krimis in Europa
n°6 August-September-Oktober 2006

 

 

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Kriminalgeschichten

Crímenes Contados
(Antología del relato negro español)

Fernando Martínez Laínez

Ediciones Menoscuarto • Abril 2006 • 266 páginas

Àlex Martín Escribà
Übersetzung: Claudia Manthey

 

In der Antologie Crímenes Contados - Erzählte Verbrechen sind verschiedene Kriminalgeschichten zusammengestellt, die sich durch ihre Heterogenität, Authentizität und Unterhaltsamkeit auszeichnen. Allesamt wurden standesgemäß von Fernando Martínez Laínez, dem produktivsten noir- Autor Spaniens, ausgesucht und zusammengestellt.

Als Einstieg führt Martínez Laínez den Leser an das Genre heran, indem er in einem historischen Abriß die Entwicklung der Figur des Privatdetektivs im Lauf des Jahrhunderts und sein Milieu skizziert. Durch diese Eingangsbetrachtung schafft Laínez eine Verbindung vom Mythos des amerikanischen Ermittlers zu all jenen literarischen Figuren, die Mitte der 70iger Jahre in Spanien in Erscheinung traten. Unter ihnen jene, die von Manuel Vázquez Montalbán, Francisco González Ledesma, Andreu Martín oder Martínez Laínez selbst erschaffen worden. Sie sind spanische Fortschreibungen vom Bild der amerikanischen Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts, jener Stadt der Krise und der verfallenden Wertvorstellungen.

In diesem Rahmen werden in der Antologie 13 Erzählungen vorgestellt, die verschiedenen Krimigenerationen angehören; zuerst die, mit den altgedienten Protagonisten wie die Aberteuer Méndez ' von González Ledesma, die Gaunergeschichten von Juan Madrid oder die immer verstörenden Erzählungen Andreu Martíns. Um das hervorragende Ensemble zu komplettieren, folgen echte literarische Leckerbissen wie die Aberteuer des Buenaventura Pals von Manuel Quinto oder die des Comisario Torrecilla von Rafael Reig und nicht zu vergessen die immer reizvollen Auftritte von Petra Delicado aus der Feder von Alicia Giménez Bartlett.

Crímenes Contados vereint im Wesentlichen einige neue Ideen: unter ihnen der Versuch, die Kriminalerzählung als solche zu verbreiten, ein Subgenre das, obwohl es seit der Entstehung des Genres eine wichtige Rolle spielt, sich in Spanien nur langsam durchsetzten kann. Außerdem verdienen die 13 Erzählungen auch innerhalb des Genres Interesse und Nachahmung: zuerst, weil es ihnen gelingt jene finale Überraschung zu bieten, die der Leser von Kriminalromanen so schätzt, außerdem für ihre erzählerische Qualität und ihre realistische Sprache, die jede der Erzählungen auszeichnet. Damit nicht genug; auf keinen Fall darf man die Darstellung der marginalisierten, nächtlichen Szenarien der Erzählungen sowie die Fokussierung auf den Verbrecher und seinen Verfolger übergehen, allesamt Elemente, die für diese Literaturform so charakteristisch sind und die verschiedenen Spielarten des Krimis so verführerisch machen. Aus all diesen Gründen müssen wir uns bei Lainez für seine Auswahl und bei seinem Verlag Menoscuarto bedanken und hoffen, dass diese Initiative bald mit einer neuen Antologie erzählter Verbrechen wieder aufgegriffen wird.

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