krimis in Europa
n°1 Mai-Juni 2005

 

 

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French Tabloïd
Jean-Hugues Oppel

Rivages thriller • 2005

Corinne Naidet
Übersetzung: Michael Koltan

 

April 2002. Frankreich steht unter Schock: Im ersten Wahlgang für die Präsidentenwahlen erzielt Jean Marie Le Pen (extreme Rechte) die zweithöchste Stimmenzahl und fordert den zukünftigen Präsidenten Jacques Chirac (traditionelle Rechte) heraus. 15 Tage später wird dieser mit einem Ergebnis wiedergewählt, das einer Bananenrepublik würdig ist. Warum hat es der sozialistische Kandidat Lionel Jospin nicht wie vorausgesagt geschafft, unter die zwei Kandidaten für die Stichwahl zu kommen? Was wäre, wenn ein Teil der Öffentlichkeit so manipuliert worden wäre, damit er herausgedrängt wird, damit Präsident Chirac gegen einen Politker antritt, der keinerlei Chance hatte, gewählt zu werden?


Genau dies malt Hugues Oppel in der ziemlich realistischen politischen Fiktion dieses Buches aus...
Es genügt ein Beratungs-Büro, das die gesamten Französischen Medien ab dem März 2001 dahingehend manipuliert, dass die Schlagzeilen immer mehr die Sicherheitslage thematisieren. Parallel dazu bringt Goodwhile, ein Spezialist für Gehirnwäsche, sukzessive Voctor Courtaillet, der kurz vor der Pleite steht und von Hass zerfressen wird, dazu, ein Massaker zu verüben, das die alltägliche Gewalt schlagend illustriert. Im Schatten der Macht weben die handelnden Personen an dem Gespinst, in das sich Courtaillet und, in einem geringeren Maße ein integrer Bulle, Leutnant Courtaillet, verstricken werden. Zwischen den Kapitel finden wir Zeitungstitel, in denen sich die Worte "Delinquenz" und "Gewalt" zusehends häufen (diese sind alle authentisch und vom Autor zusammengetragen).

Jean Hugues Oppel hat hier seine Aufgabe außerordentlich schön gelöst: Mit klug kalkulierter Kaltblütigkeit teilt er uns methodisch die Fakten eine nach der anderen ohne irgendeine Wertung mit. Der Stil ist scheinbar einfach, dabei sehr ausgearbeitet und vermeidet jede Emphase. Die Fakten, nichts als die Fakten, denen wir ohne Ermüdungserscheinungen folgen, dank des Rhythmus, den der Autor über die ganze Länge seiner Erzählung durchhält... und ohne dabei seine Personen im Stich zu lassen, mit denen wir gelegentlich wider Willen Sympathie empfinden.
Doch natürlich, wie sollte es auch anders sein, ist das bloß eine Fiktion und nur ein "roman noir"-Autor vermag sich auszudenken, dass solche Geschichten in unserem schönen, demokratischen Land passieren könnten...

 

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