April
2002. Frankreich steht unter Schock: Im ersten Wahlgang für
die Präsidentenwahlen erzielt Jean Marie Le Pen (extreme
Rechte) die zweithöchste Stimmenzahl und fordert den zukünftigen
Präsidenten Jacques Chirac (traditionelle Rechte) heraus.
15 Tage später wird dieser mit einem Ergebnis wiedergewählt,
das einer Bananenrepublik würdig ist. Warum hat es der
sozialistische Kandidat Lionel Jospin nicht wie vorausgesagt
geschafft, unter die zwei Kandidaten für die Stichwahl
zu kommen? Was wäre, wenn ein Teil der Öffentlichkeit
so manipuliert worden wäre, damit er herausgedrängt
wird, damit Präsident Chirac gegen einen Politker antritt,
der keinerlei Chance hatte, gewählt zu werden?
Genau dies malt Hugues Oppel in der ziemlich realistischen politischen
Fiktion dieses Buches aus...
Es genügt ein Beratungs-Büro, das die gesamten Französischen
Medien ab dem März 2001 dahingehend manipuliert, dass die Schlagzeilen
immer mehr die Sicherheitslage thematisieren. Parallel dazu bringt Goodwhile,
ein Spezialist für Gehirnwäsche, sukzessive Voctor Courtaillet,
der kurz vor der Pleite steht und von Hass zerfressen wird, dazu, ein Massaker
zu verüben, das die alltägliche Gewalt schlagend illustriert.
Im Schatten der Macht weben die handelnden Personen an dem Gespinst, in
das sich Courtaillet und, in einem geringeren Maße ein integrer Bulle,
Leutnant Courtaillet, verstricken werden. Zwischen den Kapitel finden wir
Zeitungstitel, in denen sich die Worte "Delinquenz" und "Gewalt" zusehends
häufen (diese sind alle authentisch und vom Autor zusammengetragen).
Jean
Hugues Oppel hat hier seine Aufgabe außerordentlich schön
gelöst: Mit klug kalkulierter Kaltblütigkeit teilt
er uns methodisch die Fakten eine nach der anderen ohne irgendeine
Wertung mit. Der Stil ist scheinbar einfach, dabei sehr ausgearbeitet
und vermeidet jede Emphase. Die Fakten, nichts als die Fakten,
denen wir ohne Ermüdungserscheinungen folgen, dank des
Rhythmus, den der Autor über die ganze Länge seiner
Erzählung durchhält... und ohne dabei seine Personen
im Stich zu lassen, mit denen wir gelegentlich wider Willen
Sympathie empfinden.
Doch natürlich, wie sollte es auch anders sein, ist das bloß eine
Fiktion und nur ein "roman noir"-Autor vermag sich auszudenken,
dass solche Geschichten in unserem schönen, demokratischen Land passieren
könnten...