In
der Antologie Crímenes Contados - Erzählte
Verbrechen sind
verschiedene Kriminalgeschichten zusammengestellt, die sich durch
ihre Heterogenität, Authentizität und Unterhaltsamkeit
auszeichnen. Allesamt wurden standesgemäß von Fernando
Martínez Laínez, dem produktivsten noir- Autor
Spaniens, ausgesucht und zusammengestellt.
Als Einstieg führt Martínez Laínez den Leser
an das Genre heran, indem er in einem historischen Abriß die
Entwicklung der Figur des Privatdetektivs im Lauf des Jahrhunderts
und sein Milieu skizziert. Durch diese Eingangsbetrachtung schafft
Laínez eine Verbindung vom Mythos des amerikanischen Ermittlers
zu all jenen literarischen Figuren, die Mitte der 70iger Jahre in
Spanien in Erscheinung traten. Unter ihnen jene, die von Manuel Vázquez
Montalbán, Francisco González Ledesma, Andreu Martín
oder Martínez Laínez selbst erschaffen worden. Sie
sind spanische Fortschreibungen vom Bild der amerikanischen Stadt
zu Beginn des 20. Jahrhunderts, jener Stadt der Krise und der verfallenden
Wertvorstellungen.
In diesem Rahmen werden in der Antologie
13 Erzählungen vorgestellt,
die verschiedenen Krimigenerationen angehören; zuerst die, mit
den altgedienten Protagonisten wie die Aberteuer Méndez '
von González Ledesma, die Gaunergeschichten von Juan Madrid
oder die immer verstörenden Erzählungen Andreu Martíns.
Um das hervorragende Ensemble zu komplettieren, folgen echte literarische
Leckerbissen wie die Aberteuer des Buenaventura Pals von
Manuel Quinto oder die des Comisario Torrecilla von Rafael
Reig und nicht zu vergessen die immer reizvollen Auftritte von Petra
Delicado aus der Feder von Alicia Giménez Bartlett.
Crímenes Contados vereint
im Wesentlichen einige neue Ideen: unter ihnen der Versuch, die Kriminalerzählung
als solche zu verbreiten, ein Subgenre das, obwohl es seit der Entstehung
des Genres eine wichtige Rolle spielt, sich in Spanien nur langsam
durchsetzten kann. Außerdem verdienen die 13 Erzählungen
auch innerhalb des Genres Interesse und Nachahmung: zuerst, weil es
ihnen gelingt jene finale Überraschung zu bieten, die der Leser
von Kriminalromanen so schätzt, außerdem für ihre erzählerische
Qualität
und ihre realistische Sprache, die jede der Erzählungen auszeichnet.
Damit nicht genug; auf keinen Fall darf man die Darstellung der marginalisierten,
nächtlichen Szenarien der Erzählungen sowie die Fokussierung
auf den Verbrecher und seinen Verfolger übergehen, allesamt Elemente,
die für diese Literaturform so charakteristisch sind und die verschiedenen
Spielarten des Krimis so verführerisch machen. Aus all diesen
Gründen müssen wir uns bei Lainez für seine Auswahl
und bei seinem Verlag Menoscuarto bedanken und hoffen, dass diese
Initiative bald mit einer neuen Antologie erzählter Verbrechen wieder
aufgegriffen wird.
