krimis in Europa
n°6 August-September-Oktober 2006

 

 

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Für eine europäische Krimikultur

Erstes europäisches Treffen der Kriminalliteratur
Hommage an Manuel Vázquez Montalbán

VV. AA

Verlag Planeta • 353 S.

Javier Sánchez Zapatero
Übersetzung: Sarah Florence Gaebler

 

Anlässlich des Buch- und Literaturjahres hat die Stadt Barcelona im Januar 2005 die herausragendsten europäischen Autoren der Kriminalliteratur eingeladen. Drei Tage lang haben sich rund zwanzig Schriftsteller, unter ihnen Donna Leon, Lorenzo Silva, Francisco González Ledesma, Thierry Jonquet, Petros Márkaris, Andreu Martín und Alicia Giménez Bartlett, versammelt, um an runden Tischen, in Konferenzen und Leserveranstaltungen über ihre eigenen Werke und das Genre, dem sie sich verschrieben haben, zu diskutieren. Eines der Hauptthemen des Treffens, das im Februar dieses Jahres erneut stattfand, war die Rolle der Kriminalliteratur in der europäischen Kultur. Seitdem Autoren wie Manuel Vázquez Montalbán, Jean-Patrick Manchette oder William McIllvaney den Kriminalroman in den Sechziger- und Siebzigerjahren neu erfunden haben und damit der Nachahmung der amerikanischen Vorbilder den Rücken kehrten, um sozialkritische Inhalte einzuflechten, hat sich der Kriminalroman des Alten Kontinents zu einem Genre entwickelt, das auch als handfestes Instrumentarium genutzt wird, um die Gesellschaft zu definieren, aktuelle Probleme zu hinterfragen und den Veränderungen, die in den einzelnen Ländern zu Tage treten, Rechnung zu tragen. All dies findet statt in einem aufgewühlten Kontext, der dem Niedergang des Realsozialismus beigewohnt hat, dem Fall der Mauer, dem Ende der Diktaturen in den mediterranen Ländern (Portugal, Spanien, Griechenland), der Festigung der Europäischen Union und den zunehmend global auftretenden Problemen, mit denen die modernen Demokratien konfrontiert sind. Dank den Werken Camilieris, Márkaris' oder Mankells wissen wir mehr über die Gesellschaft in Italien, in Griechenland und in Schweden, als es uns die gescheiterte Kommunikationspolitik der Regierungen im Namen der Interkulturalität und der Anpreisung der Vorzüge einer Europäischen Verfassung zu vermitteln wüsste. In vielen der Referats- und Diskussionsbeiträge des vorliegenden Buches wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass die Kultur als Integrationsachse für die Basis in der EU gestärkt werden muss. Gleichzeitig werden auf interessante und vermittelnde Weise Überlegungen zu den Besonderheiten, die der Bereich der Kriminalliteratur in den einzelnen Ländern aufweist, angestellt.

Einerseits werden in diesem Werk die Ergebnisse und die Beiträge der Runden Tische zusammengetragen, andererseits werden die Texte, die im Rahmen der Hommage an den anderthalb Jahre zuvor verstorbenen Vázquez Montalbán verfasst wurden und im Verlauf des Treffens im Rathaus Barcelonas vorgetragen wurden, in Form eines Epilogs zusammengetragen. Angehörige, Kollegen und andere erinnern sich an den aus Barcelona stammenden Autor. In Reminiszenz an ihn ist der in der Tradition Unamunos stehende dramatische Monolog "Bevor das Jahrtausend uns trennt" abgedruckt, in dem Pepe Carvalho seine offen stehenden Rechnungen mit seinem Schöpfer begleicht und das Ende beider prophezeit: "Requiem für einen Genießer", die beiden letzten Abenteuer des ikonoklastischen Gourmet-Detektivs, bevor der Autor 2003 verstarb. Leider trennte sie das Jahrtausend dann eben doch.

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