krimis in Europa
n°4 Februar-März-April 2006

 

>> Rezension

Eine Leiche mit Überraschungen...

El hombre de Montserrat
(Der Mann vom Montserrat)

Dante Liano

Roca Editorial • 120 z.

Von Álex Martín Escribá
Übersetzung: Claudia Manthey

 

Der Krimicharakter, komplexe Figuren und das Aufrollen eines wahrscheinlichen Tatherganges sind einige der herausragenden Eigenschaften einer Erzählung, die einen von der ersten Seite an in Atem hält. All diese Elemente kann man im Hombre de Montserrat (Der Mann vom Montserrat) wiederfinden, einem Roman des guatemaltekischen Autors Dante Liano, eines multidisziplinären Schriftstellers, der durch ein sehr vielseitiges Repertoire entlang seiner literarischen Laufbahn viel Anerkennung erfahren hat. In diesem Roman erzählt er historische Ereignisse der Guerilla Nicaraguas aus den 70er und 80er Jahren.

Diese Geschichte wird in eine beängstigende und geballte Handlung verpackt, die einem trotz ihrer Kürze von ungefähr hundert Seiten, den Atem verschlägt.

Um die ganze Situation zu veranschaulichen, entscheidet Liano, die Geschichte des Teniente Carlos García zu erzählen, eines Bürokraten, der mit der Aufgabe betraut ist, neue Computerprogramme zu entwickeln, um die nicaraguanische Guerilla zu bekämpfen.

Von dem Tag an, an dem er eine Leiche auf dem Hügel von Montserrat findet, fühlt er sich von Betrug und Argwohn umgeben. Der Protagonist glaubt das Opfer zu erkennen und wartet auf eine Benachrichtigung, um die Leiche zu identifizieren. Besagter Todesfall wird jedoch von keiner offiziellen Stelle bestätigt und García beschließt, die Ursache für diese Vertuschung herauszufinden. Das führt dazu, daß er sich mit hohen Machthabern, Drohungen der Zivilpatrouille und Straßenschießereien auseinandersetzen und sich vor einer gänzlich verkommenen Gesellschaft schützen muß. Mit fortschreitender Handlung dringt der Protagonist immer tiefer in einen Sumpf vor, bis nicht einmal mehr seine Familie von Anschuldigungen, Verfolgung und Mordversuchen von Seiten der Machthaber verschont bleibt. García sieht sich daraufhin in der Pflicht, sich auf ein Rennen gegen die Zeit einzulassen.

All diese Ereignisse beschreibt Liano in einer direkten, temporeichen Sprache, die die Handlung nie abflauen läßt. Liano spickt seine Erzählung über eine unannehmbare und in jeder Hinsicht korrupte Gesellschaft mit gnadenlosen, rhetorischen Ausdrücken voller Ironie. Außerdem wählt der Schriftsteller Ausdrücke, die allen Geschehnissen eine grauenvolle Wahrhaftigkeit verleihen. All diese Elemente machen El hombre de Montserrat zu einer ausgezeichneten Erzählung, die so überraschend wie schaurig ist und die vor allem Fragen des Gewissens, der Moral und des Verhaltens erörtert.

 

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