krimis in Europa
n°4 Februar-März-April 2006

 

 

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Guten Appetitt

Handbuch des Kannibalen
(
Manual del Caníbal)

Carlos Balmaceda

Roca Editorial • Mai 2005 • 189 pages

Àlex Martín Escribà
Übersetzung: Susanne Lenze

 

Geschichte und Gastronomie sind die wichtigsten Elemente eines Romans, der mit Perversionen und ungeklärten Rätseln gespickt ist. Handbuch des Kannibalen/Manual del Caníbal schildert uns das tragische Leben von César Lombroso, einem Neugeborenen, der verwaist ein ausgezeichnetes Restaurant namens „Das Lager“/“El Almacén“ in Buenos Aires erbt. Hier wird die Hauptperson das „Handbuch der Meeresküche des Südens“ entdecken, ein Buch mit raffinierten Rezepten, geeignet um dem erlesensten Gaumen Vergnügen und Glück zu bereiten.

Diese belebende Wirkung spielt gleich zu Beginn eine vorrangige Rolle in der tragischen Schilderung des Familienepos: Die Gründer des Restaurants, Luciano und Ludovico Cagliostro sind zwei Brüder, die kürzlich erst aus Italien angekommen, Autoren des Handbuchs sind und plötzlich eines tragischen Todes sterben. Das Schicksal weidet sich auch an ihrer Nachkommenschaft: Söhne, Enkel, Urenkel, nachfolgende Eigentümer des Restaurants, die zusahen wie ein Missgeschick sie durch unglückliche Umstände aus dem Leben riss (standrechtliche Erschießung, Morde, Feuerbrände, Verkehrsunfälle...).

Carlos Balmaceda nutzt diesen Einstieg, um sowohl die politischen und sozialen Ereignisse Argentiniens während des letzten Jahrhunderts, als auch die umfassenden Chroniken der zwei Weltkriege zu schildern. Diese Köchedynastien sind ein Vorwand, um exquisite Rezepte zu kreieren, um ungewöhnliche Plots und verzweifelte Liebesgeschichten erzählen zu können. Der ganze Plot – in dem der Kannibalismus erst in einem fortgeschrittenen Stadium erwähnt wird – dient dem Autor, um Generationen zu beschreiben und uns César Lombroso im Alter von 17 Jahren, als einen der angesehensten und anerkanntesten Köche vorzustellen.

Als der Protagonist scheinbar Glück hat und die schlechten Omen, die seine Familie Jahre lang verfolgten, verscheucht zu haben scheint, beginnt sich sein Benehmen zu verändern. Es verwandelt sich in lakonisches und despotisches Betragen, aufgrund seiner Besessenheit für das Handbuch. Durch diese Verblendung gerät er mit seinen Angestellten in Streit – mit zweien seiner Köche - und mit anderen Personen – mit seiner Geliebten und sogar mit dem Kommissar Franco Luzardi, der ihn verdächtigt – bis er wahnsinnig wird und in diesem Stadium die ekelhaften Morde begeht. Peinlich genau viertelt er seine Opfer, um daraus das beste Fleisch anzufertigen, dass seine Kunden mit größtem Genuss verspeisen: Rippe mit Ingwer und Süßkartoffel, Schwein mit Zimt, Saltimbocca Romana, Makkaroni Pompadour oder ein besonders leckeres Brot aus Fleisch mit Jamaikapfeffer. Ab hier kocht der Protagonist auf kleiner Flamme einen Roman, so schaurig wie beeindruckend, der uns über den Abgrund des Verbotenen blicken lässt.

 

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