krimis in Europa
n°6 August-September-Oktober 2006

 

 

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La balade des épavistes
(Die Ballade der Wrackanten)

Luc Baranger

ALIRE/Québec • 2006 303 z.

Jacques Lerognon
Übersetzung: Sarah Florence Gaebler

 

Der ehemalige Rockmusik-Kritiker Clovis Reynolds hat sein Metier gewechselt und steht beim Schrotthändler Max Rentchler in der französischen Provinz (in der Region Maine et Loire) in Lohn und Brot. Eine düstere Atomsphäre beherrscht das Bild, zumal Max nicht über den Tod seiner Frau Consuela hinwegkommt, während bei Clovis das schlechte Gewissen an ihm nagt, für die Einweisung seiner Tochter Lucy verantwortlich zu sein. Als dann erst die Hunde der beiden Schrotthändler erschlagen aufgefunden werden und schließlich der neue Lehrling Mahmoud auch noch entführt wird, drängt Clovis Max, ihm die Wahrheit zu sagen. Einige Wochen zuvor hatte dieser ein Drogenpaket in einem Autowrack gefunden und es an sich genommen. Und nun ist der eigentliche Adressat des Pakets auf der Suche und versucht, mit allen Mitteln in seinen Besitz zu gelangen. So beschließen die beiden "Wrackanten", ihre Probleme selbst in die Hand zu nehmen, denn letztlich gibt es in ihrer Einsamkeit nichts mehr, wovor sie sich fürchten könnten; Clovis sagt an einer Stelle: "Weißt Du Max, es ist schon hart, sich noch zu Lebzeiten eingestehen zu müssen, dass man eigentlich bereits tot ist." Doch ein ehemaliger Journalist und ein Schrotthändler sind nicht gerade das Traumduo, um einen Entführungsfall zu lösen und dem Drogenhandel auf die Spur zu kommen. Damit ist ein eher chaotisches Ende auch schon vorprogrammiert.

Der Leser kommt den Personen schnell nahe. Da ist einerseits der alte, miesepetrige Zigeuner Max, Überlebender eines Vernichtungslagers und andererseits Clovis, der Journalist, dem mittlerweile alles im Leben egal ist. Die Erzählung lebt von der Freundschaft und der mürrischen Zärtlichkeit, die diese beiden verbindet, und die ihr etwas sehr menschliches verleiht. Die regnerische und graue Atomsphäre der westlichen französischen Provinz unterstreicht das Düstere dieser Ballade.

Das Werk ist zweifelsohne weniger rockig als seine Vorgänger. Der Autor schlägt in seinem neuen Buch einen bluesigeren Ton an. Ein Blues, dessen Gitarrenriffe die Stille der Nacht zerreißen. Luc Baranger nutzt im Laufe der Geschichte immer wieder die Gelegenheit, dem Leser den idealen Soundtrack für die Lektüre des Romans mitzuliefern.

PS: Neben anderen Veröffentlichungen hat Luc Baranger die erste Episode des Clovis Reynolds unter dem Titel "Backstage" 2001 beim Verlag Baleine veröffentlicht. Darüber hinaus ist er (unter anderem) der Übersetzer des unbeschreiblichen Christopher Moore.

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