krimis in Europa
n°4 Februar-März-April 2006

 

 

>> Festivalbericht

Die 4. Ostfriesischen Krimitage

Christian v. Ditfurth
(der aus seinem Krimi "Mit Blindheit
geschlagen. Stachelmanns zweiter Fall" las)


Hier geht Deutschland unter. Irgendwann, ganz bestimmt. Noch aber schützen Deiche das Land vor der Nordsee, doch sie müssen immer höher gebaut werden. Die Autoren der 4. Ostfriesischen Krimitage vom 2. bis 11. November 2005 behielten also trockene Füße. Da ihnen auch der Himmel nicht auf den Kopf fiel, sondern nur ein Wolkenbruch, konnten alle zwanzig Veranstaltungen mit mehr als tausend Zuhörern stattfinden in fünfzehn Orten, unter anderem in Wilhelmshaven, Leer und Aurich. Eine Lesung war für Auswärtige nur mit Dolmetscher verständlich, da auf Plattdeutsch vorgetragen wurde. Bei einem Workshop lernten Kinder, Kurzkrimis zu schreiben.

Initiator der Krimitage ist Peter Gerdes, Eigner des Leda Verlags in Leer, der sich vor allem mit Regionalkrimis profiliert. Neben ostfriesischen Autoren hatte Gerdes Schriftsteller eingeladen, deren Bücher auch im Rest des Landes gelesen werden. Die bekanntesten waren Horst Bosetzky (der sich bis 1981 hinter dem Pseudonym "-ky" versteckte) aus Berlin ("Wie ein Tier") und die schwedische Autorin Maj Sjöwall, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren zusammen mit ihrem Mann Per Wahlöö zehn Bände um den Kommissar Martin Beck veröffentlichte, seit dessen Tod 1975 aber lange Zeit verstummt war.
Im Herbst 2007 finden die 5. Ostfriesischen Krimitage statt, wieder sollen Regionalautoren zusammen mit bundesweit bekannten Krimischriftstellern auftreten. Sofern Deutschland dann nicht untergegangen ist.

 

 


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