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Bang Bang stirbt
Rob
Alef
Berlin
(Shayol) • 2005 • 254 Seiten
Was
soll man erwarten ? Es ist ein deutscher Krimi. Es ist ein Krimi,
der in der nahen Zukunft spielt. In der nahen Zukunft der deutschen
Stadt Berlin. Und es ist ein Erstlingswerk, das in einem kleinen
Verlag erschienen ist, der sich auf Horror und Mystery spezialisiert
hat.
Im
lokalen Veranstaltungsblatt schrieb der Redakteur, dass der Autor
eine Schraube locker habe. Das will ich nicht kommentieren, denn
im richtigen Leben ist der Autor mein Chef.
Und
ich muss sagen : das hätte ich nicht erwartet, weder von einem
deutschen Krimi noch von meinem Chef. Schwarzer Humor, bei dem der
Engländer erblassen würde, ließe der ständige
Nebel dies überhaupt zu, ein zynischer Blick auf Politik und
Gesellschaft, die manchen französischen polar geradezu versöhnlerisch
aussehen lässt, eine Verzweiflung, die die »German Angst« als
zukunftsfroh demaskiert und das alles mit einer Leichtigkeit hingeworfen,
als wäre der Chef das ganze Jahr am Mittelmeer in Urlaub. Oder
in China, wo mit Sicherheit jene Halluzinogene zu haben sind, mit
denen sich ein mafiöser Panda-Bär im Berliner Hochsicherheitszoo »Zoo« ansiedeln
lässt, damit er dort resozialisiert werde. Dumm nur, dass er
von dort aus in eine andere Gefangenschaft entführt wird, und
zwar in die der radikal-veganischen Terrororganisation »Rote
Bete Fraktion«, die, der belanglosen Schaben- und Gülleüberfälle
auf badische Feinkostmetzgereien leid, damit nicht nur ein Zeichen
gegen Fleischkonsum und Rinderschänderei setzen, sondern
auch alle Tiere aus dem Reformsozialisierungstierpark Berlin
Friedrichsfelde
freipressen will.
Dies
ist natürlich ein Fall für Pachulke und Zabriskie, das
ungleiche Ermittlergespann. Der träge Pachulke ist heimlich
in eine Opernsängerin verliebt und seine dringlichste Frage
lautet, mit welchem Namen er die die kleinen runden Papierschnippel
bezeichnen könnte, die ein Locher aus einem Blatt Papier herausstanzt.
Zabriskie hingegen liebt den Whiskey straight und ist auf der Suche
nach passenden Abwechslungen, damit ihre Nächte nicht alleine
enden. Währenddessen starten vom Flughafen Tempelhof ohne Unterlass
die ausrangierten Maschinen einer bankrott gegangenen Schweizer Fluglinie,
die früher oft von Zürich aus geflogen ist. Gelandet wird
dort allerdings nicht. Denn der umtriebige Regierende Bürgermeister
und Geliebte Bausenator hat zusammen mit seinem getreuen Staatssekretär
Prunk und dem Mehrheitsführer im Ausschuss für Alles, Blaschko
von Goltz, dem zwei Diener täglich die Füße lecken,
einen Plan entworfen, mit dem die Stadt nicht nur in 321 Jahren schuldenfrei
sein könnte, sondern auch die Vollbeschäftigung erreicht
werden kann : Des Lebens überdrüssige Neureiche lassen
sich dort als Piloten ausbilden und landen punktgenau in den Wahrzeichen
der Stadt. Das schafft Arbeit für all die Trümmerfrauen
und –männer und das Baugewerbe, das die entstandenen Brachen
mit neuen Wahrzeichen füllt, boomt wie nach einem Krieg.
Der
neue Reichtum, der entsteht, gibt auch den Ärmsten eine Chance:
Sei es als »Info«, der an der Straßenecke den Straßennamen
ausruft und der, wenn er eine entsprechende Fortbildung erfolgreich
abgeschlossen hat, auch die historischen Details der pulverisierten
Denkmäler und Museen auskrakeelen kann, sei es als livrierter
Diener bei den Cocktailempfängen des politisch entscheidenden
Ausschusses für Alles. Dass Reihum gestorben wird, ist
in dieser Stadt normal.
Aber
vergessen wir nicht den Panda. Kann er sich aus den Klauen
der »Rote
Beete Fraktion« befreien ? Lösen Pachulke und Zabriskie
den Fall? Oder war alles doch ganz anders ? Weshalb musste der Fachmann
für das Gabelwesen sterben? Und wer hat den Zoodirektor, bekleidet
mit der roten Badehose des Gatten seiner Sekretärin, in
das Piranhabecken geworfen ?
Das
sind Fragen, die sich nur durch die Lektüre des Buches selbst
beantworten lassen. Dass darin nicht alle angedeuteten Handlungsstränge
konsequent zu Ende geführt werden, dass manche Figur detailreich
eingeführt und dann aus den Augen verloren wird, dass manche
Nebenhandlung stärker betont ist, als ihrer Funktion für
den Hauptplot gut tut, all das macht nichts aus. Es zeigt nur, dass
in diesem einen Buch Ideen für vier andere stecken. Ich sage
das nicht nur, weil ich von diesem Erstling eines deutschen Autors überrascht
bin, sondern ein bisschen auch deswegen, weil der Autor im
richtigen Leben mein Chef ist. Denn wenn er einen Krimi schreibt,
dann schaut
er nicht so genau, hin, was seine Untergebenen so treiben.
Und
wenn man eines lernt aus diesem Krimi, dann, dass wir da unten eine
glänzende Zukunft haben werden, wenn die da oben ihre Visionen
ungestört verfolgen können.

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