Der ehemalige Rockmusik-Kritiker
Clovis Reynolds hat sein Metier gewechselt und steht beim Schrotthändler Max Rentchler in der
französischen Provinz (in der Region Maine et Loire) in Lohn
und Brot. Eine düstere Atomsphäre beherrscht das Bild,
zumal Max nicht über den Tod seiner Frau Consuela hinwegkommt,
während bei Clovis das schlechte Gewissen an ihm nagt, für
die Einweisung seiner Tochter Lucy verantwortlich zu sein. Als dann
erst die Hunde der beiden Schrotthändler erschlagen aufgefunden
werden und schließlich der neue Lehrling Mahmoud auch noch
entführt wird, drängt Clovis Max, ihm die Wahrheit zu sagen.
Einige Wochen zuvor hatte dieser ein Drogenpaket in einem Autowrack
gefunden und es an sich genommen. Und nun ist der eigentliche Adressat
des Pakets auf der Suche und versucht, mit allen Mitteln in seinen
Besitz zu gelangen. So beschließen die beiden "Wrackanten",
ihre Probleme selbst in die Hand zu nehmen, denn letztlich gibt es
in ihrer Einsamkeit nichts mehr, wovor sie sich fürchten könnten;
Clovis sagt an einer Stelle: "Weißt Du Max, es ist schon hart,
sich noch zu Lebzeiten eingestehen zu müssen, dass man eigentlich
bereits tot ist." Doch ein ehemaliger Journalist und ein Schrotthändler
sind nicht gerade das Traumduo, um einen Entführungsfall zu
lösen und dem Drogenhandel auf die Spur zu kommen. Damit ist
ein eher chaotisches Ende auch schon vorprogrammiert.
Der Leser kommt den
Personen schnell nahe. Da ist einerseits der alte, miesepetrige
Zigeuner Max, Überlebender eines Vernichtungslagers
und andererseits Clovis, der Journalist, dem mittlerweile alles im
Leben egal ist. Die Erzählung lebt von der Freundschaft und
der mürrischen Zärtlichkeit, die diese beiden verbindet,
und die ihr etwas sehr menschliches verleiht. Die regnerische und
graue Atomsphäre der westlichen französischen Provinz unterstreicht
das Düstere dieser Ballade.
Das Werk ist zweifelsohne
weniger rockig als seine Vorgänger.
Der Autor schlägt in seinem neuen Buch einen bluesigeren Ton
an. Ein Blues, dessen Gitarrenriffe die Stille der Nacht zerreißen.
Luc Baranger nutzt im Laufe der Geschichte immer wieder die Gelegenheit,
dem Leser den idealen Soundtrack für die Lektüre des Romans
mitzuliefern.
PS: Neben anderen
Veröffentlichungen hat Luc Baranger die erste
Episode des Clovis Reynolds unter dem Titel "Backstage" 2001 beim
Verlag Baleine veröffentlicht. Darüber hinaus ist er (unter
anderem) der Übersetzer des unbeschreiblichen Christopher Moore.