krimis in Europa
n°7 November-Dezember-Januar 2006/07

 

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Kindstod im Dorf

Das Mädchen vom Wehr
Ein Crinelli Krimi

Werner Köhler

Kiepenheuer & Witsch • Köln • 2005 • 444 S.

Elfriede Müller

 

Missbrauch und Serienkiller sind beliebte Themen in den Medien. Dieses Erfolgsrezept beschränkt sich nicht nur auf die amerikanischen Krimis, sondern findet auch hierzulande Abnehmer. Werner Köhler hat einen Roman geschrieben, der gut als das zu bezeichnen ist, was der Kritiker Thomas Wörtche "Designer-Krimis" nennt.

Man nehme ein attraktives mittelständisches Ehepaar, er Kommissar, sie emanzipierte Fernsehjournalistin. Er selbstredend Einzelgänger, deshalb Angler und Cowboy, der all seine Fälle allein löst und dazu noch die beste Aufdeckungsquote seiner Dienststelle hat. Da die Gattin nun gesegneten Leibes ist, beschließt das Ehepaar nicht in Köln zu bleiben, sondern aufs Land zu ziehen. Und siehe da, just in diesem Dorf ist das Böse schlechthin zuhause. Die Morde an Kindern mit vorheriger Folter reichen nicht aus, fast das gesamte Dorf hat Dreck am Stecken, den der Kommissar natürlich aufdeckt. Es gibt einen korrupten Dorfpolizisten, eine sympathische Puffmutter, einen verklemmten Pfarrer, einen Optiker, der spannt, einen Metzger, der die eigene und andere Frauen gerne sexuell nötigt, und ähnliche sympathische Menschen.

Der Anfang zieht sich in die Länge, in der zweiten Hälfte kommt mehr Tempo und Spannung auf, bis dann das Ende so abrupt einsetzt, dass der Autor vergaß, den Kommissar die tätlichen Angriffe auf die Ehefrau aufklären zu lassen. Das Thema Missbrauch so zu verhandeln, entspricht zwar ganz und gar dem medialen Zugriff auf das Thema, drängt aber die Tatsache in den Hintergrund, dass ca. 95 Prozent der Missbrauchsdelikte nicht von bösen Serienkillern begangen werden, sondern in der heiligen Kleinfamilie stattfinden.

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