krimis in Europa
n°5 Mai-Juni-July 2006

 

 

>> Rezension

Neuf petits crimes très ordinaires
(Neun ganz gewöhnliche Verbrechen)

Jean-Baptiste Baronian

Belgien, Le Grand Miroir . 2006 . 128 S.

Etienne Borgers
Übersetzung: Sarah Florence Gaebler

 

Dieser Sammelband umfasst, wie im Titel bereits angedeutet, neun Erzählungen aus der Verbrecher- und Krimiwelt, und dies im weitesten Sinne des Wortes.

In diesen neun Erzählungen wird der gewöhnlichste aller Alltage zur Tragödie und der Mord geht mit Vorliebe auf ein Missverständnis zurück. Nicht selten ist dies Ergebnis einer verzerrten Wahrnehmung des Anderen. Manchmal auch ist es einfach und allein der Zufall, der, auf sarkastische Weise, in einer Verkettung von verschiedensten Umständen, die nur in einem Horrorszenario enden können, zur Verwechslung von Personen führt. Jede Geschichte für sich offenbart uns, dass öffentliche Räume und Plätze zur Falle werden, die das Schicksal regiert. Denn diese Orte sind gefährlich! Angefangen bei der Post und dem Supermarkt, bis hin zur Bankfiliale, dem Hotel oder dem Plattengeschäft .

Selbst die kleine, unscheinbare Kneipe. Ganz zu schweigen von Zügen .

An diesen unbedeutenden Orten verstricken sich die Schicksale, treffen sich vom Zufall geleitete Personen zu ihrem großen Unglück. Und zum Entzücken des Lesers.

Diese Erzählungen sind ohne jede Effekthascherei geschrieben, was die Lächerlichkeit noch verstärkt, die wir angesichts der Launenhaftigkeit des Zufalls, den Missverständnissen und der Fremdartigkeit verspüren. Es sind wiederkehrende Momente, die sich durch alle neun Erzählungen hindurch ziehen. Und gemeinsam ist ihnen allen der Mord.

Jean-Baptiste Baronian erzählt diese Geschichten kunstvoll und in einem doch gewöhnlichen Ton. Geschichten, die gerade deshalb so außergewöhnlich sind. Manch eine dieser Erzählungen verfällt dem Fantastischen, einem Terrain, das der Autor ebenso meisterhaft beherrscht.

Ein wahrhaftiger Genuss, der uns an den der heimlich zugesteckten Leckereien der Kindheit erinnern lässt.

Eine der herausragendsten Erzählungen aus dem Band, Petite maman (Kleine Mama), wurde in der zweiten Ausgabe von Europolar in der Rubrik »Fiktion« veröffentlicht.

 

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