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Eine Leiche mit Überraschungen...
El
hombre de Montserrat
(Der Mann vom Montserrat)
Dante Liano
Roca
Editorial • 120 z.
Von Álex Martín
Escribá
Übersetzung: Claudia Manthey
Der Krimicharakter, komplexe Figuren
und das Aufrollen eines wahrscheinlichen Tatherganges sind einige
der herausragenden Eigenschaften einer Erzählung,
die einen von der ersten Seite an in Atem hält. All diese Elemente
kann man im Hombre de Montserrat (Der Mann vom Montserrat)
wiederfinden, einem Roman des guatemaltekischen Autors Dante Liano,
eines multidisziplinären Schriftstellers, der durch ein sehr vielseitiges
Repertoire entlang seiner literarischen Laufbahn viel Anerkennung erfahren
hat. In diesem Roman erzählt er historische Ereignisse der Guerilla
Nicaraguas aus den 70er und 80er Jahren.
Diese Geschichte wird in eine beängstigende und geballte Handlung
verpackt, die einem trotz ihrer Kürze von ungefähr hundert
Seiten, den Atem verschlägt.
Um die ganze Situation zu veranschaulichen,
entscheidet Liano, die Geschichte des Teniente Carlos García zu erzählen, eines
Bürokraten, der mit der Aufgabe betraut ist, neue Computerprogramme
zu entwickeln, um die nicaraguanische Guerilla zu bekämpfen.
Von dem Tag an, an dem er eine Leiche
auf dem Hügel von Montserrat
findet, fühlt er sich von Betrug und Argwohn umgeben. Der Protagonist
glaubt das Opfer zu erkennen und wartet auf eine Benachrichtigung,
um die Leiche zu identifizieren. Besagter Todesfall wird jedoch von
keiner offiziellen Stelle bestätigt und García beschließt,
die Ursache für diese Vertuschung herauszufinden. Das führt
dazu, daß er sich mit hohen Machthabern, Drohungen der Zivilpatrouille
und Straßenschießereien auseinandersetzen und sich vor
einer gänzlich verkommenen Gesellschaft schützen muß.
Mit fortschreitender Handlung dringt der Protagonist immer tiefer in
einen Sumpf vor, bis nicht einmal mehr seine Familie von Anschuldigungen,
Verfolgung und Mordversuchen von Seiten der Machthaber verschont bleibt.
García sieht sich daraufhin in der Pflicht, sich auf ein Rennen
gegen die Zeit einzulassen.
All diese Ereignisse beschreibt
Liano in einer direkten, temporeichen Sprache, die die Handlung nie
abflauen läßt. Liano spickt
seine Erzählung über eine unannehmbare und in jeder Hinsicht
korrupte Gesellschaft mit gnadenlosen, rhetorischen Ausdrücken voller
Ironie. Außerdem wählt der Schriftsteller Ausdrücke,
die allen Geschehnissen eine grauenvolle Wahrhaftigkeit verleihen.
All diese Elemente machen El hombre de Montserrat zu einer
ausgezeichneten Erzählung, die so überraschend wie schaurig ist und die vor
allem Fragen des Gewissens, der Moral und des Verhaltens erörtert.