krimis in Europa
n°4 Februar-März-April 2006

 

 

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Crime Time
(Britische Fachzeitschrift)

von Etienne Borgers
Übersetzung: Katrin Schielke

Seit 1998 präsentiert diese kommerzielle Zeitschrift ihren Lesern Aktuelles und Artikel zur Krimiliteratur und den von ihr beeinflussten Nebenbereichen.

Außer aktuellen Buchkritiken, Autoreninterviews und speziellen Dossiers zu Themen, die diese Literatur betreffen, findet man dort auch Artikel zu Krimis im Kino und Regisseuren, zu Erscheinungen auf DVD und seit kurzem auch zu aktuellen Fernsehserien.

Regelmäßige Rubriken gibt es von Maxim Jakusbowski (Gründer einer der berühmtesten Krimibuchhandlungen Londons: Murder One, Kritiker, Anthologist, Verleger und Autor), Russel James (englischer Autor von ziemlich berühmten Romans Noirs) und Mike Ashley (englischer Spezialist der Genreliteratur, Anthologist und Essayist). Ansonsten bemüht man spezialisierte Gelegenheitsmitarbeiter wie Max-Allan Collins in der letzten Ausgabe, oder regelmäßige wie Mark Campell und Barry Forshaw, den Chefredakteur.

Immer häufiger gibt diese Zeitschrift in ihren Ausgaben ein ausführlicheres Dossier zu einem Thema oder einem Autor, oder sogar eine Sonderausgabe zu einem bestimmten Thema heraus. Die Letzten gab es zu Eric Ambler (Nr 45) und Batman (Nr 46- die zuletzt erschienene, im November 2005). Crime Time erscheint 5mal pro Jahr.

Crime Time ist immer durchgängig interessant, die angesprochenen Themen weit gefächert, so dass auch wenig erkundete Ecken der Krimiwelt und ihrer Geschichte beleuchtet werden. Die Redakteure sichern ihre Artikel durch genaue Dokumentation ab, und das macht aus dieser Zeitschrift eine sichere, sich in Bewegung befindliche Quelle für Informationen und Analysen zum Krimi. Durch die sprachliche und teilweise geografische Nähe gibt es interessante Interviews von anglophonen Autoren, von denen man im Ausland nicht viel hört. In den letzten drei Ausgaben zum Beispiel Interviews von Ian Rankin, PD James, Michael Connelly und Colin Bateman.

Alle Genres des Krimis werden hier besprochen, aber einen besonders interessanten Platz nimmt der Roman Noir und Neo-Noir ein, und alles, was dem nahe kommt. Natürlich spielt dabei die britische und irische Neuentwicklung dieses Bereichs eine Rolle, und dieses dunklere Genre wird jetzt durch hochwertige Autoren wie Ian Rankin, David Peace, Colin Bateman, Ken Bruen, Mark Billingham, Nicolas Blincoe, Russel James oder Mark Timlin vertreten.

Die Schwarzweiß-Illustrationen sind ausreichend, hauptsächlich Fotos und Buchcover; das kleine Format der Zeitschrift (13 x 19,5 cm - 96 Seiten) lässt ein ausgeklügeltes Layout eher nicht zu – ganz klar auf Grund wirtschaftlicher Zwänge- aber es ist trotzdem klar und wirkungsvoll.

Das Spektrum dieser Zeitschrift erstreckt sich von dem Whodunit und dem klassischen englischen Roman bis zum aktuellen Roman noir, über Thriller und Bestseller, und dies alles vor allem im angelsächsischen Bereich. Das wäre dann übrigens auch etwas, was man bei all dem Lobenswerten der Zeitschrift bedauern kann: das wenige Interesse an „ausländischen“ (d.h. nicht angelsächsischen) Autoren. Ab und zu gibt es jedoch Themen, die diese betreffen, wie die Spezialausgabe zu Simenon – aber um diesen Autor kommt man eben nicht rum, er ist etabliert und seit langem übersetzt. Auch das Dossier in der Nummer 37 zu Autoren, die ins Englische übersetzt wurden (Mankel, Lucarelli, Vargas, Indridason Arnaldu). Oder vor kurzem mehrere Artikel über englische Übersetzer, die ihre Erfahrungen mit französischen, schwedischen usw. Autoren vergleichen.
Aber in den Analysen von Büchern haben Ausländer nur wenig Platz. Zur Entschuldigung von Crime Time kann man hier sagen, dass die angelsächsische Verlagswelt Ausländern nur wenig Platz lässt, obwohl eigentlich in Großbritannien Krimiverleger noch am ehesten Autoren von „anderswo“ suchen, im Gegensatz zu Verlegern „made in USA“, die sich in ihrer Mehrheit dafür gar nicht interessieren.

Diese Crime Time ist also eine sehr gute Fachzeitschrift, die die angelsächsische Krimiliteratur intelligent beleuchtet. Die große Bandbreite der Artikel in jeder Ausgabe macht diese Zeitschrift zu einer Bereicherung für jeden aufgeklärten Krimifan.

Und für die Anderen.

November 2005


Informationen

CRIME TIME
7a King Henry’s Walk
Islington
London N1 4NX
United Kingdom

Fax: + 020 7249 5940

Internetseite: www.crimetime.co.uk
(Gute Webseite, die das Inhaltsverzeichnis aller erschienenen Ausgaben angibt, Interviews, einige biografische Angaben zu den Autoren, Romankritiken, einige Artikel- und Infos zum Abo)

Einzelpreis : 4,99 £
Jahresabo (5 Ausgaben) : 20 £ (nur G-B)
Im Euroland : 30 £
Im Rest der Welt: 40 £
(siehe Webseite von Crime Time für zusätzliche Infos und Email-Kontakte)

 

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