krimis in Europa
n°4 Februar-März-April 2006

 

 

>> Rezension

Leibhaftiger Mythos

Enthüllungen eines Privatdetektivs
(Confidencias de un detective privado)

Juan-Carlos Arias

La Esfera de los libros • 2005

Javier Sánchez Zapatero
Übersetzung: Susanne Lenze

 

Konstituiert als eine der ganz großen literarischen und filmischen Ikonen des 20. Jahrhunderts, ist die Figur des Privatdetektivs immer hinter einem Vorhang der Zweideutigkeit und des Geheimnisses verborgen geblieben. All das, was die Gesellschaft über seinen Arbeitsalltag wusste, kannte sie von dem in Rauch und Schießpulver gehülltem Klischee, nützlich für die Kinofilme und Romans noirs. Die betrügerische Macht der Fiktion identifiziert im Vergleich zur Realität den Privatdetektiv mit einer einsamen entwurzelten Gestalt, einem Verführer und Alkoholiker. Hinter dieser prototypischen Vorstellung, versteckt sich dennoch eine leibhaftige Realität, die sich langsam verbreitet und sozial anerkannt dank der kriminologischen Untersuchungen, die zwar einige korporatistische Eigenheiten aufrechterhalten, aber nicht immer mit den verbreiteten kulturellen Mustern übereinstimmen. Diese Realität zu entdecken und ein genaues und detailgetreues Ebenbild des privaten spanischen Ermittlers zu erstellen und seine Geschichte, seine Entwicklung, und seinen momentanen Zustand zu erforschen, sind die Ziele von Enthüllung eines Privatdetektivs/Confidencias de un detective privado, die dritte Arbeit von Juan-Carlos Arias, privater Ermittler – Direktor der Agentur ADAS in Sevilla seit 1982 – und bedingungsloser Liebhaber von Kriminalromanen. Arias ließ seinen literarischen Interessen und Wünschen bereits freien Lauf, um die meist verborgenen Aspekte seines Berufs in Detektivconnection und geheimnisvolles Sevilla/Conexión detective y Sevilla confidencial bekannt zu machen.

Mit der Absicht, diese Erkenntnisse zugänglicher zu machen, beschreibt der Autor klar und deutlich im ersten Teil des Buches die Situation der Zunft in Spanien und liefert dabei ein Übermaß an Fakten, die eine mühsame dokumentarische Arbeit offenbaren. Darüber hinaus geht er auf ihre Vorgeschichte ein, ihre historischen und sozialen Bedingungen und ihre Berufsroutine. So entdeckt man Arbeitswerkzeuge, -tricks und –instrumente, die beweisen, dass der Detektiv ein passiver Mann ist, der durch Beobachtung sowohl die Fähigkeit der Ableitung besitzt und Kommunikationstalent benötigt, um Informationen zu erhalten - seine beiden Hauptwaffen. Arias schildert einige der realen Fälle, denen er sich als privater Ermittler stellen musste. Durch Alter ego Könige/álter ego Reyes und einer kargen Prosa sowie einem nüchternen Erbe der Lehrer des Genres, zeigt der Autor eine Welt voll von Rache, Hass, Eifersucht, Habsucht und Groll und bringt bei dieser Gelegenheit zum Ausdruck, dass die Realität die Fiktion reichlich übertrifft. Die Hauptfälle von Reyes erlauben nicht nur einen Einblick in die Vorgehensweise der Detektive, sondern lassen auch einige ihrer moralischen Zweifel zu, wenn sie Kunden annehmen oder Rätsel lösen, fast immer von ihrer Überzeugung geleitet die Wahrheit ans Licht zu bringen, unabhängig von dem Nutzen, den es bringt.

Die Arbeit, die durch drei interessante journalistische Ermittlungsberichte über wahre Fälle ergänzt wird, ermöglicht dem Leser in Kontakt mit der Realität einer Person zu treten, die bisher nur durch ihren Mythos bekannt und die nur als kulturelles Abbild vertraut war. Wägt man ab, den alten Glauben zu verbannen, und ein treues – dem Klischee entgegengesetztes Porträt zu errichten - , behält ehrlich gesagt, nach dem Lesen des Buches von Arias, der Detektiv seine Attraktivität, vielleicht weil wir uns alle in ihm ein wenig wiedererkennen. Denn, wie Raymond Chandler sagte, ist er: „Ein gewöhnlicher Mann, aber auch ein besonderer Mann“.

 

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