le polar européen en ligne de mire

n°6 Août-Septembre-Octobre 2006

 

 

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Alger la Noire
(Algier, die schwarze Stadt)

Maurice Attia

Babel Noir • 2006 384 p

Jacques Lerognon
Übersetzung: Elfriede Müller

 

Paco Martinez ermittelt mit seinem Kollegen Maurice Choukroun in einem Doppelmord, der sich am Strand von Algier ereignet hat. Kinder entdeckten die nackten Leichen von Estelle und Mouloud. Moulouds Körper ist verstümmelt und mit einem Messer wurde ihm die Inschrift "OAS" auf den Rücken geritzt. Alles scheint darauf hinzuweisen, dass es sich um einen rassistischen Mord handelt, der von einer Fraktion dieser reaktionären Gruppierung begangen wurde. Aber Martinez lässt sich nicht täuschen, er konzentriert seine Ermittlungen zunächst auf die Familie des jungen Mädchens.

Die Untersuchung wäre Routine, wenn sie nicht in Algier zwischen Januar und Juni '62 stattfände, in den letzten bewegten Tagen dieses französischen Algeriens, in dem der Inspektor versucht den Schuldigen zu finden. Er schlägt sich inmitten von Schusswechseln und Bombenattentaten durch die Stadt. Als sein Kollege wegen angeblichen Verrats von der OAS ermordet wird, macht er dennoch weiter, nun unterstützt von seiner Geliebten Irène. Der anziehende Martinez hat noch eine andere Frau in seinem Leben, seine spanische Großmutter, ein Republikflüchtling des Spanischen Bürgerkriegs. Sie zog ihn auf und erlebt nun ihre letzten Tage.

Der Icherzähler Martinez ist ein kultivierter Mensch, er bezieht sich häufig auf den Film noir (Hawks, Hitchcock, von Sternberg ...) oder auf seine Lektüre (Camus, Hugo...), um Situationen zu beschreiben, die er erlebt hat. Aber manchmal erzählen auch Choukron, Irène und selbst die fast debil gewordene Großmutter in der ersten Person und liefern eine leicht veränderte Version dessen, was der Inspektor schildert. Auch die Musik hat Bedeutung in diesem Roman, genau wie italienische, arabische oder spanische Begriffe, die sich durch die Dialoge ziehen, denn genauso sprach man damals vor Ort.

Eine dunkle Geschichte, einfach und fesselnd, erzählt aus dem inneren Kreis, die die Leser direkt ins Herz trifft. Ein Polar, der ein neues Licht wirft auf diesen Schlamassel, die Endphase des OAS-Terrors in Algerien, und der feindliche Reaktionen hervorrufen kann, so lange diese Geschichte unaufgearbeitet bleibt.

Organisation de l'Armée Secrète: Algerierfranzosen, die sich nicht mit der Unabhängigkeit Algeriens abfinden wollten, terrorisierten die Zivilbevölkerung in Algerien und in Frankreich.


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