Hinter
verschlossenen Türen
André-Paul Duchâteau
Übersetzung: Alexander Ruoff
Der belgische Autor André-Paul
Duchâteau wurde 1925 geboren.
Seine lange Karriere beginnt schon früh. Unter den Schwingen
von Stanislas-André Steeman, einem gefeierten belgischen
Autor, veröffentlicht Duchâteau 1942 in dessen berühmter
Krimiedition »Le
Jury«. Schnell beginnt er auch für verschiedene Comic-Publikationen
zu arbeiten, die sich an Jugendliche richten. Ab 1955 schreibt
er die Geschichten für die Krimi-Comics RIC HOCHET, die von
Tibet gezeichnet werden und in »Tintin« erscheinen.
Diese Arbeit wird ohne Unterbrechung und mit großem Erfolg
bis heute fortgeführt.
2005 wurde der 50. Geburtstag und der 70. veröffentlichte
Band gefeiert.
Er war immer sowohl Krimiautor
(Romane und Kurzgeschichten) als auch Szenarist für Comics (Mit
Tibet und anderen Zeichnern). Er hat zudem zahlreiche Drehbücher
für Krimis geschrieben, die im
Hörfunk und Fernsehen liefen.
Aus
der langen Liste der veröffentlichten Romane und Kurzgeschichten
seien genannt: »De 5 à 7 avec la mort« (Von
5 bis 7 mit dem Tod) (1974), »Doublure pour un assassin« (Double
für einen Mörder) (1981), »La petite fille à gauche
sur la photo« (Das kleine Mädchen links auf dem Foto)
(1987), »L'écrivain
habite au 21« (Der Schriftsteller wohnt in der Nummer 21)
(1998, Biografie des belgischen Schriftstellers S.A. Steeman).
Meine Spezialität ist es, ungewöhnliche Geschichten zu erfinden.
In zwanzig Jahren habe ich an die Tausend Geschichten geschrieben, Krimis
und Science-Fiction, aber nie Fantasy, und zwar aus dem Grund, weil es
mein kartesianisches Bestreben ist, die Rätsel, die ich aufstelle
rational und logisch zu erklären und nicht fantastisch.
Ich bin ein außergewöhnliches Mitglied der Trivialliteratur,
ich beschränke mich auf den gesunden Menschenverstand.
Die Mysterien der geschlossenen Gesellschaft,
des verschlossenen Raums, sind für mich keine Geheimnisse mehr.
Sie wissen schon, worum es sich handelt: um ein Verbrechen, das in
einem hermetisch abgeschlossenen Raum stattfindet. Eines der Meisterwerke
dieses Genres ist zweifellos Le
mystère de la chambre jaune des unsterblichen Gaston Leroux.
Ist sie nicht anrührend, die »Kleine Geschlossene Kammermusik« ...!
Ich weiß nicht, weshalb ich mich nach Leroux, J.D. Carr und einigen
anderen – wenn auch friedfertig – so auf diese Rätselkrimis in den
verschiedenen Zeitschriften, in denen ich regelmäßig schreibe,
gestürzt habe.
Entschuldigen Sie, dass ich ständig »Ich« sage. Zweifellos
ist das für den Leser auf Dauer ermüdend und in den Geschichten,
die ich schreibe, vermeide ich für gewöhnlich dieses »hassenswerte
Ich« und schreibe in der dritten Person. »Er machte das,
sie machte jenes, usw.« Aber dieser Text – ich hätte das gleich
sagen sollen – hat (zumindest dieses Mal) nichts mit meiner Fantasie
zu tun, die schon häufig als überbordend bezeichnet worden
ist. Ich bin regelrecht gezwungen, »Ich« zu schreiben, und
zwar aus dem Grund, weil es – wenn ich mich schon so in Szene setze – um
meine Geschichte geht, und nicht um die eines imaginären Helden.
Ja, ich, André-Edmond Tyrel, ich lege Ihnen einen Teil meines
Lebens offen, einen kleinen Teil des Lebens eines Schriftstellers, der
von Seinesgleichen mitunter der Neue Meister (entschuldigen Sie die diskrete
Aufdringlichkeit) des »Verschlossenen Raums« genannt
wird.
In der Tat handeln drei Viertel der Geschichten,
die ich bis zum heutigen Tag geschrieben habe von der Auflösung dieser fesselnden Probleme,
die als unlösbar gelten, aber natürlich nichts weiter sind
als Augenwischerei, Vorspiegelung, Zaubertricks oder der Rückgriff
auf technische oder wissenschaftliche Verfahren. Ich sage es noch einmal:
Auf keinen Fall bemühe ich absurde Fantasmorgien.
Eine überaus geräumige Wohnung
auf dem Land, nicht weit vom Wald von Clairval entfernt, die ich
alleine bewohne, dient mir als Atelier (wie im Kino), als Lagerhalle
und als Forschungslabor.
Die Einrichtung (um mit Jacques Prévert zu reden), die es dort
zu entdecken gibt, umfasst einen Eisenbahnwaggon, ein Flugzeugcockpit,
eine Telefonzelle, eine Schiffskabine, ein Badezimmer, ein WC, ein Büro,
ein Schlafzimmer, einen Keller, eine Gefängniszelle, einen Speicher,
ein Auto, einen tragbaren Tresor, einen Kühlschrank, eine Souffleursloge
(aus dem Theater), eine Künstlerloge, einen Sarg, einen Reisekoffer,
eine Zuschauerloge (ebenfalls aus dem Theater), eine Bambusbrücke,
eine alte Mühle, eine Fischerhütte, einen Jagd- und einen Musikpavillon,
einen Panzerwagen, eine Schaukel, eine Dusche, einen Glockenturm, einen
Tenniscourt, eine Wahlkabine, einen Container, einen hohlen Baumstamm,
ein Campingzelt, einen Geldkoffer, eine Fotokabine, eine verwunschene
Villa, einen Heuschober, einen Leuchtturm, einen verschneiten Garten,
einen Scannertisch, ein indianisches Tipi, eine Hängematte, einen
Orchestergraben, ein Grab, einen Heißluftballon, eine Seilbahnkabine,
eine Schwimmhalle, eine dunkle Gasse, etc., etc. ...
Die Liste ist nicht vollständig. Ich füge hinzu, dass eine
einfallsreiche Vorrichtung es ermöglicht, je nach Wunsch einen
quadratischen Raum in einen dreieckigen, vieleckigen, achteckigen,
rechteckigen, etc. etc. zu verwandeln.
Jeden Abend, nach mehreren einsamen Partien
in meinem Squashcourt – um
mich fit zu halten – ziehe ich mich in mein Atelier-Kaparnaum zurück,
um in Ruhe über mein nächstes Projekt zu meditieren (eines
pro Woche, das ist mein Einsatz seit zwei Jahrzehnten). Ich setze mich
auf den Schleudersitz einer Boing, der mir schon eine der besten Ideen
für ein »perfektes Verbrechen« eingegeben hat: eine
Geschichte mit dem Titel »Ist ein Phantom an Bord?«
Aus dem Gesagten kann man vermutlich schon
entnehmen, dass ich alleine und ohne Bindungen lebe. Keine Ehefrau,
keine Geliebte, keine Freunde. Und wie sollte ich auch Zeit für die sinnlichen und emotionalen
Verwicklungen einer Affäre finden, wo doch all mein Streben ganz
meiner Leidenschaft gewidmet ist – meine Kritiker, und davon gibt es
viele (all die sogenannten fantastischen Schriftsteller einmal beiseite
gelassen) behaupten, es handle sich eher um eine Manie, eine fixe Idee,
Paranoia.
Feste Zeiten, perfekte Planung.
Morgen früh, Punkt zehn Uhr, werde
ich der Wochenzeitung Eurêka meine
tausendste Kurzgeschichte faxen, mit der ich mich momentan beschäftige.
Meine unfehlbare Theorie hat mich noch
nie im Stich gelassen. Wie Picasso gesagt hat: »Ich suche nicht, ich finde«. Ich finde immer
eine neue Idee für das Problem des verschlossenen Raums, weil
ich einfach eine finden muss.
Ich begebe mich jedes Mal in den potenziellen
Ort oder den Raum, die ich mir ausgesucht habe. Dieses Beweisstück fügt sich dann
zu den anderen in meinem Atelier-Laboratorium-Speicher. Und dann – den
Blick gedanklich fest auf das neue Spielzeug geheftet – reiße ich
mir im wörtlichen Sinn den Arsch auf, meine kleinen grauen Zellen
implodieren und explodieren, um die unmögliche Lösung zu
finden.
Letzte Woche bestand der verschlossene
Raum in meiner Kurzgeschichte – »Die
Kirsche auf der Torte« – aus einer monumentalen Pappmacheetorte,
aus der vor den lüsternen und entsetzten Augen von einhundert Clubmitgliedern
ein nacktes ... und erstochenes Mädchen auftauchte.
Da ist sie, die Pappmacheetorte, ganz in
der Nähe des noch unbekannten »verschlossenen
Raums«, den ich für meine tausendste Erzählung ausgewählt
habe und der schon all mein Denken ausfüllt.
Um dieses Ereignis zu feiern, muss man es krachen lassen. Hat es das
nicht alles schon mal gegeben?
Mir kommt eine Idee ... Der tausendste »verschlossene Raum«,
den ich hier vor Augen habe, ist nicht spektakulär. Es handelt sich
schlicht um einen sehr großen Pappkarton (in den ein Fernseher
oder eine Waschmaschine eingepackt wird). Wenn man sich hineingleiten
lässt, schließen sich die oberen Falze wie ein Schiebedach
Sie haben es vermutlich schon erraten:
Der tausendste »verschlossene
Raum«, in dem offensichtlich ein Verbrechen begangen werden wird,
besteht aus diesem sozusagen personalisierten Pappkarton, denn er stammt
tatsächlich von einem Obdachlosen. Bis vor einigen Tagen war er
noch sein einziges nächtliches Domizil irgendwo unter den Seinebrücken,
bis zu jener unseligen Nacht, in der der kalte Tod ihn in die Ewigkeit
geholt hat.
Aber meine Methode – die berühmte Tyrel-Methode – besteht nicht
nur in der bloßen Beobachtung. Ich schlüpfe buchstäblich
in die Haut der Figur. In einen Clochard, das ist evident – aber nicht
in irgendeinen Clochard, nein, in einen gescheiterten Ex-Milliardär,
der das Opfer eines unmöglichen Verbrechens werden wird.
Wie immer, überlege ich laut:
»Es ist jetzt also Mitternacht. Ich (meine Figur natürlich)
bereite mich darauf vor, ein kleines Schläfchen zu machen. Umringt
von den unvermeidlichen Zeugen, der alten Irma und dem Schrothändler,
sowie zwei anderen aus der Bande.« Ich spiele die Szene in meinem
Atelier-Laboratorium-Magazin nach und öffne also die oberen Falze
meines Kartons und lege mich gemütlich, mit angezogenen Knien, wie
es sich gehört, hinein. Ich, als meine Figur, nennen wir sie Dédé,
schließe das Faltdach über meinem Kopf und dichte das Innere
mit einem Klebeband ab, damit es nicht zieht. Er ist ein bisschen pedantisch,
unser Dédé.
»Wie begeht man ein perfektes Verbrechen?«, frage ich mich
in der Hitze, die in meinem absolut dunklen Karton herrscht – und
mit einem leichten Anflug von Klaustrophobie.
Die beiden Zeugen, total pleite, aber ehrenhaft,
beharren fest darauf: Niemand, absolut niemand, hat sich dem Kartonschloss
zwischen Mitternacht und zwei Uhr früh genähert.
Und das ist nicht alles! Es hat zu schneien
begonnen, als Dédé sich
in sein einzig bekanntes Zuhause eingeschlossen hat; in der ganzen Gegend
um die Brücke herum, hat der Schnee alle eventuellen Spuren bedeckt
und es hat exakt zehn Minuten nach zwölf zu schneien aufgehört.
»Ja, Herr Kommissar Navarro«, bestätigt die alte Irma
mit ihrem zahnlosen Mund, »niemand ist hier vorbeigekommen
... Und schauen Sie nur genau hin, es gibt nicht die kleinste Spur
in diesem verdammten Schnee!«
Der Schrothändler begnügt sich damit, dem Chef zuzustimmen.
Dédé war ein Kumpel, sein Freund ... Wer hat ihn umgebracht,
zum Teufel? Und wie hat man ihn umgebracht?
Zusammengekrümmt in meinem Palast versuche ich all die Fragen zu
beantworten, die ich mir stelle. Ich habe Erfahrung. Das ist für
gewöhnlich eine Sache von ein, zwei Stunden. Und dann stellt sich
das Wunder ein: Die Geschichte, unmöglich und doch rational, fügt
sich ganz von alleine in meinem Kopf zusammen. Und dann muss ich nur
noch meiner provisorischen Behausung entschlüpfen und mich an meinen
Text setzen, den ich praktisch fehlerfrei an einem Stück schreibe,
diese tausendste Geschichte, die meine zigtausend Leser schon voller
Ungeduld erwarten.
Es ist die Hölle in meinem Kerker aus Karton, die Atemnot versetzt
mich in Panik, meine Glieder fühlen sich an, als habe man sie mit
einem Hammer breit geschlagen, der Schweiß klebt in dicken Tropfen
an mir. Wie kann es so weit kommen, dass man gezwungen ist, unter solchen
Bedingungen zu leben – wenn man das Leben nennen kann –, die sogar noch
karger sind, als die von einem Krebs in seinem tragbaren Gehäuse.
Während ich als Starautor über jedweden Luxus verfüge
in diesem wunderschönen Palast, der mit tausend Extras ausgestattet
ist, um mich auf Rosen zu betten.
Meine Mahlzeiten kommen aus einem Drei-Sterne-Hotel.
Niemand kommt herein, ohne den Alarm auszulösen, auch nicht durch die Garage im Anbau,
wo Seite an Seite zwei Rolls – die alten Modelle, die, die ich so liebe,
die »Phantome« – und ein rot glänzender Ferrari warten.
Das Paradoxe ist, dass ich, um das Recht
zu haben, aus dieser Falle herauszukommen und mein Traumleben wieder
aufnehmen zu können, unbedingt
diesen unmöglichen Mord in einem verschlossenen Raum an einem Clochard
und Ex-Krösus, der vielleicht Dédé heißt, lösen
muss.
»Herr Kommissar«, beharrt Irma, »ich sage es Ihnen
nochmals, da war ein Schneehaufen am Anfang der Brücke ...«
»Das haben Sie schon gesagt«, seufzt Navarro. »Wie
kam es eigentlich dazu, dass Sie beide, der Schrothändler und
Sie, das Verbrechen entdeckt haben?«
»Das haben wir Ihnen doch schon erklärt«, sagt der
Schrothändler. »Aber wir erklären es gerne noch einmal.
Irma und ich haben uns unterhalten und eine geraucht, wir haben auch
leise gelacht, weil der Dédé so getan hat als könne
er nicht schlafen, aber aus seiner Villa hat man es laut schnarchen hören.« (Gelächter).
»Und das war es, was uns stutzig gemacht hat, Herr Kommissar.
Wie auf einen Schlag war überhaupt nichts mehr zu hören
...«
»Um wie viel Uhr war das?«
»Ich hab doch keine Uhr!«, regt sich der Schrothändler
auf. »Aber ich würde sagen es war so gegen zwei Uhr in der
Früh, so was um den Dreh. Was meinst Du, meine Alte?«
»Das kann gut sein.«
»Gut, gut! Es ist also fast zwei Uhr, niemand hat sich von der
Brücke aus genähert. In seinem Karton hört Dédé plötzlich
auf zu schnarchen und dann ...«
»Und dann«, macht Irma weiter, »haben
wir ganz automatisch einen Blick auf seinen Schlafwagen geworfen
... und was mussten wir sehen? ... was mussten wir sehen? ...«
Ja, was sieht man? Mein Körper, in bizarren Winkeln abgeknickt,
schmerzt überall, ich bekomme kaum Luft, es ist höchste
Zeit, aus dieser infernalischen Falle herauszukommen, um die 30.000
Zeichen zusammenzuschreiben, auf die alle warten. Was sieht man?
»Blut!«, Herr Kommissar ruft der Schrothändler entsetzt
aus. »Blut, eine große Lache Blut kam aus dem Karton heraus
und verteilte sich wie Tinte auf einem Löschpapier!«
Seltsam, die Sprache des Schrothändlers. Manchmal redet er wie
ein Penner (jedenfalls so weit ich mich erinnern kann) und manchmal benutzt
er ein richtig veraltetes Vokabular (Ich folgere daraus, dass der Schrothändler – bevor
ihn das Unglück traf – Repetitor in der Sorbonne war!).
Und da ist der Kommissar N. wie vom Donner
gerührt (abgegriffene
Vergleiche wirken immer am Besten): »Unglaublich! Er konnte sich
doch nicht selbst erstechen! Und der obere Deckel des Kartons war von
Innen mit Klebeband abgedichtet!«
Dass die Wunde im Bauch so gestaltet ist,
dass das Opfer sie sich nicht selbst hat beibringen können,
ist das eine. Das andere, dass die Waffe verschwunden ist.
»Das war ein Gespenst«, Herr Kommissar, »das das gemacht
hat. Dédé hat immer eine blühende Phantasie gehabt
und jetzt haben sich seine bösen Phantasien gerächt!«
Nein, nein und nochmals nein! André-Edmond Tyrel, ich wiederhole
es, ist der Meister der »unmöglichen« Rätsel, die
auf logische Weise geklärt werden. Es steht ganz außer Frage – im
Gegensatz zu manchen meiner Kollegen – in die flauen Abgründe der
sogenannten Poetik des Irrationalen hinabzusteigen, die jede Erklärung überflüssig
machen: Man erzählt irgendwas und schließt irgendwie.
»Nun, Herr Erzähler des Fantastischen, Ihre Geschichte hat
weder Hand noch Fuß ...«
»Sie, Geheimnisfabrikant, seien Sie nicht vulgär! Vermischen
wir nicht Äpfel mit Birnen«
Ich schreibe nicht in Großbuchstaben. Die Leserschaft – meine
Leser – verlangt nach subtilen und kartesianischen Überlegungen.
Keine Gespenster keine bösen oder idiotischen Geister, das will
ich nicht!
»Haltet's Maul, Ihr Kadaver.«
Werde ich oder werde ich nicht zum tausendsten
Mal DIE IDEE, DIE ERKLÄRUNG
(Großbuchstaben kommen auch immer gut), und zwar eine zusammenhängende,
homogene, durch die Tatsachen erhärtete finden, die mir endlich
erlaubt, diesem Gefängnis zu entfliehen, dessen verbrauchte und
dreckige Luft mir die Lungen zerreißen wird, wenn ich noch länger
hier drin bleiben muss.
... aber was geschieht? Wer flüstert da? Unterdrücktes Lachen?
Unmöglich! Niemand – ich habe es schon gesagt – niemand kann
in mein Atelier-Laboratorium-Speicher eindringen.
Also? Wer? Das Irrationale? Die Mächte, die ... welche ... usw.
des Schattens? Lächerlich. Das kann ich nicht glauben. Der Leser
(guter Krimis) auch nicht.
Es ist eine Verschwörung. Ich weiß nicht wie meine Kollegen
des Fantastischen die Mittel gefunden haben, mein Alarmsystem zu umgehen.
Sie wollen sich an meinen wichtigsten Werken rächen. Hinweg, ihr
Selbstverleger – kein Wortspiel!
Oh, dieser Dolchstoss des Unsichtbaren,
der mir das Herz zerreißt.
Die Unglückseligen! Wie haben sie es angestellt? Ich werde sterben,
eingeschlossen in meinem eigenen verschlossenen Raum. Hinter verschlossenen
Pforten für alle Ewigkeit. Das perfekte Verbrechen. Durchgeführt
von vorgeblichen Gespenstern, die in Wirklichkeit die hässliche
Fratze meiner neidischen Kollegen tragen. Schande über mich: Das
verzeiht mir mein Publikum nie.
André-Edmond Tyrel, der König
der Logik
ermordet von Gespenstern
an die er nicht glaubte.
Ich sterbe. Schwach und geschlagen. Wie eine Figur von Dostojewski.
***
»Ein armer Kerl«, erklärten die Obdachlosen den Polizisten,
die ihnen bestätigt hatten, dass der Verschiedene einer ihrer Genossen
war. »La Tire«, verstorben an einer Herzattacke, die zweifellos
durch die Polarkälte ausgelöst worden ist, die ihn in seinem
ungenügenden Pappkartonobdach gefangen gehalten hatte. Aber auch ein
tapferer Kerl. Wenn auch ein wenig verrückt. Hielt sich für einen
Krimischriftsteller. Kann schon sein. Es scheint, als sei er in den Fünfzigerjahren
einmal sehr bekannt gewesen.
