
Ich würde gerne anders schreiben. Aber es geht nicht. Für
mich existieren ein Ereignis oder eine Person erst dann, wenn
sie datiert und lokalisiert sind. Genau wie in der Geschichtsschreibung.
In der Geschichtsschreibung existiert eine Quelle erst dann,
wenn sie datiert und analysiert ist. Und bei mir verhält
es sich so, dass das, was am 6.Juni 1944 geschieht, anders abläuft,
als wäre es am 7. oder am 5.Juni passiert. Damit meine Phantasie
in Gang kommt, muss ich wissen, wann etwas geschieht. Die Tatsache,
dass meine Texte bis heute datiert sind und dass ich davon nicht
abstrahieren kann, hängt mit meiner Denkform zusammen.
E.
M. : Manchette
behauptete in seinen Chroniques, dass der roman noir zu einer literarischen
Form des 19. Jahrhunderts zurückkehrt. Finden Sie diese Bemerkung
zutreffend ?
D.
M. : Da ist was dran. In unseren Romanen gehen wir zur
Geschichte zurück, zur Anekdote, zu den Subjekten. Das ist
eigentlich ziemlich klassisch. Wir sind Geschichtenerzähler.
Daeninckx hat darüber geschrieben. Sie bezeichnen das als
eine Rückkehr zu den Schriftstellern des 19. Jahrhunderts
? Vielleicht, nach dem nouveau roman oder den sehr persönlichen
Romanen der aktuellen Literatur und der Thematisierung des Privatlebens.
Balzac bleibt für mich eine Referenz, eine Lektüre
meiner Jugend, die mich sehr geprägt hat. Aber seine Schreibweise
unterscheidet sich sehr von meiner. Ich glaube, dass die stärksten
Einflüsse von der amerikanischem Literatur und dem amerikanischem
Kino des 20. Jahrhunderts kommen.
E.
M. : Repräsentieren
die polars für Sie eine linke dissidente Literatur im Vergleich
zur aktuellen Literaturproduktion ?
D.
M. : Dissident ja, links auch. Doch man darf auch nicht
zu sehr verallgemeinern. Es gibt eine ganze Reihe von Autoren,
die mehr oder weniger mit der 68er Bewegung flirteten, die die
gleiche Vergangenheit erlebten. Doch die Jüngeren, die nicht über
die gleiche Vergangenheit und Kultur verfügen ? Ich bin
nicht überzeugt davon, dass die Dissidenz mit dem literarischen
Genre zu tun hat, eher mit der Geschichte derjenigen, die schreiben.
E.
M. : Begreifen
Sie diese Autoren als Schule, Gruppe oder Strömung ?
D.
M. : Eine Strömung ja, eine Schule nein, denn es
gibt keine Sitzungen oder kollektiven Diskussionen. Ich glaube
auch nicht, dass jemand Lust auf eine Schule hätte.
E.
M. : Wie
würden Sie diese Strömung nennen ?
D.
M. : Verzweifelte Dissidenten ?
Das
Interview führte und übersetzte Elfriede Müller