krimis in Europa
n°7 November-Dezember-Januar 2006/07

 

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Interview mit Barbara Abel

September 2006

Sophie Colpaert
Übersetzung: Alexander Ruoff

 

Sophie Colpaert: La Mort en écho* (Tod in Serie) ist voll von Szenen, in denen, ganz in der Manier von Yvonne Besson, ein Paar sich gegenseitig aufreibt. Für den Leser ist dies mit Emotionen und Verheerungen aufgeladen. Wissen Sie um diese Wirkung, die das Buch mit solchen Szenen produziert, und welches sind ihre Referenzen, ihre literarischen Vorbilder?

Barbara Abel: Natürlich weiß ich - und ich muss sagen, glücklicherweise - um die Reibungen, die ich im Laufe des Romans herausdestilliere. Was das Schreiben von Krimis und Thrillern betrifft, habe ich gelernt, dass die Würze einer Erzählung in der Art und Weise liegt, wie man sie erzählt. Hitchcock vor allem hat das sehr gut erklärt: Eine Bombe befindet sich in einem Bus, in den ein kleiner Junge steigt. Wenn der Zuschauer nichts von der Bombe weiß und diese dann explodiert, dauert die Überraschung nur einen Moment lang. Wenn aber der Zuschauer gleich von der Existenz der Bombe weiß und den kleinen Jungen einsteigen sieht, dann bleibt die Spannung während der gesamten Fahrt des Busses unerträglich. Es hängt alles von der Perspektive ab, die man wählt, um die Geschichte zu erzählen. Was meine literarischen Vorbilder anbelangt, habe ich eigentlich keine bestimmten Referenzen, aber ich beobachte immer gerne, wie andere Schriftsteller Personen und Ereignisse in Szene setzen. Genauso im Film. Manchmal, wenn ich mir einen Film ansehe, springt mir eine Idee für einen Aufbau oder eine Szenerie ins Auge. Ich baue sie um und »verwurste« sie für meine eigenen Sachen.

 

SC: Die Frauen in Ihren Romanen, diesen hier nicht ausgenommen, haben wahrlich grausige Rollen zu spielen. Woher so viel Hass? Sind wir wirklich so schrecklich?

BA: Nein, natürlich sind wir nicht so schrecklich. Es ist nur so, dass ich eine Frau bin, und dass es für mich viel einfacher ist, in die Haut einer Frau zu schlüpfen. Ich habe generell den Eindruck, dass meine Frauenfiguren viel fassbarer sind als meine männlichen. Es gelingt mir wesentlich leichter, ihren Platz einzunehmen und ihre Psychologie zu beschreiben, ihre Gefühle, Ängste, Zweifel und so weiter. Ich habe seit meiner frühesten Jugend Schauspielunterricht genommen und finde, das Schreiben ist vom Schauspiel gar nicht so weit entfernt, jedenfalls in dem Sinn, dass ich, wenn ich schreibe, jede meiner Figuren interpretiere. Also fällt es mir logischerweise leichter, die Rolle eine Frau zu interpretieren als die eines Mannes. Und ich denke, dass auch die Katharsis, die Fähigkeit, sich mit einer Figur identifizieren zu können und Empathie mit ihr zu empfinden, auf diese Weise besser funktioniert. Zudem zittert man mehr, wenn eine Frau in Gefahr ist, als bei einem Mann. Das mag ungerecht sein, aber es ist nun einmal so.

 

SC: Mord in Serie würde sich hervorragend für eine Fernsehserie eignen. Es gibt Reibungsflächen, Spannung, Furcht und ein originelles Setting durch das »Le Cheminot«, dieses isoliert am Ortsrand stehende Haus. Haben Sie schon Vorschläge für eine Adaption für das Fernsehen oder das Kino erhalten?

BA: Ja, aber nicht für Mord in Serie. Jedenfalls noch nicht. Aber mein erster Roman** wurde vom GTV für eine audiovisuelle Adaption angekauft.

 

SC: Werden Ihre Romane in andere Sprachen übersetzt und wie werden sie aufgenommen?

BA: Meine beiden ersten Romane wurden ins Deutsche übersetzt. Wie sie aufgenommen wurden? Ich weiß es nicht, um ehrlich zu sein. Ich habe jedenfalls keine negativen Rückmeldungen erhalten. Duelle, meine dritter Roman, wird gerade ins Spanische und Russische übersetzt. Sie sollten im Laufe des Jahres 2007 erscheinen.

 

SC: Spielen Sie mit dem Gedanken, irgendwann einmal einen Roman mit einer männlichen Hauptfigur zu schreiben?

BA: Ja, warum nicht? Aber viel wichtiger, als unbedingt einen Mann in Szene setzen zu wollen, ist die Idee, die dann in einer solchen männlichen Figur zur Erscheinung kommt. Es stimmt schon, dass in all meinen Romanen Frauen im Mittelpunkt stehen, aber die Idee der Geschichte selbst verlangt nach einer weiblichen Hauptfigur: eine Schwangere als Statthalterin, das Verhältnis einer Mutter zu ihrem in Gefahr geratenem Kind, die Hölle einer geschlagenen Frau, das Verhältnis eines Paares, das durch das Warten auf ein Kind in die Brüche geht... Es geht mir nicht darum, um jeden Preis eine Heldin zu erschaffen, aber die Ideen, die mir in den Sinn kommen, präferieren Frauen oder eine weibliche Sicht. Mit ihren guten und mit ihren schlechten Seiten.

 

* La Mort en écho (Tod in Serie) ist der vierte Roman von Barbara Abel. Eine Rezension findet sich in der Rubrik Rezensionen dieser siebten Ausgabe von europolar.

** L'instinct maternel (Mutterinstinkt). Prix Cognac 2002.

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