Ruumiin
Kulttuuri
(Finnische
Krimizeitschrift)
Etienne
Borgers
aus
dem Französischen von Alexander Ruoff
Diese
hervorragend gestaltete finnische Zeitschrift hat sich voll und ganz
der Kriminalliteratur verschrieben, mit Exkursionen in die benachbarten
Bereiche des Films und des Videos. Sie existiert seit 20 Jahren,
erscheint vier mal im Jahr und ist das Organ der finnischen Krimivereinigung:
SUOMEN DEKKARISEURA (auf deutsch: »Finnische Gesellschaft des
Detektivromans«, im englischen besser ausgedrückt mit »The
Finnish Whodunnit Society«).
Der
Titel der Zeitschrift, RUUMIIN KULTTUURI, ist ein Wortspiel um
den Begriff »Körper«, der im finnischen die doppelte
Bedeutung von Leiche und fleischlicher Hülle hat (wie auch das
französische »corps« oder das englische »body«),
und deshalb kaum ins deutsche zu übersetzen ist (auf englisch
würde man einfach sagen: Body Culture). Kultur und Kadaver?
... Wie dem auch sei, letztlich könnte man sagen: Kultur des
Verbrechens, (in französisch »Der Körper des Verbrechens«)
was dem Original wohl am nächsten kommt.
Neben
der Krimiliteratur jeglicher Provenienz werden auch die Publikationen
lokaler Autoren
analysiert und diskutiert. Denn trotz einer zahlenmäßig
ziemlich kleinen Bevölkerung (um die 5,2 Mio Einwohner) und
kulturell relativ isoliert durch eine kaum verbreitete Sprache, lebt
der Krimi in Finnland nicht schlecht, dank zahlreicher Übersetzungen
hauptsächlich US-amerikanischer, aber auch englischer, französischer,deutscher
und skandinavischer Autoren ... Dabei sollte die einheimische finnische
Produktion nicht vergessen werden, die auch quantitativ nicht zu
vernachlässigen ist.
Zudem
sprechen sehr viele Finnen englisch und haben so einen direkten
Zugang zu den angelsächsischen Quellen. Und wenn man dann noch
weiß, dass Finnland weltweit eine der höchsten Raten (pro
Kopf und Jahr) an gelesenen Büchern aufweist, dann kann man
verstehen, dass der Krimi dort ein interessiertes Publikum behalten
hat.
Erst kürzlich, im April 2005, ist an der Universität von
Joensuu eine Dissertation (von Voitto Ruohonen) angenommen worden,
die sich auf die lokale Krimiliteratur konzentriert und die finnische
Gesellschaft zum Thema hat, wie sie in den Romanen von Matti
Yrjänä Joensuu (dieser finnische Autor wird auf deutsch bei btb verlegt) beschrieben
wird?
Vor
diesem Hintergrund ist man doch ein wenig erstaunt über
den Eklektizismus dieser Zeitschrift ... Nehmen wir zum Beispiel
die letzte Ausgabe (vol 2 - 2005).
Das Cover mit einem Photo von Jean Gabin aus Touchez pas
au grisbi (dt.: Wenn es Nacht wird in
Paris) kündigt an: »Hartgesottenes
aus Frankreich: Giovanni, Simonin, Le Breton«. Der erste Teil
bringt eine gute und fundierte Studie über Leben und Werk von
José Giovanni (José Giovanni: Der Mann mit den vielen
Vergangenheiten) von Tapani Bagge.
Vorstellungen des Werks von Karin Slaughter, begleitet von einem
Interview mit der Autorin, ein Artikel über die schwarzen Romane
von Vicky Hendricks, zahlreiche ausführliche Kritiken von Romanen
und Essays (in einer Rubrik in der man auch einen Kommentar zu dem
Roman von Fred Vargas Fliehe
weit und schnell, übersetzt ins
Finnische, findet) und Filmbesprechungen stehen neben Berichten über
die Aktivitäten der Finnischen Krimigesellschaft.
Eine Seite auf Englisch gibt eine kurze Inhaltsangabe der Artikel
und der Informationen, die in dieser Nummer enthalten sind.
Und
all das auf 72 gedrängten Seiten, mit hervorragenden Photos
reich bebildert.
Gute Arbeit aus Finnland, die manche europäische Zeitschrift,
kommerzielle eingeschlossen, vor Neid erblassen lässt.
Informationen:
RUUMIIN KULTTUURI
PL6, 00551 Helsinki
Finnland
homepage: http://www.dekkariseura.fi
(die homepage beinhaltet eine Seite, die über die Vereinigung
Suomen Dekkariseure und die Zeitschrift auf englisch informiert).
Preis:
8.- € plus
Porto
Jahresabonnement (vier Ausgaben): 38.- € (innerhalb Europas)
Für weitere Informationen bitte die Zeitschrift kontaktieren.