krimis in Europa
n°5 Mai-Juni-July 2006

 

 

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ALIBIS
Französischsprachige canadische Krimizeitschrift

Etienne Borgers
Übersetzung: Alexander Ruoff

 

Die canadische Krimizeitschrift ALIBIS erscheint viermal jährlich in französischer Sprache.

Der breitgefächerte Inhalt verteilt sich auf 144 Seiten, von denen über die Hälfte der Publikation neuer Kurzgeschichten gewidmet ist, vor allem aus dem französischsprachigen Teil Canadas, aber auch von Texten englischsprachiger Autoren, die ins Französische übersetzt sind.

Man findet dort Autoren wie Stanley Péan, Jean Pettigrew, Martine Latulippe (diese drei bilden die Redaktion dieser Zeitschrift) oder, aus dem Englischen übersetzt, Gregory Ward und Leslie Watts sowie viele andere.

Im redaktionellen Teil der Zeitschrift finden sich Artikel, die den diversen Aspekten der Kriminalliteratur gewidmet sind, Interviews mit Autoren, Artikel und Essays. Ein dritter Teil ist der Vorstellung von Neuheiten gewidmet (hauptsächlich von Romanen), die auf Französisch erscheinen.

Gut betreut und von einem gefälligen Äußeren informiert ALIBIS mit seinem Untertitel: Polar, Noir & Mystère - L'Anthologie permanente du polar über die Welt des canadischen Krimis aus Quebec, der, das muss man leider sagen, in der Alten Welt nur wenig bekannt ist. Von wenigen Ausnahmen abgesehen (François Barcelo, Christyne Brouillet, Jean-Jacques Pelletier und zwei oder drei anderen, die schon in Frankreich veröffentlicht worden sind) sind die französischsprachigen canadischen Krimiautoren in Frankreich nur wenig bekannt. ALIBIS erlaubt daher, mit den in jeder Ausgabe präsentierten Kurzgeschichten und den Buchkritiken der in der Belle Province erschienenen Veröffentlichungen rund um die Kriminalliteratur einen Teil unserer Wissenslücke zu füllen.

Die Rubrik Dans la mire (Im Spiegel) von Norbert Spehner, Jean Pettigrew, Martine Latulippe und Christine Fortier liefert detaillierte Kurzbesprechungen von bis zu fünfzehn ausgewählten Büchern, die als Neuerscheinungen entweder in Frankreich (von französischen Autoren sowie Übersetzungen) oder in Quebec aufgelegt worden sind. Norbert Spehner und seine Kollegen haben ein wachsames Auge und die Bücher, die zur Begutachtung kommen, werden schon einmal hart herangenommen, wenn sie nicht ein Minimum an Qualität oder Originalität aufweisen. Kein Freund hölzerner Sprache, zeigt Spehner sein Missfallen deutlich. Oder stimmt eine Lobeshymne an.

In der neuesten Ausgabe von ALIBIS (Nr. 18, Frühjahr 2006) kann man die Hiebe beobachten, die Spehner angesichts des neuen Werks von Jean Tulard Dictionnaire du roman policier (Wörtebuch des Kriminalromans) (Fayard 2005) verteilt, ein wegen der Vielzahl offensichtlicher Fehler und unsinniger Urteile ungenießbarer Brocken.

Angesichts der Flut französischer Publikationen werden die nicht besprochenen Bücher in der Rubrik Dans la mire aufgelistet und werden kurz in der von Norbert Spehner in jeder Ausgabe betreuten Rubrik Le crime en vitrine (Das Verbrechen iim Schaufenster) vorgestellt.

In der Nummer 18 findet sich auch die interessante Vorstellung des kubanischen Schriftstellers Leonardo Padura von Benoît Bouthillette, die von einer kommentierten Bibliographie - zusammengestellt von dem unentbehrlichen Norbert Spehner - der englischen und französischen Übersetzungen kubanischer Krimiautoren komplettiert wird.

In der Nummer 17 findet man einen interessanten Interviewartikel von François-Bernard Tremblay, der Antoine de Kerversau gewidmet ist (erster Herausgeber der quasi eingegangenen Reihe »Le Poulpe«), der sich wieder seinem neuen kleinen Verlag widmet: Les Contrebandiers.

Zudem: Eine gute Einführung in einem gut recherchierten Artikel von Norbert Spehner in den Westernroman, der vom Krimi beeinflusst ist und vice versa.

Die Nummer 16 präsentierte eine Einführung und eine Bibliographie, die den Figuren der Ermittler und Schriftsteller gewidmet waren, die in Büchern anderer Schriftsteller wieder auftauchen. Zudem war eine Reportage von Camille Bouchard zu finden, ein erschütterndes Zeugnis über die Kinderprostitution: Sexe en Thaïlande: du pathétique à l'horreur .

Eine der Besonderheiten von ALIBIS ist, dass die Zeitschrift ein »Internet-Supplement« besitzt. Man findet es unter: http://www.revue-alibis.com
Diese Supplement mit dem Namen Volet en ligne (Internetausgabe) im pdf-Format (Adobe Acrobat) ist umsonst. Es beinhaltet Bibliographien, Artikel, Kommentare zu Filmen, etc., die alle nicht im gedruckten Heft enthalten sind.
Auf der Website findet man auch die grundlegenden Informationen über die Zeitschrift, Vorstellungen diverser gedruckter Nummern und das Inhaltsverzeichnis sämtlicher Ausgaben von ALIBIS.

Die 2002 gegründete Zeitschrift öffnet uns ein Fenster zur Neuen Französischsprachigen Welt des Krimis, hält uns über die interessanten Publikationen in der Domäne der Kriminalliteratur auf dem Laufenden und hält Schwerpunktartikel und vertrauenswürdie Informationsquellen bereit.

Eine mehr als positive Bilanz.

Eine Zeitschrift, die man im Blick behalten sollte.

 

Allgemeine Informationen:

ALIBIS
C.P. 85700
succ. Beauport, Québec
(Qc) G1E6Y6
Canada

e-mail : alibis@revue-alibis.com

Preis pro Ausgabe: CAN$ 7,95
Jahresabonnement: Vier Ausgaben pro Jahr
Canada: CAN$ 27.-
Europa: € 32.- (per Schiff)
€ 35.- (per Flugzeug)

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