krimis in Europa
n°2 July-August-September 2005

 

 

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El procedimiento
(Der Prozeß)
Jaume Fuster

Àlex Martín Escribà
Übersetzung: Claudia Manthey

 

Das katalanische Original des Romans El Procedimiento (Der Prozeß) verfasste Jaume Fuster 1972 unter dem Titel De mica en mica s’omple la pica und übertrug ihn erst später ins Spanische. Fuster, erfolgreicher Romanautor und literarischer Erbe Rafael Tasis’ und Manuel de Pedrolos eröffnet mit diesem Werk die katalanische Krimiliteratur der 70-er Jahre.

El Procedimiento erzählt die Erlebnisse Enric Vidals, eines aberteuerlustigen und neugierigen Jugendlichen, der sich fortwährend an der Grenze zur Illegalität bewegt. Indem dem Protagonisten ein Transportgeschäft fragwürdiger Legalität angeboten wird, wird eine Thematik angesprochen, die in den 70’er Jahren sehr präsent war; die Kapitalflucht in Richtung der Schweizer Banken. Dieser Aspekt bildet die historischen und gesellschaftlichen Hintergrund, vor dem sich der Roman entwickelt und ohne den man seine eigentliche Kernidee nicht nachvollziehen könnte. Korrupte Figuren wie Jaume Romagosa und Senyor Batlle treten in Erscheinung. Diese können sich bei ihren Aktionen auf die Zustimmung der Autoritäten, wie der Polizei oder der Behörden verlassen. Eine außergewöhnliche Mordserie wird zum Sinnbild des Verfalls einer immer korrupter werdenden Gesellschaft.

Dieser Roman Fusters weist zudem engste Verbindungen zur US-amerikanischen Kriminalliteratur auf. Die Räume, durch die sich die Figuren quer durch die Großstädte bewegen, kann man nur im Zusammenhang mit den Bevölkerungskonzentrationen und dem Erscheinen des Lumpenproletariats in den Städten des 20. Jahrhunderts verstehen. Elemente der städtischen Unterwelt und die elenden Wohnquartiere und Pensionen bilden im Roman ein labyrinthisches Gewebe, das man als urbanen Costumbrismus bezeichnen könnte. Erscheinungsbild und Darstellung der Stadt Barcelona im Krimi, so wie man sie bei vielen katalanischen Autoren findet, beweisen, dass dieses beeindruckende Szenario einen geeigneter Schauplatz für diese Art von Literatur ist. In den Romanen Fusters findet man immer eine geschickte Nutzung des Raumes, durch die Beziehungen zwischen Text und gesellschaftlichem Kontext hergestellt werden.

El Procedimiento verfolgt die gleiche Absicht, die auch später den „Pepe Carvalho- Romanen“ von Manuel Vázquez Montalbán zu Grunde liegt. Letztendlich geht es darum, einige Wertvorstellungen, die im Spanien der Diktatur als absolute aufgefasst wurden und einige offizielle Versionen, die viel Geschehenes verschleiert haben, in Zweifel zu ziehen. Fuster ruft durch sein literarisches Schaffen Teile dieser Dunkelheit wieder in Erinnerung und schreibt einen Roman, der die Welt jener Zeiten widerspiegelt; eine Welt der Krise, der Kapitalflucht, der ungelösten Verbrechen und vieler Geheimnisse, die darauf warten, aufgedeckt zu werden.

 

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