krimis in Europa
n°5 Mai-Juni-July 2006

 

 

>> Rezension

Farbfilter
Ada Simon in Douala

Lena Blaudez

Unionsverlag • 2006

von Titus Engelschall

 

Nachdem Lena Blaudez im vergangenen Jahr ihren ersten Kriminalroman, Spiegelreflex - Ada Simon in Cotonou veröffentlicht hat, folgt mit Farbfilter nun die Fortsetzung um die eigenwillige Ermittlerin mit Kamera. Auf einer Konferenz zum Thema Tropenholz in Mecklenburg begegnet Ada Simon einem Europäer wieder, den sie zuvor mehrmals in Afrika während ihrer Nachforschungen über einen verschwundenen Naturschützer getroffen hatte. Im Rückblick werden die Verwicklungen der eher unfreiwilligen Detektivin in den Mordfall an einem alten Pater in Kamerun geschildert, die Ada auf einen Horrortrip durch Kamerun, Nigeria und Benin schicken. Auf der Jagd und zugleich auf der Flucht vor einer international agierenden Rohstoffmafia, stößt Ada auf wichtige Hinweise und rettet in einer Nacht-und Nebel-Aktion gerade noch ihre Haut. Die Drahtzieher der Morde in Douala sind jedoch in Europa zu suchen, in einem baufälligen Schloss, in dem sich die Profiteure des Tropenholzhandels zur gepflegten Konversation versammelt haben...

Aus verschiedenen Erzählperspektiven und unterschiedlichen Zeitebenen zusammengesetzt, entwirft Blaudez in Farbfilter einen komplexen Plot, der aufgrund der zahlreichen Akteure und Schauplätze manchmal etwas verwirrt, immer jedoch zum großen Zusammenhang zurückfindet. Auf ein privates Happy End der entwurzelten Hauptfigur mit Bindungsphobie wird verzichtet, so dass die Rastlosigkeit Blaudez' Heldin sicherlich noch in einige weitere Mordfälle stolpern lassen wird.

Großartig an dieser Kriminalerzählung ist der klare und differenzierte Blick, den die Autorin auf die Länder, Städte und Regionen wirft, in denen sich die Handlung abspielt: jenseits aller Klischees beschreibt sie den Alltag der Bewohner, der von Ort zu Ort und in verschiedenen Schichten der Bevölkerung stark variiert und Widersprüche hervorbringt, die in der europäischen Mythenbildung zum Thema Afrika völlig untergehen.

Farbfilter ist sicher düsterer ausgefallen als der erste Band der Ada-Simon-Reihe, was auch dem Fokus auf das gravierende Problem der internationalen Rohstoffkriminalität geschuldet ist und ihrer Folgen für die betroffenen Länder, deren Vorkommen an begehrten Materialien mit brutalen Methoden ausgebeutet werden. In einer Schlüsselpassage lässt Blaudez den Journalisten Tom die Situation im Kongo beschreiben, wo Rebellengruppierungen, Warlords, ausländische Invasionsgruppen, Stammesmilizen, Geheimbünde, Regierungsarmeen und Kindersoldaten um die Gebiete kämpfen, in denen es Gold, Diamanten und das zur Handyproduktion notwendige Coltan zu holen gibt: "Dem Ausland wird das ganze Elend als Stammesfehden verkauft. Tutsi und Hutu, Hemu und Lendu. Natürlich sind das Rohstoffkriege, aber weil im Ausland kräftig mitkassiert wird, kommt das nicht so gut. Da quatscht man lieber von dem knappen Ackerland und den Wiesen und Weiden, um die sich Bauern und Viehzüchter streiten".

 

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