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ALIBIS
Französischsprachige
canadische Krimizeitschrift
Etienne
Borgers
Übersetzung: Alexander Ruoff
Die canadische Krimizeitschrift ALIBIS erscheint viermal jährlich
in französischer Sprache.
Der breitgefächerte Inhalt verteilt sich auf 144 Seiten, von
denen über die Hälfte der Publikation neuer Kurzgeschichten
gewidmet ist, vor allem aus dem französischsprachigen Teil Canadas,
aber auch von Texten englischsprachiger Autoren, die ins Französische übersetzt
sind.
Man findet dort Autoren wie Stanley Péan, Jean Pettigrew, Martine
Latulippe (diese drei bilden die Redaktion dieser Zeitschrift) oder,
aus dem Englischen übersetzt, Gregory Ward und Leslie Watts
sowie viele andere.
Im redaktionellen Teil der Zeitschrift
finden sich Artikel, die den diversen Aspekten der Kriminalliteratur
gewidmet sind, Interviews mit Autoren, Artikel und Essays. Ein
dritter Teil ist der Vorstellung von Neuheiten gewidmet (hauptsächlich von Romanen), die auf Französisch
erscheinen.
Gut betreut und von einem gefälligen Äußeren
informiert ALIBIS mit seinem Untertitel: Polar, Noir & Mystère - L'Anthologie
permanente du polar über die Welt des canadischen Krimis
aus Quebec, der, das muss man leider sagen, in der Alten Welt nur wenig
bekannt ist. Von wenigen Ausnahmen abgesehen (François Barcelo,
Christyne Brouillet, Jean-Jacques Pelletier und zwei oder drei anderen,
die schon in Frankreich veröffentlicht worden sind) sind die französischsprachigen
canadischen Krimiautoren in Frankreich nur wenig bekannt. ALIBIS erlaubt
daher, mit den in jeder Ausgabe präsentierten Kurzgeschichten
und den Buchkritiken der in der Belle Province erschienenen Veröffentlichungen
rund um die Kriminalliteratur einen Teil unserer Wissenslücke
zu füllen.
Die Rubrik Dans la mire (Im
Spiegel) von Norbert Spehner, Jean Pettigrew, Martine Latulippe
und Christine Fortier liefert detaillierte Kurzbesprechungen von
bis zu fünfzehn ausgewählten Büchern,
die als Neuerscheinungen entweder in Frankreich (von französischen
Autoren sowie Übersetzungen) oder in Quebec aufgelegt worden sind.
Norbert Spehner und seine Kollegen haben ein wachsames Auge und die
Bücher, die zur Begutachtung kommen, werden schon einmal hart
herangenommen, wenn sie nicht ein Minimum an Qualität oder Originalität
aufweisen. Kein Freund hölzerner Sprache, zeigt Spehner sein
Missfallen deutlich. Oder stimmt eine Lobeshymne an.
In der neuesten Ausgabe von ALIBIS (Nr.
18, Frühjahr 2006) kann
man die Hiebe beobachten, die Spehner angesichts des neuen Werks
von Jean Tulard Dictionnaire du roman policier (Wörtebuch
des Kriminalromans) (Fayard 2005) verteilt, ein wegen der Vielzahl
offensichtlicher Fehler und unsinniger Urteile ungenießbarer
Brocken.
Angesichts der Flut französischer Publikationen werden die nicht
besprochenen Bücher in der Rubrik Dans la mire aufgelistet
und werden kurz in der von Norbert Spehner in jeder Ausgabe betreuten
Rubrik Le crime en vitrine (Das Verbrechen iim Schaufenster)
vorgestellt.
In der Nummer 18 findet sich auch die
interessante Vorstellung des kubanischen Schriftstellers Leonardo
Padura von Benoît Bouthillette,
die von einer kommentierten Bibliographie - zusammengestellt von dem
unentbehrlichen Norbert Spehner - der englischen und französischen Übersetzungen
kubanischer Krimiautoren komplettiert wird.
In der Nummer 17 findet man einen interessanten
Interviewartikel von François-Bernard Tremblay, der Antoine de Kerversau gewidmet
ist (erster Herausgeber der quasi eingegangenen Reihe »Le Poulpe«),
der sich wieder seinem neuen kleinen Verlag widmet: Les Contrebandiers.
Zudem: Eine gute Einführung in einem
gut recherchierten Artikel von Norbert Spehner in den Westernroman,
der vom Krimi beeinflusst ist und vice versa.
Die Nummer 16 präsentierte eine Einführung und eine Bibliographie,
die den Figuren der Ermittler und Schriftsteller gewidmet waren, die
in Büchern anderer Schriftsteller wieder auftauchen. Zudem war
eine Reportage von Camille Bouchard zu finden, ein erschütterndes
Zeugnis über die Kinderprostitution: Sexe en Thaïlande:
du pathétique à l'horreur .
Eine
der Besonderheiten von ALIBIS ist,
dass die Zeitschrift ein »Internet-Supplement« besitzt.
Man findet es unter: http://www.revue-alibis.com
Diese
Supplement mit dem Namen Volet en ligne (Internetausgabe)
im pdf-Format (Adobe Acrobat) ist umsonst. Es beinhaltet Bibliographien,
Artikel, Kommentare zu Filmen, etc., die alle nicht im gedruckten
Heft enthalten sind.
Auf der Website findet man auch die grundlegenden
Informationen über
die Zeitschrift, Vorstellungen diverser gedruckter Nummern und das
Inhaltsverzeichnis sämtlicher Ausgaben von ALIBIS.
Die 2002 gegründete Zeitschrift öffnet uns ein Fenster zur
Neuen Französischsprachigen Welt des Krimis, hält uns über
die interessanten Publikationen in der Domäne der Kriminalliteratur
auf dem Laufenden und hält Schwerpunktartikel und vertrauenswürdie
Informationsquellen bereit.
Eine mehr als positive Bilanz.
Eine Zeitschrift, die man im Blick behalten sollte.
Allgemeine Informationen:
ALIBIS
C.P. 85700
succ. Beauport,
Québec
(Qc) G1E6Y6
Canada
e-mail : alibis@revue-alibis.com
Preis pro Ausgabe: CAN$ 7,95
Jahresabonnement:
Vier Ausgaben pro Jahr
Canada: CAN$ 27.-
Europa: € 32.-
(per Schiff)
€ 35.-
(per Flugzeug)