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Bloody Foreigners
(Verdammte Ausländer)
Die
besten Krimiübersetzungen
Oxford, 29 mars
2006
Sue Neale
Übersetzung:
Alexander Ruoff
Die Büchertournee Bloody Foreigners wurde von den Verlagen Serpent's
Tail, Bitter Lemon Press und Arcadia Books vor dem Hintergrund der Änderungen
organisert, die die Crime Writers Organisation letzten Herbst hinsichtlich
der Vergabe ihres Gold Dagger Preises vorgenommen hat. Sie wollten
Krimis übersetzen, um auch sie für ihren Preis in Betracht
ziehen zu können, und nicht nur anglophone Romane. Und dabei schrieben
sie gleich einen neuen Preis in der Kategorie Bester Übersetzter
Krimi aus. Dem Gewinner winken £ 5.000 und dem Übersetzer
immerhin £ 1.000 - um die Bedeutung zu würdigen, die er
zu diesem Werk beiträgt.
Die Tour hinterlässt ihre Spuren in ganz Großbritannien,
sie startet von London aus und zieht über Oxford, Chelmsford,
Bristol, Liverpool und Newcastle bis nach Norwich.
Die Veranstaltung in Oxford war eine
der Schlussveranstaltungen des Oxforder Literaturfestivals, das
seinen 10. Geburtstag mit einer wunderbaren Auswahl von Autoren in
der großartigen Athmosphäre des Christ
Church Colleges feierte. Drei Schriftsteller - Didier Daeninckx, Leonardo
Padura und Louis Sanders - und zwei Übersetzer - Liz Heron und
Peter Bush - kamen unter dem wachsamen Auge von Val McDermid zusammen
und lasen kleine Auszüge aus ihren Arbeiten auf Französisch
und Spanisch. Die Übersetzer lasen dann dieselben Passagen auf
Englisch. Louis Sanders las aus seinem Werk selbst auf Englisch.
Val McDermid, eine bekannte britische
Krimiautorin, stellte die drei Autoren vor und wies darauf hin,
wie wichtig es sowohl für Autoren
wie auch für die Leser ist, dass Krimis übersetzt werden.
Auf Tagungen im Ausland trifft sie oft Schriftsteller, die ihr Werk
kennen, aber sie kann das Kompliment nicht erwidern, weil sie die Bücher
ihrer Kollegen im Original nicht lesen kann. Die Schuld dafür
gibt sie der Zögerlichkeit der Herausgeber, sich der Qualität
ausländischer Werke zu öffnen. Das hat sich allerdings in
den letzten fünf Jahren geändert, vor allem da drei Gewinner
des CWA Golden Daggers übersetzt worden sind - Arnaldur Indridason
(aus dem Isländischen), Jose Carlos Samoza (aus dem Spanischen)
und Henning Mankell (aus dem Schwedischen). Unter den anderen für
den CWA Preis nominierten Autoren waren russische, französische
und cubanische Schriftsteller. Val McDermid nahm den Vergleich von
Boyd Tonkin über den Fussball und die Ausländer auf, die
nach England kommen würden und sich als Lehrmeister aufspielten.
Sie verwies darauf, dass die Unterschiede das britische Spiel befruchten
und die Spieler zu größeren Leistungen antreiben und sie
nicht etwa verdrängen. Krimis, so ihre These, sind die beste Möglichkeit
für verständliche Übersetzungen, weil das menschliche
Verhalten in diesem Bereich universal und unabhängig von sozialen
Konventionen ist. Im besten Fall sind sie in der Lage, eine Antwort
auf die Frage zu geben, wer und was wir eigentlich sind. Dazu kommt,
dass der Krimi eine schier unendliche Zahl von Stilen und Perspektiven
kennt, um diese Frage anzugehen - vom Bullen bis zum Killer, mit allen
Grauschattierungen dazwischen. Kriminalliteratur ist Sozialgeschichte,
sie ist fest verankert in einer bestimmten Zeit und einem bestimmten
Raum. Sie erklärt die Realität auf lebendigere Weise, als
es nicht-fiktionale Schriften oder der Journalismus können. Val
sagte, dass sie auf Reisen zu neuen Orten immer einen Krimi findet,
der ihr einen wirklichen Einblick in die Lebensrealität dort verschafft.
Und Daeninckx, Padura und Sanders beweisen die Qualität dessen,
was nun zugänglich ist (Vielen Dank an Val McDermid für die Überlassung
ihrer Notizen für diesen Text).
Val bat die Autoren zu erläutern, weshalb sie sich für das
Genre des Krimis entschieden haben. Didier verwies auf die persönliche
Erfahrung des Todes einer Freundin seiner Mutter auf einer Demonstration
im Jahr 1962, die ihn dazu gebracht hat, die vergessenen Geschichten
von Individuen in der Literatur zu bewahren. Würde man schweigen,
wäre das gleichbedeutend mit der Schuld, die Wahrheit zu verschleiern.
Anders Louis. Er lebt in der Dordogne, die heute von Briten überrannt
wird, die nach einem neuen Leben suchen, das nichts als eine Wiedererschaffung
ihrer Erinnerung an die 50er-Jahre ist. Und das ist ein Gegensatz zum
ländlichen Frankreich, das im Sterben liegt - genau darin besteht
der Konflikt. Sein Ziel ist es, Krimis zu schreiben, die Spaß machen
und kein weiteres Ziel verfolgen. Leonardo lebt und arbeite auf Kuba:
erst nach den Veränderungen in den 80er-Jahren konnte er daran denken,
Krimis zu schreiben, die die Mächtigen kritisieren. Er riskiert
einiges damit, hält es aber für notwendig.