>> Zeitschriften
Crime
Time
(Britische
Fachzeitschrift)
von Etienne
Borgers
Übersetzung: Katrin Schielke
Seit
1998 präsentiert diese kommerzielle Zeitschrift ihren
Lesern Aktuelles und Artikel zur Krimiliteratur und den von ihr
beeinflussten Nebenbereichen.
Außer aktuellen Buchkritiken, Autoreninterviews und speziellen
Dossiers zu Themen, die diese Literatur betreffen, findet man dort
auch Artikel zu Krimis im Kino und Regisseuren, zu Erscheinungen
auf DVD und seit kurzem auch zu aktuellen Fernsehserien.
Regelmäßige Rubriken gibt es von Maxim
Jakusbowski (Gründer
einer der berühmtesten Krimibuchhandlungen Londons: Murder
One, Kritiker, Anthologist, Verleger und Autor), Russel
James (englischer
Autor von ziemlich berühmten Romans Noirs) und Mike
Ashley (englischer Spezialist der Genreliteratur,
Anthologist und Essayist). Ansonsten bemüht man spezialisierte Gelegenheitsmitarbeiter
wie Max-Allan Collins in der letzten Ausgabe, oder regelmäßige
wie Mark Campell und Barry
Forshaw, den Chefredakteur.
Immer häufiger gibt diese Zeitschrift in ihren Ausgaben ein
ausführlicheres Dossier zu einem Thema oder einem Autor,
oder sogar eine Sonderausgabe zu einem bestimmten Thema heraus.
Die Letzten gab es zu Eric Ambler (Nr
45) und Batman (Nr 46- die zuletzt erschienene, im November 2005).
Crime Time erscheint 5mal pro Jahr.
Crime
Time ist immer durchgängig interessant,
die angesprochenen Themen weit gefächert, so dass auch
wenig erkundete Ecken der Krimiwelt und ihrer Geschichte beleuchtet
werden. Die Redakteure
sichern ihre Artikel durch genaue Dokumentation ab, und das macht
aus dieser Zeitschrift eine sichere, sich in Bewegung befindliche
Quelle für Informationen und Analysen zum Krimi. Durch die
sprachliche und teilweise geografische Nähe gibt es interessante
Interviews von anglophonen Autoren, von denen man im Ausland nicht
viel hört. In den letzten drei Ausgaben zum Beispiel Interviews
von Ian Rankin, PD
James, Michael
Connelly und Colin Bateman.
Alle Genres
des Krimis werden hier besprochen, aber einen besonders interessanten
Platz nimmt der Roman Noir und Neo-Noir ein, und
alles, was dem nahe kommt. Natürlich spielt dabei die britische
und irische Neuentwicklung dieses Bereichs eine Rolle, und dieses
dunklere Genre wird jetzt durch hochwertige Autoren wie Ian Rankin,
David Peace, Colin Bateman, Ken Bruen, Mark Billingham, Nicolas
Blincoe, Russel James oder Mark Timlin vertreten.
Die Schwarzweiß-Illustrationen
sind ausreichend, hauptsächlich
Fotos und Buchcover; das kleine Format der Zeitschrift (13 x
19,5 cm - 96 Seiten) lässt ein ausgeklügeltes Layout
eher nicht zu – ganz
klar auf Grund wirtschaftlicher Zwänge- aber es ist trotzdem
klar und wirkungsvoll.
Das Spektrum
dieser Zeitschrift erstreckt sich von dem Whodunit und dem klassischen
englischen Roman bis zum aktuellen Roman noir, über
Thriller und Bestseller, und dies alles vor allem im angelsächsischen
Bereich. Das wäre dann übrigens auch etwas, was man bei
all dem Lobenswerten der Zeitschrift bedauern kann: das wenige
Interesse an „ausländischen“ (d.h. nicht angelsächsischen)
Autoren. Ab und zu gibt es jedoch Themen, die diese betreffen,
wie die Spezialausgabe zu Simenon – aber um diesen Autor
kommt man eben nicht rum, er ist etabliert und seit langem übersetzt.
Auch das Dossier in der Nummer 37 zu Autoren, die ins Englische übersetzt
wurden (Mankel, Lucarelli, Vargas, Indridason Arnaldu). Oder vor
kurzem mehrere Artikel über englische Übersetzer, die
ihre Erfahrungen mit französischen, schwedischen usw. Autoren
vergleichen.
Aber in den Analysen von Büchern haben Ausländer nur
wenig Platz. Zur Entschuldigung von Crime Time kann man hier sagen,
dass die angelsächsische Verlagswelt Ausländern nur wenig
Platz lässt, obwohl eigentlich in Großbritannien Krimiverleger
noch am ehesten Autoren von „anderswo“ suchen, im Gegensatz
zu Verlegern „made in USA“, die sich in ihrer Mehrheit
dafür gar nicht interessieren.
Diese Crime
Time ist also eine sehr gute Fachzeitschrift, die die angelsächsische Krimiliteratur intelligent beleuchtet.
Die große Bandbreite der Artikel in jeder Ausgabe macht diese
Zeitschrift zu einer Bereicherung für jeden aufgeklärten
Krimifan.
Und für die Anderen.
November
2005
Informationen
CRIME TIME
7a King Henry’s Walk
Islington
London N1 4NX
United Kingdom
Fax: + 020 7249 5940
Internetseite: www.crimetime.co.uk
(Gute Webseite, die das Inhaltsverzeichnis aller erschienenen Ausgaben
angibt, Interviews, einige biografische Angaben zu den Autoren,
Romankritiken, einige Artikel- und Infos zum Abo)
Einzelpreis
: 4,99 £
Jahresabo (5 Ausgaben) : 20 £ (nur G-B)
Im Euroland : 30 £
Im Rest der Welt: 40 £
(siehe Webseite von Crime Time für zusätzliche Infos
und Email-Kontakte)