krimis in Europa
n°3 November-Dezember-Januar 2005/06

 

 

Ruumiin Kulttuuri
(Finnische Krimizeitschrift)

Etienne Borgers
aus dem Französischen von Alexander Ruoff

Diese hervorragend gestaltete finnische Zeitschrift hat sich voll und ganz der Kriminalliteratur verschrieben, mit Exkursionen in die benachbarten Bereiche des Films und des Videos. Sie existiert seit 20 Jahren, erscheint vier mal im Jahr und ist das Organ der finnischen Krimivereinigung: SUOMEN DEKKARISEURA (auf deutsch: »Finnische Gesellschaft des Detektivromans«, im englischen besser ausgedrückt mit »The Finnish Whodunnit Society«).

Der Titel der Zeitschrift, RUUMIIN KULTTUURI, ist ein Wortspiel um den Begriff »Körper«, der im finnischen die doppelte Bedeutung von Leiche und fleischlicher Hülle hat (wie auch das französische »corps« oder das englische »body«), und deshalb kaum ins deutsche zu übersetzen ist (auf englisch würde man einfach sagen: Body Culture). Kultur und Kadaver? ... Wie dem auch sei, letztlich könnte man sagen: Kultur des Verbrechens, (in französisch »Der Körper des Verbrechens«) was dem Original wohl am nächsten kommt.

Neben der Krimiliteratur jeglicher Provenienz werden auch die Publikationen lokaler Autoren analysiert und diskutiert. Denn trotz einer zahlenmäßig ziemlich kleinen Bevölkerung (um die 5,2 Mio Einwohner) und kulturell relativ isoliert durch eine kaum verbreitete Sprache, lebt der Krimi in Finnland nicht schlecht, dank zahlreicher Übersetzungen hauptsächlich US-amerikanischer, aber auch englischer, französischer,deutscher und skandinavischer Autoren ... Dabei sollte die einheimische finnische Produktion nicht vergessen werden, die auch quantitativ nicht zu vernachlässigen ist.

Zudem sprechen sehr viele Finnen englisch und haben so einen direkten Zugang zu den angelsächsischen Quellen. Und wenn man dann noch weiß, dass Finnland weltweit eine der höchsten Raten (pro Kopf und Jahr) an gelesenen Büchern aufweist, dann kann man verstehen, dass der Krimi dort ein interessiertes Publikum behalten hat. Erst kürzlich, im April 2005, ist an der Universität von Joensuu eine Dissertation (von Voitto Ruohonen) angenommen worden, die sich auf die lokale Krimiliteratur konzentriert und die finnische Gesellschaft zum Thema hat, wie sie in den Romanen von Matti Yrjänä Joensuu (dieser finnische Autor wird auf deutsch bei btb verlegt) beschrieben wird?

Vor diesem Hintergrund ist man doch ein wenig erstaunt über den Eklektizismus dieser Zeitschrift ... Nehmen wir zum Beispiel die letzte Ausgabe (vol 2 - 2005).
Das Cover mit einem Photo von Jean Gabin aus Touchez pas au grisbi (dt.: Wenn es Nacht wird in Paris) kündigt an: »Hartgesottenes aus Frankreich: Giovanni, Simonin, Le Breton«. Der erste Teil bringt eine gute und fundierte Studie über Leben und Werk von José Giovanni (José Giovanni: Der Mann mit den vielen Vergangenheiten) von Tapani Bagge.
Vorstellungen des Werks von Karin Slaughter, begleitet von einem Interview mit der Autorin, ein Artikel über die schwarzen Romane von Vicky Hendricks, zahlreiche ausführliche Kritiken von Romanen und Essays (in einer Rubrik in der man auch einen Kommentar zu dem Roman von Fred Vargas Fliehe weit und schnell, übersetzt ins Finnische, findet) und Filmbesprechungen stehen neben Berichten über die Aktivitäten der Finnischen Krimigesellschaft.
Eine Seite auf Englisch gibt eine kurze Inhaltsangabe der Artikel und der Informationen, die in dieser Nummer enthalten sind.

Und all das auf 72 gedrängten Seiten, mit hervorragenden Photos reich bebildert.
Gute Arbeit aus Finnland, die manche europäische Zeitschrift, kommerzielle eingeschlossen, vor Neid erblassen lässt.


Informationen:

RUUMIIN KULTTUURI
PL6, 00551 Helsinki
Finnland

homepage: http://www.dekkariseura.fi
(die homepage beinhaltet eine Seite, die über die Vereinigung Suomen Dekkariseure und die Zeitschrift auf englisch informiert).

Preis: 8.- € plus Porto
Jahresabonnement (vier Ausgaben): 38.- € (innerhalb Europas)
Für weitere Informationen bitte die Zeitschrift kontaktieren.

 

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