krimis in Europa
n°5 Mai-Juni-July 2006

 

 

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Bloody Foreigners
(Verdammte Ausländer)
Die besten Krimiübersetzungen

Oxford, 29 mars 2006

Sue Neale
Übersetzung: Alexander Ruoff

 

Die Büchertournee Bloody Foreigners wurde von den Verlagen Serpent's Tail, Bitter Lemon Press und Arcadia Books vor dem Hintergrund der Änderungen organisert, die die Crime Writers Organisation letzten Herbst hinsichtlich der Vergabe ihres Gold Dagger Preises vorgenommen hat. Sie wollten Krimis übersetzen, um auch sie für ihren Preis in Betracht ziehen zu können, und nicht nur anglophone Romane. Und dabei schrieben sie gleich einen neuen Preis in der Kategorie Bester Übersetzter Krimi aus. Dem Gewinner winken £ 5.000 und dem Übersetzer immerhin £ 1.000 - um die Bedeutung zu würdigen, die er zu diesem Werk beiträgt.

Die Tour hinterlässt ihre Spuren in ganz Großbritannien, sie startet von London aus und zieht über Oxford, Chelmsford, Bristol, Liverpool und Newcastle bis nach Norwich.

Die Veranstaltung in Oxford war eine der Schlussveranstaltungen des Oxforder Literaturfestivals, das seinen 10. Geburtstag mit einer wunderbaren Auswahl von Autoren in der großartigen Athmosphäre des Christ Church Colleges feierte. Drei Schriftsteller - Didier Daeninckx, Leonardo Padura und Louis Sanders - und zwei Übersetzer - Liz Heron und Peter Bush - kamen unter dem wachsamen Auge von Val McDermid zusammen und lasen kleine Auszüge aus ihren Arbeiten auf Französisch und Spanisch. Die Übersetzer lasen dann dieselben Passagen auf Englisch. Louis Sanders las aus seinem Werk selbst auf Englisch.

Val McDermid, eine bekannte britische Krimiautorin, stellte die drei Autoren vor und wies darauf hin, wie wichtig es sowohl für Autoren wie auch für die Leser ist, dass Krimis übersetzt werden. Auf Tagungen im Ausland trifft sie oft Schriftsteller, die ihr Werk kennen, aber sie kann das Kompliment nicht erwidern, weil sie die Bücher ihrer Kollegen im Original nicht lesen kann. Die Schuld dafür gibt sie der Zögerlichkeit der Herausgeber, sich der Qualität ausländischer Werke zu öffnen. Das hat sich allerdings in den letzten fünf Jahren geändert, vor allem da drei Gewinner des CWA Golden Daggers übersetzt worden sind - Arnaldur Indridason (aus dem Isländischen), Jose Carlos Samoza (aus dem Spanischen) und Henning Mankell (aus dem Schwedischen). Unter den anderen für den CWA Preis nominierten Autoren waren russische, französische und cubanische Schriftsteller. Val McDermid nahm den Vergleich von Boyd Tonkin über den Fussball und die Ausländer auf, die nach England kommen würden und sich als Lehrmeister aufspielten. Sie verwies darauf, dass die Unterschiede das britische Spiel befruchten und die Spieler zu größeren Leistungen antreiben und sie nicht etwa verdrängen. Krimis, so ihre These, sind die beste Möglichkeit für verständliche Übersetzungen, weil das menschliche Verhalten in diesem Bereich universal und unabhängig von sozialen Konventionen ist. Im besten Fall sind sie in der Lage, eine Antwort auf die Frage zu geben, wer und was wir eigentlich sind. Dazu kommt, dass der Krimi eine schier unendliche Zahl von Stilen und Perspektiven kennt, um diese Frage anzugehen - vom Bullen bis zum Killer, mit allen Grauschattierungen dazwischen. Kriminalliteratur ist Sozialgeschichte, sie ist fest verankert in einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Raum. Sie erklärt die Realität auf lebendigere Weise, als es nicht-fiktionale Schriften oder der Journalismus können. Val sagte, dass sie auf Reisen zu neuen Orten immer einen Krimi findet, der ihr einen wirklichen Einblick in die Lebensrealität dort verschafft. Und Daeninckx, Padura und Sanders beweisen die Qualität dessen, was nun zugänglich ist (Vielen Dank an Val McDermid für die Überlassung ihrer Notizen für diesen Text).

Val bat die Autoren zu erläutern, weshalb sie sich für das Genre des Krimis entschieden haben. Didier verwies auf die persönliche Erfahrung des Todes einer Freundin seiner Mutter auf einer Demonstration im Jahr 1962, die ihn dazu gebracht hat, die vergessenen Geschichten von Individuen in der Literatur zu bewahren. Würde man schweigen, wäre das gleichbedeutend mit der Schuld, die Wahrheit zu verschleiern. Anders Louis. Er lebt in der Dordogne, die heute von Briten überrannt wird, die nach einem neuen Leben suchen, das nichts als eine Wiedererschaffung ihrer Erinnerung an die 50er-Jahre ist. Und das ist ein Gegensatz zum ländlichen Frankreich, das im Sterben liegt - genau darin besteht der Konflikt. Sein Ziel ist es, Krimis zu schreiben, die Spaß machen und kein weiteres Ziel verfolgen. Leonardo lebt und arbeite auf Kuba: erst nach den Veränderungen in den 80er-Jahren konnte er daran denken, Krimis zu schreiben, die die Mächtigen kritisieren. Er riskiert einiges damit, hält es aber für notwendig.

 


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