>> Rezension
Neuf
petits crimes très ordinaires
(Neun ganz gewöhnliche
Verbrechen)
Jean-Baptiste Baronian
Belgien, Le
Grand Miroir . 2006 . 128 S.
Etienne Borgers
Übersetzung: Sarah
Florence Gaebler
Dieser Sammelband umfasst, wie im Titel
bereits angedeutet, neun Erzählungen
aus der Verbrecher- und Krimiwelt, und dies im weitesten Sinne
des Wortes.
In diesen neun Erzählungen wird der gewöhnlichste aller
Alltage zur Tragödie und der Mord geht mit Vorliebe auf ein Missverständnis
zurück. Nicht selten ist dies Ergebnis einer verzerrten Wahrnehmung
des Anderen. Manchmal auch ist es einfach und allein der Zufall, der,
auf sarkastische Weise, in einer Verkettung von verschiedensten Umständen,
die nur in einem Horrorszenario enden können, zur Verwechslung
von Personen führt. Jede Geschichte für sich offenbart uns,
dass öffentliche Räume und Plätze zur Falle werden,
die das Schicksal regiert. Denn diese Orte sind gefährlich! Angefangen
bei der Post und dem Supermarkt, bis hin zur Bankfiliale, dem Hotel
oder dem Plattengeschäft .
Selbst die kleine, unscheinbare Kneipe.
Ganz zu schweigen von Zügen .
An diesen unbedeutenden Orten verstricken
sich die Schicksale, treffen sich vom Zufall geleitete Personen
zu ihrem großen Unglück.
Und zum Entzücken des Lesers.
Diese Erzählungen sind ohne jede Effekthascherei geschrieben,
was die Lächerlichkeit noch verstärkt, die wir angesichts
der Launenhaftigkeit des Zufalls, den Missverständnissen und der
Fremdartigkeit verspüren. Es sind wiederkehrende Momente, die
sich durch alle neun Erzählungen hindurch ziehen. Und gemeinsam
ist ihnen allen der Mord.
Jean-Baptiste Baronian erzählt diese Geschichten kunstvoll und
in einem doch gewöhnlichen Ton. Geschichten, die gerade deshalb
so außergewöhnlich sind. Manch eine dieser Erzählungen
verfällt dem Fantastischen, einem Terrain, das der Autor ebenso
meisterhaft beherrscht.
Ein wahrhaftiger Genuss, der uns an den
der heimlich zugesteckten Leckereien der Kindheit erinnern lässt.
Eine
der herausragendsten Erzählungen aus dem Band, Petite
maman (Kleine Mama), wurde in der zweiten Ausgabe von
Europolar in der Rubrik »Fiktion« veröffentlicht.