krimis in Europa
n°5 Mai-Juni-July 2006

 

 

Die moderne Polizei
und der europäische Citoyen

 

Lena Blaudez, Ein Polizist - ein Mensch in Uniform

Etienne Borgers, Hilfe! Die Polizei ist überall

Michael Koltan, Über die Langweiligkeit der Polizei

Simona Mammano, Carabinieri e Polizia

Klaus Viehmann, Gefahrenpotential Bulle

 


Ein Polizist - ein Mensch in Uniform

Lena Blaudez
Auteur des Romans Noirs et Journaliste, Berlin

Ein Mensch in Uniform, was ist das? So einer wie du und ich. Oder doch irgendwie anders?
Einfach nur ordentlich angezogen und ein wertvolles Mitglied einer gleichgekleideten Gruppe? Ein autoritäres Vollstreckungsorgan einer Macht? Oder ein garycoopermäßiger Held à la High Noon?
Anfang der 80iger in Berlin, Hauptstadt der DDR, forderte ein Mensch in Uniform (MiU): "Zeigen Sie mal Ihren Personalausweis! Aha! 0.30 Uhr und Sie laufen hier rum, obwohl Sie gar nicht hier wohnen. Das notier ich mir aber mal. Sie sind wohl auch so eine, die Schwerter zu Pflugscharen machen will, was?"
Mitte der 80iger an der ungarisch-juguslawischen Grenze forderte ein MiU: "Geben Sie doch lieber zu, dass Sie abhauen wollten! Was meinen Sie, wie sich das anfühlt, wenn ich meine Zigarette auf Ihrem Handgelenk ausdrücke?"
Anfang der 90iger in Lagos, Nigeria, forderte ein MiU mit MPi im Anschlag: "Give me money or you are dead!"
Mitte der 90iger in Cotonou, Benin, forderte ein MiU: "Aussteigen! Sie sind eine Einbahnstraße verkehrt herum gefahren, deshalb wird Ihr Wagen konfisziert. . Ok. 500 CFA und die Sache ist vergessen. Gehen wir einen trinken? Ich lad Sie ein."
Ende der 90iger in Berlin, Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, forderte ein MiU: "Absteigen! Fahrrad fahren auf dem Bürgersteig macht 20 Euro. . Nee, da ham Sie Recht: Ich selbst würd auf der Kaiser-Friedrich auch nicht mein Leben riskieren. Macht aber 20 Euro."
Was also ist ein Mensch in Uniform? So einer wie du und ich, ganz gleich. Oder doch irgendwie gleicher?


Hilfe! Die Polizei ist überall

Etienne Borgers
Übersetzung: Sarah Florence Gaebler

Der Kriminalroman nutzt und benutzt die Polizei...

Doch ursprünglich hat sich der Kriminalroman vor allem auf der Grundlage des privaten Ermittlers entwickelt, ob Amateur oder Profi, und war damit Erbe der Tradition der Abenteuergeschichten der Fortsetzungsromane des 19. Jahrhunderts, der sich in rätselhafte Intrigen stürzte. Wenig später schon war die Polizei dann bereits Teil des Ganzen, sie trat als Helfer des Privatermittlers auf, war in erster Linie aber auch Sinnbild für die Justiz und das Verhängen von Strafen für das Verbrechen. Man schaue nur auf Edgar Poe oder auf Conan Doyle mit seinen Sherlock-Holmes-Abenteuern, die als wichtige Phase in der angelsächsischen Tradition gelten dürfen.

Allenthalben auf der Suche nach Gleichgewicht und Normalität, lag das Bestreben der Kriminalromane der ersten Stunde in der Wiederherstellung von Ordnung und Normalität in einer Gesellschaft, die in der Darstellung urplötzlich der Unordnung des Verbrechens erlegen war. Beliebt war dabei die Bluttat, die schlimmste aller Grenzüberschreitungen, das Unhinnehmbare, dem gegenüber der Ermittler als Held auftritt und der darum kämpft, des Rätsels Lösung zu finden. Seine Suche und sein Kampf müssen letzten Endes dazu führen, dass Ordnung, Gleichgewicht und Anstand wiederhergestellt werden, in einer unveränderten Gesellschaft, die nur selten in ihren Grundfesten in jenem fiktionalen Text kritisiert wird, der aus diesen Geschichten entstand.

Im Verlauf der verschiedenen Entwicklungen und der Entstehung der Varianten im Kriminalroman kommen viele Autoren schließlich zu der Erkenntnis, dass jene, die alltäglich mit dem nicht Hinnehmbaren in Berührung kommen, in den Rängen der polizeilichen Institutionen arbeiten: in den Abteilungen der Mordermittlung. Und unweigerlich ist der zweite wiederkehrende Held, den der Kriminalroman im 20. Jahrhundert hervorbringt, derjenige, der im Herzen des Rechtssystems steht, der im Dienste der Polizei steht. Damit war der Weg zurück zu den Wurzeln des französischen Kriminalromans getan, in dem Polizisten und ihre offiziellen Ermittlungen im Herzen der Geschichte standen, von Vidocq bis Gaboriau. Zeitgenössisch natürlich und den Begebenheiten der Epoche des jeweiligen Autors angepasst. Diese Entwicklung führte schließlich zur meisterhaften Erschaffung der Figur des Kommissar Maigret durch Simenon, die vom Ende der 20er-Jahre an zur tragenden Person von knapp 80 Bänden wurde und deren Einfluss auf dieses Genre der Literatur von ungeheurem Ausmaß war.

Über verschiedene Wege wurde die Hauptfigur des Polizisten für den Kriminalroman unverzichtbar - ebenso im frankophonen wie auch im angelsächsischen Bereich.

Und doch hat die amerikanische Tradition einen Archetypen hervorgebracht, der im modernen Kriminalroman besonders fest verwurzelt ist: den Privatdetektiv. Er verkörpert den privaten Ermittlungsprofi, der sich in einer wesentlich realistischeren Welt durchschlägt, als es bis dato der Fall war. Eine Figur, die sich manchmal als Verfechter der Gerechtigkeit sieht und deren Taten nicht immer von Erfolg gekrönt sind. Das Leben spielt dem Privatdetektiv oft übel mit und die Gesellschaft akzeptiert er nicht immer so wie er sie vorfindet. Die amerikanische Tradition des Kriminalromans konzentriert sich schließlich auch auf die Rolle des Polizisten, sei es in den Thrillern, die Action und Ermittlungen miteinander verknüpfen, oder in den Romans Noirs . Der Übergang hin zum Protagonisten des Polizisten geht vor allem auch deshalb so schnell von statten, als der Mythos des amerikanischen Privatdetektivs vom Ende der 50er-Jahre an in allen Formen des Kriminalromans des Genre Noir bis hin zu den überzeichneten Parodien über die Maßen zum Einsatz kommt.

Zumal auch die meisterhafte Umsetzung dieser Figur im Film von den 40er-Jahren an nicht vergessen werden darf. Dort ist die Figur des "Privaten" direkt aus dem amerikanischen "hard boiled" Kriminalroman und dem Genre Noir übernommen und bringt die ersten Meisterwerke des Film Noir hervor - und die der überzogenen Darstellung des Mythos des Privatdetektivs.

Eines der wohl frappierendsten Beispiele für die Rückkehr des Polizisten als Protagonisten nach der Ära der Privatdetektive ist das Polizeirevier des 87. Bezirks von Mc Bain und seinen Polizisten, eine Saga, die 1956 ihren Lauf nimmt und bis heute anhält.

Zudem ist seit den 80er-Jahren der massive Einzug der Polizei in den angelsächsischen, vor allem jedoch in den amerikanischen Kriminalromanen zu beobachten. Doch von nun an wird ganz dick aufgetragen und es kommen Gerichtsmediziner, Spezialeinheiten gegen alles nur Erdenkliche (von der Anti-Drogen-Einheit bis hin zur Anti-Terror-Einheit), Polizisten der "Polizei aller Polizeien" (die berühmten "Internal Affairs"), Polizisten der Kriminalpolizei, Schutzeinheiten und all jene, die mir an dieser Stelle nicht einfallen mögen, zum Einsatz.

Auch nicht vergessen darf man den Einzug der wissenschaftlichen Abteilungen der verschiedenen Polizeidienste in den 90er-Jahren, als subtile Fortführung des Gerichtsmediziners, der ebenfalls auf dem besten Wege war, in der Kriminalliteratur über die Maßen eingesetzt zu werden. Von da an sind es die wissenschaftlichen Spezialisten, die bevorzugt als Schlüsselpersonen in den Intrigen auftauchen und zu des Rätsels Lösung beitragen.

Eines muss man sich sehr deutlich vor Augen halten: Zum Ende des 20. Jahrhunderts und zu Beginn des 21. hat der Kriminalroman geradezu eine Invasion der Polizei erlebt.

Dabei dürfen auch nicht die Polizeiserien im Fernsehen außer Acht gelassen werden. Auch dort ist der Zuwachs enorm, zumal die Serien im äußerst populären Medium Fernsehen heute die flächendeckende Verbreitung übernommen haben, die die Genreliteratur, die auch Kriminalromane umfasste, einst im 20. Jahrhundert bis in die 70er-Jahre hinein übernahm. Die in Polizeiserien gezeigten Polizeidetektive, Kommissare, Streifenpolizisten und die Fachleute der wissenschaftlichen Einheiten sind dort seit den 80er-Jahren auf dem Vormarsch. Und so sind sie heute in den französischen, englischen und amerikanischen Fernsehprogrammen allgegenwärtig und keiner entkommt ihnen mehr.

Selbst wenn bei all der Vielfalt von Romanen und Fernsehserien, die den Polizisten als Hauptfigur verwenden, auch Autoren zu finden sind, die diesen amtlichen Helden der modernen Gesellschaft in finstere, so manch einmal gar düstere Gefilde dringen lassen, kommt man nicht umhin zu erkennen, dass uns in der Großzahl der Geschichten, die man uns erzählt, die Figur des Friedensstifters des Beginns des Rätselromans wieder aufgetischt wird. Nun jedoch in der Haut eines Polizisten, so dass der Eindruck der Suche nach Normalität und Gleichgewicht in der modernen Gesellschaft verstärkt wird, und dies mittels einer Figur, die den offiziellen und verbrieften Auftrag dazu erhalten hat.

Weshalb? Sucht die Gesellschaft, in der wir heute leben, so sehr nach Bestätigung, dass es notwendig ist, das beruhigende Bild einer paternalistischen und repressiven Macht zu zeichnen, die der Polizist in der Fiktion verkörpert? Handelt es sich um den Ansatz einer Beruhigung, die ein Publikum einfordert und die es allem Anschein nach nicht in sich selbst zu finden vermag? Ist das der Exorzismus der eigenen Dämonen? Derjenigen der Gesellschaft?

Andererseits ist das Mysterium - und die Suche nach einer Erklärung dafür - eines der Hauptbestandteile der menschlichen Psyche, ein Urbedürfnis, das den Wurzeln der Menschheit entspringt, ein verzerrtes Bild der existenziellen Fragen, die in unserem Inneren verborgen liegen. Es ist ein Mysterium, das bewegt, das der Ursprung der wissenschaftlichen Neugier ist, des Aberglaubens, der Religionen . und des Kriminalromans im Allgemeinen.

Das Mysterium, das vom Magier interpretiert und gelöst werden kann. Wie die beliebten wissenschaftlichen Ermittler, die mit der Magie hantieren, verfügen auch sie über ein ihrer Kaste vorbehaltenes Wissen, das dem Normalsterblichen verborgen bleibt. Die Ermittler wissen das Mysterium anhand der Magie zu erklären und so finden sie auch den Weg aus der Krise. Vom Leser, bzw. dem Zuschauer, fordert man lediglich eins: all dem Glauben zu schenken. Die Entspannung ist schließlich die Belohnung.

Gleichzeitig ist die Polizei, die uns im Alltäglichen umgibt, bemüht, sich modern zu geben, ohne dass an dieser Stelle wirklich klar ist, wie man dieses Charakteristikum zu werten hat. Zweifelsohne gibt es eine Polizei, die - wie auch schon in der Vergangenheit - dazu angehalten ist, dem Bürger ihre Dienste direkt zu erweisen, indem sie ihm Schutz bietet und zur Hilfe eilt.

Der Straßenverkehr ist zweifelsohne der Bereich, in dem sich diese Fähigkeit am Besten offenbaren lässt: unmittelbar im Dienste des Bürgers. In anderen Bereichen, in denen die Polizei tätig ist, hingegen bleiben ihre Rolle wie auch ihre Ziele höchst diffus und zufallsbedingt. Die Staatsmacht jedoch, egal in welcher Form, ist nach wie vor die treibende Kraft hinter der bewaffneten Hand der Polizei, eine politische Macht, die jederzeit bereit ist, die Waffen gegen jene zu erheben, die sie eigentlich zu beschützen hat. Diese "moderne" Polizei hat sich nur modern zeigen können, um den Bürger besser kontrollieren zu können, ihn besser im Zaum zu halten und um die Supervermögenden und die Machthaber besser zu beschützen. Wie schon in der Vergangenheit . Es verändert sich nicht viel.

Außer dass die Moderne der politischen Macht erlaubt, den schwachen Geschöpfen der Gesellschaft nach Belieben systematisch und zynisch zugleich über immer weniger unabhängige Massenmedien eine Heidenangst einzujagen und sie dazu zu bringen, einer blökenden Viehherde gleich, noch mehr "moderne" Kontrollmechanismen einzufordern, denen sie schließlich als erste zum Opfer fallen werden. Mit dem polizeilichen Übereifer als Hintergrund.

Mit üblen Machenschaften und ohne wirklich Verantwortung in grundlegenden Fragen zu übernehmen, lebt diese Polizei in Europa im Elan ihrer großartigen Tradition des Klüngels mit dem "Homo politicus".

Wenn es jedoch darum geht, die wichtigsten Protagonisten aufzulisten, dürfen wir nicht die Psychologen aller Art vergessen, Helfershelfer, die der Justiz und den Technokraten zur Seite stehen. Es sind Psychologen, die heute den so genannten Kriminalroman völlig in Beschlag genommen haben . wenn es einmal nicht die Gerichtssäle der Justiz im wirklichen Leben sind.

Sie sind es, die ebenfalls als Prediger einer falschen Wissenschaft einen religiösen Status in unseren modernen Zeiten erlangt haben, diese Psychologen, die zu Komplizen aller denkbaren Medienmanipulationen geworden sind, die versteckte Unterstützer der Werbung, der Fernsehmedien und ... der Darstellung vom Politischen für den Wähler sind. Sie sind allgegenwärtig, und auch sie sind zu Magiern der heutigen Kriminalliteratur geworden. Schauen Sie sich doch nur ihre Thriller und die geläufigen Bestseller an.

Und wir sind noch nicht am Ende, denn schon bald wird man sie massiv herbeirufen. Erst kürzlich hat man "entdeckt", dass die Stigmata des Verbrechers bereits im Alter von drei Jahren nachweisbar sind. Ich gehe davon aus, dass man schon bald wieder Schädel und die Länge der Nasen vermessen wird, nebst magischen Tests, die dazu dienen sollen, den Geist zu messen. Schöne Zeiten, die da auf uns zukommen . Das Bündnis zwischen dem Magier und Pinocchio. In der Wirklichkeit wie in der Krimi-Fiktion. In unserem alltäglichen Leben .

Der Verkehrspolizist möge mir verzeihen, doch ich erkenne nicht die dem Bürger nahe stehende Polizei, auf die die politische Propaganda so viel Wert legt. In Thrillern und den traditionellen modernen Kriminalromanen hingegen ist sie allgegenwärtig . Dort begegnet man überall Polizisten!

Die Hochliteratur, die vor über 50 Jahren ihren Posten aufgab, nimmt sich nicht mehr der wahren Probleme der Gesellschaft an und ist auch keine Hilfe. Es ist in diesem Sinne dringend geboten, sich auf den Roman Noir zu besinnen, der häufig sehr pessimistisch daherkommt, der jedoch das einzige Genre gewesen zu sein scheint, das Themen wie Korruption, polizeiliche Verfehlungen und den wahren Kampf gegen das Böse und den Mord mit Weitblick betrachtet hat.

Der Roman Noir wird das einzige Heilmittel gegen den Polizeivirus und das autoritäre Fieber sein, der letzte Schutzwall angesichts der Sicherheitspandemie, die zu verbreiten den Hexenlehrlingen so sehr gefällt. Jene Hexenlehrlinge, die - ganz oben an der Macht - beanspruchen, unsere Führer und Beschützer zu sein. Und uns regieren.


Über die Langweiligkeit der Polizei

Michael koltan
Fribourg, Philosoph und Musiker

Eigentlich ist es seltsam: So gut wie nie wird in der Literatur über den Kriminalroman darüber theoretisiert, daß in der Regel nicht zwei, sondern eigentlich drei Parteien involviert sind: Der Täter, der Ermittler und die Polizei. Daß die Polizei so selten als eigene Partei erkannt wird, liegt an der Verachtung, die sie sich von vornherein zugezogen hat: "Der vielgerühmte Scharfsinn der Pariser Polizei ist nur Schlauheit, weiter nichts." räsonniert Dupin in Poes Doppelmord in der Rue Morgue. "Die erreichten Erfolge sind ja zuweilen überraschend groß, doch verdankt sie dieselben meist nur ihrem Fleiß und ihrer Rührigkeit. Wo diese beiden Eigenschaften nicht ausreichen, mißlingen alle ihre Anstrengungen." Polizisten sind im klassischen Detektivroman nichts als langweilige Beamte, die, vor tatsächliche Probleme gestellt, schon aus Prinzip scheitern und einen genialen Detektiv zu Rate ziehen müssen.

Der Übergang zum hardboiled-Roman verbesserte die Situation nicht: Lauteten die Anklagepunkte bislang nur Unfähigkeit und Langweiligkeit, werden sie nun durch Brutalität und Korruption ersetzt. Die cops werden nun zu Gegenspielern des private eye, die dessen Ermittlungen vor allem behindern. Dieses Schema wird dann bei James Ellroy in seiner LA-Trilogie so weit ausgereizt, daß es nur noch cops in unterschiedlichen Graden der Verkommenheit gibt, während die Identifikationsgestalt des Privatdetektivs, der Platzhalter des Lesers, völlig fehlt.

Merkwürdigerweise gibt es allerdings auch eine Schule des Kriminalromans, der gerade die Langweiligkeit des Polizisten glorifiziert. Als Erfinder dieser rezeptfreien Variante eines nebenwirkungsfreien Schlafmittels gilt der Belgier Georges Simenon mit seinem Kommissar Maigret; doch was lange Zeit als rein belgische Marotte galt, feiert in jüngster Zeit unerklärliche Verkaufserfolge. Das fängt bei Mankell an und hört noch nicht einmal bei Donna Leons unsäglichem Kommissar Bruschetta auf. Was allerdings die Attraktivität dieser Romane ausmacht, so wird mir diese ebenso verborgen bleiben wie die der Musik von Peter Gabriel oder Filmen mit Robin Williams.


Carabinieri e Polizia

Simona Mammano
Übersetzung: Dieter Hartmann

Simona Mammano, geboren in Bologna, studierte Philosophie und schrieb ihre Abschlussarbeit zum Thema der Autonarration. Sie ist bei der Staatspolizei beschäftigt und arbeitet mit der Anti-Mafia-Bezirksdirektion der Staatsanwaltschaft von Bologna zusammen. Sie ist Mitglied der Provinz-Direktion der Polizei-Gewerkschaft Siulp in Bologna, für die sie seit 1997 den Franco-Fedeli-Literaturpreis für den besten italienischen Polizei-Roman betreut. Für die Gewerkschaft Siulp ist sie als Kooperationspartnerin am Workshop für Kommunikation der Juristischen Fakultät der Universität von Urbino beteiligt. Außerdem berät sie einige italienische Schriftsteller. Für die Monatszeitschrift Polizia e Democrazia schreibt sie Artikel zu aktuellen Themen und hat dort auch eine Literatur-Rubrik unter dem Namen L'angolo del giallo ("Krimi-Ecke"). Weiterhin arbeitet sie für Thriller Magazine (www.thrillermagazine.it) sowie für die von Renzo Cremante und Loriano Macchiavelli gegründete Vierteljahresschrift Delitti di Carta , für die sie die Rubrik Procedure betreut.

Ich habe mich immer gefragt, welchen Nutzen die Leute eigentlich darin sehen, dass wir zwei verschiedene Polizeien haben: die Carabinieri und die Polizia. Es gibt auch noch die Finanzpolizei der Guardia di Finanza, aber die hat zum Glück andere Aufgaben. Doch was meine ich genau mit "die Leute"? Für uns in Uniform ist es die nicht weiter differenzierte Masse an Menschen, die nicht den Ordnungskräften angehören: "die Zivilisten", "die Bürger", wie sie definiert werden. In gewissem Sinne wird die Welt mittels einer klaren Trennlinie in "wir" und "sie" geteilt.

Doch wer sind "wir", jene Kategorie, die sich selbst in klarer Abgrenzung von den Anderen definiert? Aus der Abgrenzung resultiert eine Verschiedenheit von den Anderen. Warum fühlen nicht auch wir uns als Bürger? Prägt uns die Arroganz der Macht, die wir zu besitzen glauben, so sehr, dass wir zu den anderen nicht dazugehören wollen?

Es gibt jedoch ein weiteres Problem, das unsere Arbeit zusätzlich erschwert: Es ist nicht

wie das zuvor erwähnte interner Natur, sondern praktischer, und es kann zu Unverständnis zwischen uns und den Bürgern führen. Es handelt sich um Folgendes: Im Inneren dieses "wir" gibt es eine weitere Spaltung in ein "Wir, die Polizei" und ein "Wir, die Carabinieri". Obwohl wir die gleichen Sicherheits- und Ermittlungs-Aufgaben haben, oder gerade deswegen, agieren wir in Konkurrenz zueinander, was bedeutet, dass das eine "wir" infolge einer Art Schizophrenie nicht weiß, was das andere "wir" macht. Menschen und Ausrüstung (die immer zu knapp sind) werden parallel eingesetzt, ohne dass die einen über die Informationen verfügen könnten, die die anderen bei ihren Ermittlungen gewonnen haben.

Um, was ansonsten undenkbar wäre, doch zu einer Form der Zusammenarbeit zu gelangen, ist man in meiner Stadt dazu übergegangen, das Terrain in Einsatzzonen aufzuteilen, in denen nach einem genau festgelegten Plan, den aber die meisten Leute natürlich nicht kennen, abwechselnd entweder die Polizei oder die Carabinieri zuständig sind. Wenn der Bürger also die Notrufnummer 113 wählt, erhält er von der Telefonzentrale die Antwort: "Heute sind die Carabinieri für diese Straße zuständig, sie müssen mit denen sprechen. Soll ich Sie durchstellen?" Es ist äußerst verwirrend.

Zwar ist es offensichtlich notwendig, um die Zuständigkeit der Einsatzkräfte für die verschiedenen Gebiete zu optimieren, aber wie funktionieren dann die Ermittlungen? Jeder arbeitet nur für sich.

Mit einer Metapher könnte man sagen, dass es wie ein Konkurrenzverhältnis zwischen zwei streitenden Brüdern ist, bei dem der Vater die Aufgabe hat, darauf zu achten, dass zumindest gewisse Spielregeln eingehalten werden. Diese undankbare Aufgabe fällt hier dem Ermittlungsrichter zu, der in einem permanenten Drahtseilakt mit größtem diplomatischen Geschick ständig das Gleichgewicht halten muss.

Das Ganze gerät so zu einem ewigen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden "wir".

Doch was haben "sie", die Zivilisten, die Bürger, von dem Wettkampf? Sie können sich, wie in einem Rugby-Match, über den aktuellen Spielstand auf dem Laufenden halten, oder sie können anfangen, sich ernsthaft zu fragen, was denn der Nutzen dieser Verschwendung sei. Und eine Antwort fordern.


Gefahrenpotential Bulle

Klaus Viehmann (Berlin)

Praktischer Tierarzt, Heft 81.
Summary:
Der Umgang mit freilaufenden Bullen birgt vor allem dann ein Gefahrenpotential, wenn deren Verhalten nicht richtig eingeschätzt wird.
Verhaltensbeobachtungen machen klar, dass Bullen mit zunehmenden Alter immer weniger bereit sind, Zugriffe (...) zu tolerieren und überhaupt wenig Neigung haben, sich unterzuordnen. Sie zeigen das mit klaren Zeichen sozialer Stärke(Breitseits stellen, Zungenausstrecken, Speichelfluss, Röhren usw.), deren Missachtung durch den Menschen das Konfliktpotential ansteigen lässt. Es werden praktische Hinweise gegeben, um die Gefahr einer ernsten und folgenschweren Attacke durch Bullen auf der Weide, im Laufstall und beim Umgang zu reduzieren.
Besonderes Gewicht wird darauf gelegt, dass durch eine frühzeitige positive Ausgestaltung des Tier-Mensch-Verhältnisses ein wichtiger Beitrag zur Handhabbarkeit von Bullen geleistet werden kann.

Schlüsselworter: Verhalten, Gefahrenpotential, Bulle.

 


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