Das katalanische
Original des Romans El Procedimiento (Der
Prozeß)
verfasste Jaume Fuster 1972 unter dem Titel De mica
en mica s’omple la pica und übertrug ihn erst später
ins Spanische. Fuster, erfolgreicher Romanautor und literarischer
Erbe Rafael Tasis’ und Manuel de Pedrolos eröffnet mit
diesem Werk die katalanische Krimiliteratur der 70-er Jahre.
El Procedimiento erzählt die Erlebnisse Enric
Vidals, eines aberteuerlustigen und neugierigen Jugendlichen, der
sich fortwährend an der Grenze zur Illegalität bewegt.
Indem dem Protagonisten ein Transportgeschäft fragwürdiger
Legalität angeboten wird, wird eine Thematik angesprochen, die
in den 70’er Jahren sehr präsent war; die Kapitalflucht
in Richtung der Schweizer Banken. Dieser Aspekt bildet die historischen
und gesellschaftlichen Hintergrund, vor dem sich der Roman entwickelt
und ohne den man seine eigentliche Kernidee nicht nachvollziehen
könnte.
Korrupte Figuren wie Jaume Romagosa und Senyor Batlle treten in Erscheinung.
Diese können sich bei ihren Aktionen auf die Zustimmung der
Autoritäten, wie der Polizei oder der Behörden verlassen.
Eine außergewöhnliche Mordserie wird zum Sinnbild des
Verfalls einer immer korrupter werdenden Gesellschaft.
Dieser Roman
Fusters weist zudem engste Verbindungen zur US-amerikanischen Kriminalliteratur
auf. Die Räume, durch die sich die Figuren
quer durch die Großstädte bewegen, kann man nur im Zusammenhang
mit den Bevölkerungskonzentrationen und dem Erscheinen des Lumpenproletariats
in den Städten des 20. Jahrhunderts verstehen.
Elemente der städtischen Unterwelt und die elenden Wohnquartiere
und Pensionen bilden im Roman ein labyrinthisches Gewebe, das man
als urbanen Costumbrismus bezeichnen könnte.
Erscheinungsbild und Darstellung der Stadt Barcelona im Krimi, so
wie man sie bei vielen katalanischen Autoren findet, beweisen, dass
dieses beeindruckende Szenario einen geeigneter Schauplatz für
diese Art von Literatur ist. In den Romanen Fusters findet man immer
eine geschickte Nutzung des Raumes, durch die Beziehungen zwischen
Text und gesellschaftlichem Kontext hergestellt werden.
El Procedimiento verfolgt die gleiche Absicht, die auch später den „Pepe Carvalho- Romanen“ von Manuel
Vázquez Montalbán zu Grunde liegt. Letztendlich geht
es darum, einige Wertvorstellungen, die im Spanien der Diktatur als
absolute aufgefasst wurden und einige offizielle Versionen, die viel
Geschehenes verschleiert haben, in Zweifel zu ziehen. Fuster ruft
durch sein literarisches Schaffen Teile dieser Dunkelheit wieder
in Erinnerung und schreibt einen Roman, der die Welt jener Zeiten
widerspiegelt; eine Welt der Krise, der Kapitalflucht, der ungelösten
Verbrechen und vieler Geheimnisse, die darauf warten, aufgedeckt
zu werden.