krimis in Europa
n°5 Mai-Juni-July 2006

 

Hinter verschlossenen Türen

André-Paul Duchâteau
Übersetzung: Alexander Ruoff

Photo : J-J Procureur

Der belgische Autor André-Paul Duchâteau wurde 1925 geboren. Seine lange Karriere beginnt schon früh. Unter den Schwingen von Stanislas-André Steeman, einem gefeierten belgischen Autor, veröffentlicht Duchâteau 1942 in dessen berühmter Krimiedition »Le Jury«. Schnell beginnt er auch für verschiedene Comic-Publikationen zu arbeiten, die sich an Jugendliche richten. Ab 1955 schreibt er die Geschichten für die Krimi-Comics RIC HOCHET, die von Tibet gezeichnet werden und in »Tintin« erscheinen. Diese Arbeit wird ohne Unterbrechung und mit großem Erfolg bis heute fortgeführt. 2005 wurde der 50. Geburtstag und der 70. veröffentlichte Band gefeiert.

Er war immer sowohl Krimiautor (Romane und Kurzgeschichten) als auch Szenarist für Comics (Mit Tibet und anderen Zeichnern). Er hat zudem zahlreiche Drehbücher für Krimis geschrieben, die im Hörfunk und Fernsehen liefen.
Aus der langen Liste der veröffentlichten Romane und Kurzgeschichten seien genannt: »De 5 à 7 avec la mort« (Von 5 bis 7 mit dem Tod) (1974), »Doublure pour un assassin« (Double für einen Mörder) (1981), »La petite fille à gauche sur la photo« (Das kleine Mädchen links auf dem Foto) (1987), »L'écrivain habite au 21« (Der Schriftsteller wohnt in der Nummer 21) (1998, Biografie des belgischen Schriftstellers S.A. Steeman).

 

Meine Spezialität ist es, ungewöhnliche Geschichten zu erfinden. In zwanzig Jahren habe ich an die Tausend Geschichten geschrieben, Krimis und Science-Fiction, aber nie Fantasy, und zwar aus dem Grund, weil es mein kartesianisches Bestreben ist, die Rätsel, die ich aufstelle rational und logisch zu erklären und nicht fantastisch.

Ich bin ein außergewöhnliches Mitglied der Trivialliteratur, ich beschränke mich auf den gesunden Menschenverstand.

Die Mysterien der geschlossenen Gesellschaft, des verschlossenen Raums, sind für mich keine Geheimnisse mehr. Sie wissen schon, worum es sich handelt: um ein Verbrechen, das in einem hermetisch abgeschlossenen Raum stattfindet. Eines der Meisterwerke dieses Genres ist zweifellos Le mystère de la chambre jaune des unsterblichen Gaston Leroux. Ist sie nicht anrührend, die »Kleine Geschlossene Kammermusik« ...!

Ich weiß nicht, weshalb ich mich nach Leroux, J.D. Carr und einigen anderen – wenn auch friedfertig – so auf diese Rätselkrimis in den verschiedenen Zeitschriften, in denen ich regelmäßig schreibe, gestürzt habe.

Entschuldigen Sie, dass ich ständig »Ich« sage. Zweifellos ist das für den Leser auf Dauer ermüdend und in den Geschichten, die ich schreibe, vermeide ich für gewöhnlich dieses »hassenswerte Ich« und schreibe in der dritten Person. »Er machte das, sie machte jenes, usw.« Aber dieser Text – ich hätte das gleich sagen sollen – hat (zumindest dieses Mal) nichts mit meiner Fantasie zu tun, die schon häufig als überbordend bezeichnet worden ist. Ich bin regelrecht gezwungen, »Ich« zu schreiben, und zwar aus dem Grund, weil es – wenn ich mich schon so in Szene setze – um meine Geschichte geht, und nicht um die eines imaginären Helden.

Ja, ich, André-Edmond Tyrel, ich lege Ihnen einen Teil meines Lebens offen, einen kleinen Teil des Lebens eines Schriftstellers, der von Seinesgleichen mitunter der Neue Meister (entschuldigen Sie die diskrete Aufdringlichkeit) des »Verschlossenen Raums« genannt wird.

In der Tat handeln drei Viertel der Geschichten, die ich bis zum heutigen Tag geschrieben habe von der Auflösung dieser fesselnden Probleme, die als unlösbar gelten, aber natürlich nichts weiter sind als Augenwischerei, Vorspiegelung, Zaubertricks oder der Rückgriff auf technische oder wissenschaftliche Verfahren. Ich sage es noch einmal: Auf keinen Fall bemühe ich absurde Fantasmorgien.

Eine überaus geräumige Wohnung auf dem Land, nicht weit vom Wald von Clairval entfernt, die ich alleine bewohne, dient mir als Atelier (wie im Kino), als Lagerhalle und als Forschungslabor.

Die Einrichtung (um mit Jacques Prévert zu reden), die es dort zu entdecken gibt, umfasst einen Eisenbahnwaggon, ein Flugzeugcockpit, eine Telefonzelle, eine Schiffskabine, ein Badezimmer, ein WC, ein Büro, ein Schlafzimmer, einen Keller, eine Gefängniszelle, einen Speicher, ein Auto, einen tragbaren Tresor, einen Kühlschrank, eine Souffleursloge (aus dem Theater), eine Künstlerloge, einen Sarg, einen Reisekoffer, eine Zuschauerloge (ebenfalls aus dem Theater), eine Bambusbrücke, eine alte Mühle, eine Fischerhütte, einen Jagd- und einen Musikpavillon, einen Panzerwagen, eine Schaukel, eine Dusche, einen Glockenturm, einen Tenniscourt, eine Wahlkabine, einen Container, einen hohlen Baumstamm, ein Campingzelt, einen Geldkoffer, eine Fotokabine, eine verwunschene Villa, einen Heuschober, einen Leuchtturm, einen verschneiten Garten, einen Scannertisch, ein indianisches Tipi, eine Hängematte, einen Orchestergraben, ein Grab, einen Heißluftballon, eine Seilbahnkabine, eine Schwimmhalle, eine dunkle Gasse, etc., etc. ...

Die Liste ist nicht vollständig. Ich füge hinzu, dass eine einfallsreiche Vorrichtung es ermöglicht, je nach Wunsch einen quadratischen Raum in einen dreieckigen, vieleckigen, achteckigen, rechteckigen, etc. etc. zu verwandeln.

Jeden Abend, nach mehreren einsamen Partien in meinem Squashcourt – um mich fit zu halten – ziehe ich mich in mein Atelier-Kaparnaum zurück, um in Ruhe über mein nächstes Projekt zu meditieren (eines pro Woche, das ist mein Einsatz seit zwei Jahrzehnten). Ich setze mich auf den Schleudersitz einer Boing, der mir schon eine der besten Ideen für ein »perfektes Verbrechen« eingegeben hat: eine Geschichte mit dem Titel »Ist ein Phantom an Bord?«

Aus dem Gesagten kann man vermutlich schon entnehmen, dass ich alleine und ohne Bindungen lebe. Keine Ehefrau, keine Geliebte, keine Freunde. Und wie sollte ich auch Zeit für die sinnlichen und emotionalen Verwicklungen einer Affäre finden, wo doch all mein Streben ganz meiner Leidenschaft gewidmet ist – meine Kritiker, und davon gibt es viele (all die sogenannten fantastischen Schriftsteller einmal beiseite gelassen) behaupten, es handle sich eher um eine Manie, eine fixe Idee, Paranoia.

Feste Zeiten, perfekte Planung.

Morgen früh, Punkt zehn Uhr, werde ich der Wochenzeitung Eurêka meine tausendste Kurzgeschichte faxen, mit der ich mich momentan beschäftige.

Meine unfehlbare Theorie hat mich noch nie im Stich gelassen. Wie Picasso gesagt hat: »Ich suche nicht, ich finde«. Ich finde immer eine neue Idee für das Problem des verschlossenen Raums, weil ich einfach eine finden muss.

Ich begebe mich jedes Mal in den potenziellen Ort oder den Raum, die ich mir ausgesucht habe. Dieses Beweisstück fügt sich dann zu den anderen in meinem Atelier-Laboratorium-Speicher. Und dann – den Blick gedanklich fest auf das neue Spielzeug geheftet – reiße ich mir im wörtlichen Sinn den Arsch auf, meine kleinen grauen Zellen implodieren und explodieren, um die unmögliche Lösung zu finden.

Letzte Woche bestand der verschlossene Raum in meiner Kurzgeschichte – »Die Kirsche auf der Torte« – aus einer monumentalen Pappmacheetorte, aus der vor den lüsternen und entsetzten Augen von einhundert Clubmitgliedern ein nacktes ... und erstochenes Mädchen auftauchte.

Da ist sie, die Pappmacheetorte, ganz in der Nähe des noch unbekannten »verschlossenen Raums«, den ich für meine tausendste Erzählung ausgewählt habe und der schon all mein Denken ausfüllt.

Um dieses Ereignis zu feiern, muss man es krachen lassen. Hat es das nicht alles schon mal gegeben?

Mir kommt eine Idee ... Der tausendste »verschlossene Raum«, den ich hier vor Augen habe, ist nicht spektakulär. Es handelt sich schlicht um einen sehr großen Pappkarton (in den ein Fernseher oder eine Waschmaschine eingepackt wird). Wenn man sich hineingleiten lässt, schließen sich die oberen Falze wie ein Schiebedach

Sie haben es vermutlich schon erraten: Der tausendste »verschlossene Raum«, in dem offensichtlich ein Verbrechen begangen werden wird, besteht aus diesem sozusagen personalisierten Pappkarton, denn er stammt tatsächlich von einem Obdachlosen. Bis vor einigen Tagen war er noch sein einziges nächtliches Domizil irgendwo unter den Seinebrücken, bis zu jener unseligen Nacht, in der der kalte Tod ihn in die Ewigkeit geholt hat.

Aber meine Methode – die berühmte Tyrel-Methode – besteht nicht nur in der bloßen Beobachtung. Ich schlüpfe buchstäblich in die Haut der Figur. In einen Clochard, das ist evident – aber nicht in irgendeinen Clochard, nein, in einen gescheiterten Ex-Milliardär, der das Opfer eines unmöglichen Verbrechens werden wird.

Wie immer, überlege ich laut:

»Es ist jetzt also Mitternacht. Ich (meine Figur natürlich) bereite mich darauf vor, ein kleines Schläfchen zu machen. Umringt von den unvermeidlichen Zeugen, der alten Irma und dem Schrothändler, sowie zwei anderen aus der Bande.« Ich spiele die Szene in meinem Atelier-Laboratorium-Magazin nach und öffne also die oberen Falze meines Kartons und lege mich gemütlich, mit angezogenen Knien, wie es sich gehört, hinein. Ich, als meine Figur, nennen wir sie Dédé, schließe das Faltdach über meinem Kopf und dichte das Innere mit einem Klebeband ab, damit es nicht zieht. Er ist ein bisschen pedantisch, unser Dédé.

»Wie begeht man ein perfektes Verbrechen?«, frage ich mich in der Hitze, die in meinem absolut dunklen Karton herrscht – und mit einem leichten Anflug von Klaustrophobie.

Die beiden Zeugen, total pleite, aber ehrenhaft, beharren fest darauf: Niemand, absolut niemand, hat sich dem Kartonschloss zwischen Mitternacht und zwei Uhr früh genähert.

Und das ist nicht alles! Es hat zu schneien begonnen, als Dédé sich in sein einzig bekanntes Zuhause eingeschlossen hat; in der ganzen Gegend um die Brücke herum, hat der Schnee alle eventuellen Spuren bedeckt und es hat exakt zehn Minuten nach zwölf zu schneien aufgehört.

»Ja, Herr Kommissar Navarro«, bestätigt die alte Irma mit ihrem zahnlosen Mund, »niemand ist hier vorbeigekommen ... Und schauen Sie nur genau hin, es gibt nicht die kleinste Spur in diesem verdammten Schnee!«

Der Schrothändler begnügt sich damit, dem Chef zuzustimmen. Dédé war ein Kumpel, sein Freund ... Wer hat ihn umgebracht, zum Teufel? Und wie hat man ihn umgebracht?

Zusammengekrümmt in meinem Palast versuche ich all die Fragen zu beantworten, die ich mir stelle. Ich habe Erfahrung. Das ist für gewöhnlich eine Sache von ein, zwei Stunden. Und dann stellt sich das Wunder ein: Die Geschichte, unmöglich und doch rational, fügt sich ganz von alleine in meinem Kopf zusammen. Und dann muss ich nur noch meiner provisorischen Behausung entschlüpfen und mich an meinen Text setzen, den ich praktisch fehlerfrei an einem Stück schreibe, diese tausendste Geschichte, die meine zigtausend Leser schon voller Ungeduld erwarten.

Es ist die Hölle in meinem Kerker aus Karton, die Atemnot versetzt mich in Panik, meine Glieder fühlen sich an, als habe man sie mit einem Hammer breit geschlagen, der Schweiß klebt in dicken Tropfen an mir. Wie kann es so weit kommen, dass man gezwungen ist, unter solchen Bedingungen zu leben – wenn man das Leben nennen kann –, die sogar noch karger sind, als die von einem Krebs in seinem tragbaren Gehäuse. Während ich als Starautor über jedweden Luxus verfüge in diesem wunderschönen Palast, der mit tausend Extras ausgestattet ist, um mich auf Rosen zu betten.

Meine Mahlzeiten kommen aus einem Drei-Sterne-Hotel. Niemand kommt herein, ohne den Alarm auszulösen, auch nicht durch die Garage im Anbau, wo Seite an Seite zwei Rolls – die alten Modelle, die, die ich so liebe, die »Phantome« – und ein rot glänzender Ferrari warten.

Das Paradoxe ist, dass ich, um das Recht zu haben, aus dieser Falle herauszukommen und mein Traumleben wieder aufnehmen zu können, unbedingt diesen unmöglichen Mord in einem verschlossenen Raum an einem Clochard und Ex-Krösus, der vielleicht Dédé heißt, lösen muss.

»Herr Kommissar«, beharrt Irma, »ich sage es Ihnen nochmals, da war ein Schneehaufen am Anfang der Brücke ...«

»Das haben Sie schon gesagt«, seufzt Navarro. »Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie beide, der Schrothändler und Sie, das Verbrechen entdeckt haben?«

»Das haben wir Ihnen doch schon erklärt«, sagt der Schrothändler. »Aber wir erklären es gerne noch einmal. Irma und ich haben uns unterhalten und eine geraucht, wir haben auch leise gelacht, weil der Dédé so getan hat als könne er nicht schlafen, aber aus seiner Villa hat man es laut schnarchen hören.« (Gelächter).

»Und das war es, was uns stutzig gemacht hat, Herr Kommissar. Wie auf einen Schlag war überhaupt nichts mehr zu hören ...«

»Um wie viel Uhr war das?«

»Ich hab doch keine Uhr!«, regt sich der Schrothändler auf. »Aber ich würde sagen es war so gegen zwei Uhr in der Früh, so was um den Dreh. Was meinst Du, meine Alte?«

»Das kann gut sein.«

»Gut, gut! Es ist also fast zwei Uhr, niemand hat sich von der Brücke aus genähert. In seinem Karton hört Dédé plötzlich auf zu schnarchen und dann ...«

»Und dann«, macht Irma weiter, »haben wir ganz automatisch einen Blick auf seinen Schlafwagen geworfen ... und was mussten wir sehen? ... was mussten wir sehen? ...«

Ja, was sieht man? Mein Körper, in bizarren Winkeln abgeknickt, schmerzt überall, ich bekomme kaum Luft, es ist höchste Zeit, aus dieser infernalischen Falle herauszukommen, um die 30.000 Zeichen zusammenzuschreiben, auf die alle warten. Was sieht man?

»Blut!«, Herr Kommissar ruft der Schrothändler entsetzt aus. »Blut, eine große Lache Blut kam aus dem Karton heraus und verteilte sich wie Tinte auf einem Löschpapier!«

Seltsam, die Sprache des Schrothändlers. Manchmal redet er wie ein Penner (jedenfalls so weit ich mich erinnern kann) und manchmal benutzt er ein richtig veraltetes Vokabular (Ich folgere daraus, dass der Schrothändler – bevor ihn das Unglück traf – Repetitor in der Sorbonne war!).

Und da ist der Kommissar N. wie vom Donner gerührt (abgegriffene Vergleiche wirken immer am Besten): »Unglaublich! Er konnte sich doch nicht selbst erstechen! Und der obere Deckel des Kartons war von Innen mit Klebeband abgedichtet!«

Dass die Wunde im Bauch so gestaltet ist, dass das Opfer sie sich nicht selbst hat beibringen können, ist das eine. Das andere, dass die Waffe verschwunden ist.

»Das war ein Gespenst«, Herr Kommissar, »das das gemacht hat. Dédé hat immer eine blühende Phantasie gehabt und jetzt haben sich seine bösen Phantasien gerächt!«

Nein, nein und nochmals nein! André-Edmond Tyrel, ich wiederhole es, ist der Meister der »unmöglichen« Rätsel, die auf logische Weise geklärt werden. Es steht ganz außer Frage – im Gegensatz zu manchen meiner Kollegen – in die flauen Abgründe der sogenannten Poetik des Irrationalen hinabzusteigen, die jede Erklärung überflüssig machen: Man erzählt irgendwas und schließt irgendwie.

»Nun, Herr Erzähler des Fantastischen, Ihre Geschichte hat weder Hand noch Fuß ...«

»Sie, Geheimnisfabrikant, seien Sie nicht vulgär! Vermischen wir nicht Äpfel mit Birnen«

Ich schreibe nicht in Großbuchstaben. Die Leserschaft – meine Leser – verlangt nach subtilen und kartesianischen Überlegungen. Keine Gespenster keine bösen oder idiotischen Geister, das will ich nicht!

»Haltet's Maul, Ihr Kadaver.«

Werde ich oder werde ich nicht zum tausendsten Mal DIE IDEE, DIE ERKLÄRUNG (Großbuchstaben kommen auch immer gut), und zwar eine zusammenhängende, homogene, durch die Tatsachen erhärtete finden, die mir endlich erlaubt, diesem Gefängnis zu entfliehen, dessen verbrauchte und dreckige Luft mir die Lungen zerreißen wird, wenn ich noch länger hier drin bleiben muss.

... aber was geschieht? Wer flüstert da? Unterdrücktes Lachen? Unmöglich! Niemand – ich habe es schon gesagt – niemand kann in mein Atelier-Laboratorium-Speicher eindringen.

Also? Wer? Das Irrationale? Die Mächte, die ... welche ... usw. des Schattens? Lächerlich. Das kann ich nicht glauben. Der Leser (guter Krimis) auch nicht.

Es ist eine Verschwörung. Ich weiß nicht wie meine Kollegen des Fantastischen die Mittel gefunden haben, mein Alarmsystem zu umgehen. Sie wollen sich an meinen wichtigsten Werken rächen. Hinweg, ihr Selbstverleger – kein Wortspiel!

Oh, dieser Dolchstoss des Unsichtbaren, der mir das Herz zerreißt. Die Unglückseligen! Wie haben sie es angestellt? Ich werde sterben, eingeschlossen in meinem eigenen verschlossenen Raum. Hinter verschlossenen Pforten für alle Ewigkeit. Das perfekte Verbrechen. Durchgeführt von vorgeblichen Gespenstern, die in Wirklichkeit die hässliche Fratze meiner neidischen Kollegen tragen. Schande über mich: Das verzeiht mir mein Publikum nie.

André-Edmond Tyrel, der König der Logik
ermordet von Gespenstern
an die er nicht glaubte.

Ich sterbe. Schwach und geschlagen. Wie eine Figur von Dostojewski.

***

»Ein armer Kerl«, erklärten die Obdachlosen den Polizisten, die ihnen bestätigt hatten, dass der Verschiedene einer ihrer Genossen war. »La Tire«, verstorben an einer Herzattacke, die zweifellos durch die Polarkälte ausgelöst worden ist, die ihn in seinem ungenügenden Pappkartonobdach gefangen gehalten hatte. Aber auch ein tapferer Kerl. Wenn auch ein wenig verrückt. Hielt sich für einen Krimischriftsteller. Kann schon sein. Es scheint, als sei er in den Fünfzigerjahren einmal sehr bekannt gewesen.

 


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