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Farbfilter
Ada
Simon in Douala
Lena Blaudez
Unionsverlag • 2006
von Titus Engelschall
Nachdem Lena Blaudez im vergangenen Jahr ihren ersten Kriminalroman, Spiegelreflex - Ada
Simon in Cotonou veröffentlicht hat, folgt mit Farbfilter nun
die Fortsetzung um die eigenwillige Ermittlerin mit Kamera. Auf
einer Konferenz zum Thema Tropenholz in Mecklenburg begegnet Ada
Simon einem Europäer wieder, den sie zuvor mehrmals in Afrika während
ihrer Nachforschungen über einen verschwundenen Naturschützer
getroffen hatte. Im Rückblick werden die Verwicklungen der eher
unfreiwilligen Detektivin in den Mordfall an einem alten Pater in
Kamerun geschildert, die Ada auf einen Horrortrip durch Kamerun,
Nigeria und Benin schicken. Auf der Jagd und zugleich auf der Flucht
vor einer international agierenden Rohstoffmafia, stößt
Ada auf wichtige Hinweise und rettet in einer Nacht-und Nebel-Aktion
gerade noch ihre Haut. Die Drahtzieher der Morde in Douala sind jedoch
in Europa zu suchen, in einem baufälligen Schloss, in dem
sich die Profiteure des Tropenholzhandels zur gepflegten Konversation
versammelt haben...
Aus verschiedenen Erzählperspektiven
und unterschiedlichen Zeitebenen zusammengesetzt, entwirft Blaudez
in Farbfilter einen
komplexen Plot, der aufgrund der zahlreichen Akteure und Schauplätze
manchmal etwas verwirrt, immer jedoch zum großen Zusammenhang
zurückfindet. Auf ein privates Happy End der entwurzelten Hauptfigur
mit Bindungsphobie wird verzichtet, so dass die Rastlosigkeit Blaudez'
Heldin sicherlich noch in einige weitere Mordfälle stolpern
lassen wird.
Großartig an dieser Kriminalerzählung ist der klare und
differenzierte Blick, den die Autorin auf die Länder, Städte
und Regionen wirft, in denen sich die Handlung abspielt: jenseits aller
Klischees beschreibt sie den Alltag der Bewohner, der von Ort zu Ort
und in verschiedenen Schichten der Bevölkerung stark variiert
und Widersprüche hervorbringt, die in der europäischen Mythenbildung
zum Thema Afrika völlig untergehen.
Farbfilter ist sicher düsterer ausgefallen als der erste Band der
Ada-Simon-Reihe, was auch dem Fokus auf das gravierende Problem der internationalen
Rohstoffkriminalität geschuldet ist und ihrer Folgen für die
betroffenen Länder, deren Vorkommen an begehrten Materialien mit
brutalen Methoden ausgebeutet werden. In einer Schlüsselpassage
lässt Blaudez den Journalisten Tom die Situation im Kongo beschreiben,
wo Rebellengruppierungen, Warlords, ausländische Invasionsgruppen,
Stammesmilizen, Geheimbünde, Regierungsarmeen und Kindersoldaten
um die Gebiete kämpfen, in denen es Gold, Diamanten und das zur
Handyproduktion notwendige Coltan zu holen gibt: "Dem Ausland wird das
ganze Elend als Stammesfehden verkauft. Tutsi und Hutu, Hemu und Lendu.
Natürlich sind das Rohstoffkriege, aber weil im Ausland kräftig
mitkassiert wird, kommt das nicht so gut. Da quatscht man lieber von
dem knappen Ackerland und den Wiesen und Weiden, um die sich Bauern und
Viehzüchter streiten".