Das
Luxemburg-Komplott spielt in Zeiten der Revolution und der Konterrevolution,
in Zeiten also, wo ein Menschenleben nicht
viel bedeutet. Ditfurth lässt die Revolution von 1918/19 nicht
scheitern, sondern siegen. Doch handelt es sich um einen Pyrhussieg,
in den ein raffinierter Krimiplot verwoben ist.
KPD-
und USP-Leute werden vom Berliner Arbeiter- und Soldatenrat in die
neue Regierung gewählt. Liebknecht kandidiert für
den Rat der Volkskommissare, Luxemburg erhält das Wirtschaftsressort.
Sebastian Zacharias, neben Rosa Luxemburg, die zentrale Figur des
Romans, war Kriegsgefangener und wurde in der jungen Sowjetunion
vom Sozialdemokraten zum überzeugten Kommunisten. Er wird für
die Tscheka tätig und erkennt bald den Preis einer siegreichen
Revolution. Zacharias kehrt in Lenins Auftrag nach Deutschland zurück,
um Rosa Luxemburg und den Fortgang der Revolution politisch zu überwachen.
Nach einem Anschlag auf Rosa Luxemburg in der Reichskanzlei, wird
er zu ihrem Leibwächter und Chef der Untersuchungskommission,
die das Attentat aufklären soll. Die Situation ist angespannt.
Die Reichswehr bereitet hinter den Kulissen ihren Einsatz vor. Innerhalb
der KPD tobt der Kampf zweier Linien, zwischen denjenigen, die der
Eigendynamik der Revolution nicht trauen und ihr Zügel anlegen
wollen, die bereits die stalinistischen Schatten voraus werfen
und denjenigen, die wie Rosa Luxemburg auf einen demokratischen
Sozialismus
setzen.
Das
Leben von Zacharias gerät genauso in einen Strudel, wie
die revolutionäre Gesellschaft, in der er lebt: "Binnen
eines Tages war er in Not geraten. Ergriff ihn die Polizei noch einmal,
er würde nichts auf sein Leben setzen. Er war nun abhängig
von Jogiches und Rosa. Aber sie würden nichts mehr für
ihn tun, wenn sie erfuhren, welchen Auftrag Lenin und Dserschinski
ihm in Moskau gegeben hatten. Führte er seinen Auftrag nicht
aus, dann würden die Russen ihn womöglich auffliegen lassen
oder als Verräter verfolgen. Ließen sie ihn auffliegen,
war die Gefahr groß, dass die Polizei ihn ergriff, zumal die
Spartakisten ihn dann auch fallen ließen. In Teufels Küche
lebte es sich komfortabler. Und was war mit Margarete? Und Sonja?
Nichts in seinem Leben war eindeutig." (S. 95)
Hervorragend
sind die Schilderungen der unmittelbaren Nachkriegszeit, die Armut,
der Militarismus, die Erschöpfung. Ditfurth lässt
prominente historische Figuren auftreten wie Radek, Ernst Reuter,
Lenin oder Wilhelm Pieck. Revolution und Krimiplot sind ineinander
verwoben, bis im zweiten Drittel des Romans der Krimiplot die Oberhand
gewinnt und damit die demokratische Variante der Revolution gnadenlos
scheitern lässt.