krimis in Europa
n°1 Mai-Juni 2005

 

 

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Intérieur nord
Marcus Malte

Editions Zulma, Collection Quatre-Bis • 2005

Corinne Naidet
Übersetzung: Alexander Ruoff

 

Es ist eine Reise ans Ende des Lebens, auf die uns Marcus Malte in seinen vier Erzählungen einlädt: Geschichten über das Leben, die Liebe, den Tod. Die ewige Dreieinigkeit, an der wir uns alle stoßen. Vier menschliche Stimmen, die über sich erzählen, über den Tod eines Vaters, eines Sohnes, einer Geliebten... Die über das Unsagbare sprechen, darüber, was das Leid aus dem Leben eines Menschen machen kann. Eine Hölle, für sich selbst und für die Anderen. In jeder dieser Erzählungen erklärt uns eine menschliches Wesen ein kleines Stück seines Lebens um seine Last mit uns zu teilen.

Man könnte von Beichten sprechen, aber zu keinem Moment hat der Leser den Eindruck, als heischten diese Menschen nach einer Entschuldigung oder wollten auch nur ihr Gewissen erleichtern. Sie versuchen ganz einfach das auszudrücken, was sie in den intensivsten Momenten ihres Lebens empfunden haben, in ihren Leidensmomenten, ein Wort, das hier ganz in seinem mythologischen Sinn zu verstehen ist...

Eines der schwärzesten Bücher in diesem ersten Drittel des Jahres 2005 und auch eines der schönsten. Der Autor schafft es in jeder dieser kurzen Erzählungen, den Text selbst durch eine einfache und aufs nötigste reduzierte Sprache verschwinden zu lassen, so dass nur die reine Emotion bleibt. Einfach aber nicht simplizistisch. Eine sehr schöne Stilübung.

Und Marcus Malte verliert darüber nie die Geschichten selbst aus den Augen: Eine jede ist von einer exemplarischen Wucht, die das Wichtigste nie vergisst: Den Menschen, der sich im Wirrwar seiner Gefühle verliert, der, zerrissen und verloren durch die seltsamen Wege, über die sein Schicksal ihn führt, sein Leben nicht mehr meistern kann und unter seiner Last zerbricht.

 

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