krimis in Europa
n°4 Februar-März-April 2006

 

 

>> Rezension

Das Luxemburg-Komplott

Christian v. Ditfurth

München 2005 (Droemer Knaur) • 384 S.

Von Elfriede Müller

 

Das Luxemburg-Komplott spielt in Zeiten der Revolution und der Konterrevolution, in Zeiten also, wo ein Menschenleben nicht viel bedeutet. Ditfurth lässt die Revolution von 1918/19 nicht scheitern, sondern siegen. Doch handelt es sich um einen Pyrhussieg, in den ein raffinierter Krimiplot verwoben ist.

KPD- und USP-Leute werden vom Berliner Arbeiter- und Soldatenrat in die neue Regierung gewählt. Liebknecht kandidiert für den Rat der Volkskommissare, Luxemburg erhält das Wirtschaftsressort. Sebastian Zacharias, neben Rosa Luxemburg, die zentrale Figur des Romans, war Kriegsgefangener und wurde in der jungen Sowjetunion vom Sozialdemokraten zum überzeugten Kommunisten. Er wird für die Tscheka tätig und erkennt bald den Preis einer siegreichen Revolution. Zacharias kehrt in Lenins Auftrag nach Deutschland zurück, um Rosa Luxemburg und den Fortgang der Revolution politisch zu überwachen. Nach einem Anschlag auf Rosa Luxemburg in der Reichskanzlei, wird er zu ihrem Leibwächter und Chef der Untersuchungskommission, die das Attentat aufklären soll. Die Situation ist angespannt. Die Reichswehr bereitet hinter den Kulissen ihren Einsatz vor. Innerhalb der KPD tobt der Kampf zweier Linien, zwischen denjenigen, die der Eigendynamik der Revolution nicht trauen und ihr Zügel anlegen wollen, die bereits die stalinistischen Schatten voraus werfen und denjenigen, die wie Rosa Luxemburg auf einen demokratischen Sozialismus setzen.

Das Leben von Zacharias gerät genauso in einen Strudel, wie die revolutionäre Gesellschaft, in der er lebt: "Binnen eines Tages war er in Not geraten. Ergriff ihn die Polizei noch einmal, er würde nichts auf sein Leben setzen. Er war nun abhängig von Jogiches und Rosa. Aber sie würden nichts mehr für ihn tun, wenn sie erfuhren, welchen Auftrag Lenin und Dserschinski ihm in Moskau gegeben hatten. Führte er seinen Auftrag nicht aus, dann würden die Russen ihn womöglich auffliegen lassen oder als Verräter verfolgen. Ließen sie ihn auffliegen, war die Gefahr groß, dass die Polizei ihn ergriff, zumal die Spartakisten ihn dann auch fallen ließen. In Teufels Küche lebte es sich komfortabler. Und was war mit Margarete? Und Sonja? Nichts in seinem Leben war eindeutig." (S. 95)

Hervorragend sind die Schilderungen der unmittelbaren Nachkriegszeit, die Armut, der Militarismus, die Erschöpfung. Ditfurth lässt prominente historische Figuren auftreten wie Radek, Ernst Reuter, Lenin oder Wilhelm Pieck. Revolution und Krimiplot sind ineinander verwoben, bis im zweiten Drittel des Romans der Krimiplot die Oberhand gewinnt und damit die demokratische Variante der Revolution gnadenlos scheitern lässt.

 

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