krimis in Europa
n°4 Februar-März-April 2006

 

 

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L’esprit de la renarde
(Der Geist des Fuchses)

Tran-Nhut

Philippe Picquier • 2005

Jean-Marc Laherrère
Übersetzung: Aus dem Französischen von Alexander Ruoff

Er ist weit weg (Vietnam) und es ist lange her (im XVII Jahrhundert), aber zu seinem fünften Abenteuer ist er wieder da, der unwiderstehliche Mandarin Tân, geschaffen von den Schwestern Tran-Nhut. Zurück aus dem Norden des Reichs und in Begleitung seines Getreuen, dem gelehrten Dinh, macht er Halt in der Hafenstadt Faifo, wo der Gelehrte vom reichen kulturellen Leben profitieren möchte. Tân aber ist gezwungen, wieder in den Norden zurückzukehren und den Süden zu verlassen, der immer weniger die Autorität des Herrschers anerkennt und immer offener den Aufstand vorbereitet. Zu allem Unglück wird Dinh am zweiten Abend eine Falle gestellt und er sieht sich des Mordes an Frau Prune angeklagt, der Besitzerin einer der Spelunken der Stadt. Tân bittet nun Herrn Canh, den einzigen ehrlichen Beamten und Angestellten des Gerichts, ihn den Fall aufzuklären zu lassen, um die Unschuld seines Freundes zu beweisen. Dabei entdeckt er zufällig, dass seit über einem Jahr ein Menschenfresser in der Gegend sein Unwesen treibt, der im letzten Jahr vier Jugendliche gegessen und erst kürzlich vier Großmütter verspeist hat. Wie zuvor schickte er an das Gericht zwei Hände und zwei Füße zusammen mit der sarkastischen Unterschrift: Der Feinschmecker.

Auch diesmal ist es eine Freude, Tân und Dinh und mit ihnen die überbordende Boshaftigkeit ihrer Autorinnen wiederzutreffen. Die Actionszenen sind wie immer gelungen, die gastronomischen und erotischen Beschreibungen wie immer sehr amüsant und unterhaltsam. Der perfekte Aufbau des Plots lässte die Freude und Lebendigkeit beim Lesen des fünften Abenteuers von Tân voll zur Geltung kommen, vor allem bei der urkomischen Szene, in der Tân und zwei Schergen mit vier aufgebrachten Großmüttern konfrontiert sind, die glauben, dass die drei sie daran hindern wollen, durch ein Wunder ihre Jugend wiederzufinden. Nichtsdestotrotz, die Bilanz ist dunkel, die beschriebene Periode aufgewühlt und Künderin von Dramen. Das Ende des Romans mit seiner vehementen Anklage gegen eine Gesellschaft, die gnadenlos alle unterdrückt, die anders sind, ist besonders bewegend. Wieder einmal haben die Autorinnen es geschafft, dass man über Lachen und Schmunzeln ins Nachdenken gerät.

 

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