krimis in Europa
n°5 Mai-Juni-July 2006

 

 

>> Rezension

Jour de gloire
(Tag des Ruhmes)

Pascale Fonteneau

Le Masque 2006

Jean-Marc Laherrère
Übersetzung: Kerstin Schoof

 

Monique und Sylvia sind Kolleginnen, sogar Freundinnen. Über mehrere Jahre haben sie bei Buisseau und Söhne zusammen gearbeitet. Dann wurde aus Buisseau SOTEX, die schließlich geschlossen und stattdessen eine Fabrik in Osteuropa aufgemacht haben. Seitdem engagieren sich Monique und Sylvie in der Vereinigung der ehemaligen Fabrikarbeiter, die ohne großen Erfolg für die Anerkennung ihrer Rechte kämpft. Als Sekretärin des Verbandes reist Monique zu einer Gewerkschaftstagung über die Zukunft der Textilindustrie. Nach ihrer Rückkehr und einigen Tagen des Schweigens bittet sie Sylvie um etwas Ungewöhnliches . einen Mann bei sich unterzubringen.

Mit Vergnügen begegnet man hier dem typischen Stil Fonteneaus: witzig, bissig und gnadenlos gegenüber den kollektiven und individuellen Schwächen unserer Zeit, aber gleichzeitig voller menschlicher Zärtlichkeit gegenüber den Opfern. Niemand wird verschont, weder der großmäulige Gewerkschafter, der recht feige ist, wenn es um Aktionen, noch die Militante aus der Vorstadt, die fehlende politische Bildung durch Enthusiasmus, Wut und Attentate ersetzt. Aber die Autorin liebt ihre Figuren, und das spürt man. Keinerlei Verständnis hat sie hingegen für die Welt des Fernsehens, für sogenannte Stars, ihre Allüren und Dummheiten.

Wie immer bei Pascale Fonteneau: ein neuer Roman, der revoltiert, amüsiert und knistert - ein wahres Vergnügen.

 

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