Geschichte und
Gastronomie sind die wichtigsten Elemente eines Romans, der mit
Perversionen und ungeklärten Rätseln gespickt ist.
Handbuch des Kannibalen/Manual del Caníbal schildert uns das
tragische Leben von César Lombroso, einem Neugeborenen, der
verwaist ein ausgezeichnetes Restaurant namens „Das Lager“/“El
Almacén“ in Buenos Aires erbt. Hier wird die Hauptperson
das „Handbuch der Meeresküche des Südens“ entdecken,
ein Buch mit raffinierten Rezepten, geeignet um dem erlesensten Gaumen
Vergnügen und Glück zu bereiten.
Diese belebende Wirkung spielt gleich zu Beginn eine vorrangige
Rolle in der tragischen Schilderung des Familienepos: Die
Gründer
des Restaurants, Luciano und Ludovico Cagliostro sind zwei Brüder,
die kürzlich erst aus Italien angekommen, Autoren des Handbuchs
sind und plötzlich eines tragischen Todes sterben. Das Schicksal
weidet sich auch an ihrer Nachkommenschaft: Söhne, Enkel, Urenkel,
nachfolgende Eigentümer des Restaurants, die zusahen wie ein
Missgeschick sie durch unglückliche Umstände aus dem Leben
riss (standrechtliche Erschießung, Morde, Feuerbrände,
Verkehrsunfälle...).
Carlos Balmaceda nutzt diesen Einstieg, um sowohl die politischen
und sozialen Ereignisse Argentiniens während des letzten Jahrhunderts,
als auch die umfassenden Chroniken der zwei Weltkriege zu schildern.
Diese Köchedynastien sind ein Vorwand, um exquisite Rezepte
zu kreieren, um ungewöhnliche Plots und verzweifelte Liebesgeschichten
erzählen zu können. Der ganze Plot – in dem der Kannibalismus
erst in einem fortgeschrittenen Stadium erwähnt wird – dient
dem Autor, um Generationen zu beschreiben und uns César Lombroso
im Alter von 17 Jahren, als einen der angesehensten und anerkanntesten
Köche vorzustellen.
Als der Protagonist
scheinbar Glück
hat und die schlechten Omen, die seine Familie Jahre lang verfolgten,
verscheucht zu haben scheint, beginnt sich sein Benehmen zu verändern.
Es verwandelt sich in lakonisches und despotisches Betragen, aufgrund
seiner Besessenheit für das Handbuch. Durch diese Verblendung
gerät er mit seinen Angestellten in Streit – mit zweien
seiner Köche - und mit anderen Personen – mit seiner Geliebten
und sogar mit dem Kommissar Franco Luzardi, der ihn verdächtigt – bis
er wahnsinnig wird und in diesem Stadium die ekelhaften Morde begeht.
Peinlich genau viertelt er seine Opfer, um daraus das beste Fleisch
anzufertigen, dass seine Kunden mit größtem Genuss verspeisen:
Rippe mit Ingwer und Süßkartoffel, Schwein mit Zimt, Saltimbocca
Romana, Makkaroni Pompadour oder ein besonders leckeres Brot aus
Fleisch mit Jamaikapfeffer. Ab hier kocht der Protagonist auf kleiner
Flamme einen Roman, so schaurig wie beeindruckend, der uns über
den Abgrund des Verbotenen blicken lässt.