Das Erscheinen von Ma
cavale (Meine
Flucht) liefert
neue Informationen über eine Angelegenheit, die die französischen
Zeitungskolumnen seit zwei Jahren beschäftigt. Wo befindet sich
der Schriftsteller Cesare Battisti? In Italien ohne Beweise zu "lebenslänglich" verurteilt,
ist er auf der Flucht, seit die französische Justiz beschlossen
hat, ihn auszuweisen. Ohne die Zusage des französischen Präsidenten
von 1985 einzuhalten, der denjenigen italienischen Aktivisten Asyl
und Schutz anbot, die bereit waren, mit dem bewaffneten Kampf zu
brechen. Dieser "beunruhigende, erschreckende, aber auch leidenschaftliche
Bericht", schreibt Bernard-Henri Lévy in seinem Vorwort,
ist der Bericht eines flüchtigen Mannes, der behaupte, die Verbrechen
nicht begangen zu haben, deren er beschuldigt werde.
Im ersten Teil erzählt Battisti seine Kindheit im Zeichen des
Schnauzbartträgers (Stalin), seine Revolte, die Tausende von
Italienern mit einschloss, die sich gegen ein heruntergekommenes
System wandten, seinen Eintritt in den bewaffneten Kampf im Rahmen
der PAC (Bewaffnete Proletarier für den Kommunismus), einer
Gruppe, die er verließ, als der Tod von Aldo Moro bekannt wurde. "Ich
habe niemals getötet", schreibt er. "Ich bin schuldig
(...), bei einer bewaffneten Gruppe mit subversivem Ziel mitgemacht
und Waffen getragen zu haben. Ich habe niemals auf jemanden gezielt." Er
beschreibt ausführlich seine Begegnung mit Pietro Mutti, einem
Ehemaligen, der ihn für vier Verbrechen verantwortlich macht,
ohne dafür Beweise zu liefern. Der Kronzeuge profitierte im
Gegenzug von der Milde der italienischen Richter, die über seine
Person schrieben: "Dieser Ehemalige ist an Zauberkunststücke
gewöhnt."
Battisti schreibt über sein Leben in Frankreich während
der langen Jahre des Exils, über seine Kinder, seine Liebe zu
Paris, seinen Schriftstellerberuf, seine Krimifreunde. Dann von seiner
Verhaftung, dem Gefängnis, dem Warten und der Flucht.
Der Anfang der Autobiographie ist in der
ersten Person geschrieben, wohingegen er eine Distanz schafft, um auf
emotionale Weise von seinem Exil zu erzählen, und er das "ich" aufgibt
und in der dritten Person fortfährt, um die Züge einer Person
namens Auguste anzunehmen. Es ist das erste Mal, dass er auf Französisch
schreibt, so als wollte er seine Zuneigung zu dem Land ausdrücken,
das ihn aufnahm, selbst wenn es ihn verraten hat. Sein künstlerisches
Gespür und sein Esprit illustrieren diesen schizophrenen Bericht,
in dem sich die Angst, der Schmerz, die Gewissensbisse in einem einzigen
Begehren mischen: um jeden Preis zu leben. In ihrer Einleitung fasst
Fred Vargas zusammen: "Die Wahrheit, so schrieb Cesare letztes
Jahr, ist transparent wie ein Wassertropfen an einem Faden, der herunterfallen
möchte. Eines Tages wird sie fallen."
Vorwort von Bernard-Henri Lévy.
Einleitung von Fred Vargas.