>> Rezension
Jour
de gloire
(Tag des Ruhmes)
Pascale
Fonteneau
Le Masque • 2006
Jean-Marc Laherrère
Übersetzung: Kerstin Schoof
Monique und Sylvia sind Kolleginnen,
sogar Freundinnen. Über
mehrere Jahre haben sie bei Buisseau und Söhne zusammen
gearbeitet. Dann wurde aus Buisseau SOTEX, die schließlich
geschlossen und stattdessen eine Fabrik in Osteuropa aufgemacht haben.
Seitdem engagieren sich Monique und Sylvie in der Vereinigung der ehemaligen
Fabrikarbeiter, die ohne großen Erfolg für die Anerkennung
ihrer Rechte kämpft. Als Sekretärin des Verbandes reist Monique
zu einer Gewerkschaftstagung über die Zukunft der Textilindustrie.
Nach ihrer Rückkehr und einigen Tagen des Schweigens bittet sie
Sylvie um etwas Ungewöhnliches . einen Mann bei sich unterzubringen.
Mit Vergnügen begegnet man hier dem typischen Stil Fonteneaus:
witzig, bissig und gnadenlos gegenüber den kollektiven und individuellen
Schwächen unserer Zeit, aber gleichzeitig voller menschlicher
Zärtlichkeit gegenüber den Opfern. Niemand wird verschont,
weder der großmäulige Gewerkschafter, der recht feige ist,
wenn es um Aktionen, noch die Militante aus der Vorstadt, die fehlende
politische Bildung durch Enthusiasmus, Wut und Attentate ersetzt. Aber
die Autorin liebt ihre Figuren, und das spürt man. Keinerlei Verständnis
hat sie hingegen für die Welt des Fernsehens, für sogenannte
Stars, ihre Allüren und Dummheiten.
Wie immer bei Pascale Fonteneau: ein
neuer Roman, der revoltiert, amüsiert und knistert - ein wahres Vergnügen.
