Krimijahrbuch 2006
Dieter
Paul Rudolph (Hrsg./ éditeur)
NordPark Verlag
Kerstin Schoof
Es ist kaum zu glauben: die vorliegende Publikation ist das erste deutsche
Krimijahrbuch seit 1990. 16 Jahre lang kein Jahrbuch zu einem Genre, das
sich doch ausgesprochener Beliebtheit und guter Verkaufszahlen erfreut?
Vertieft man sich in die große
Auswahl an thematischen Essays, Rezensionen, Interviews, Autorenporträts
und Trendanalysen, die Dieter Paul Rudolph hier zusammengetragen hat,
kristallisieren sich bald verschiedene Antworten auf diese Frage heraus.
Thomas Wörtche, Herausgeber der
metro-Reihe des Unionsverlags, konstatiert in seiner Analyse des Krimimarktes
(Nach dem Erfolg kommt die Spaghettisierung) eine beispiellose
Regression des Genres seit Anfang der Neunziger Jahre. In dieser Zeit
konnten Autoren wie Donna Leon und Henning Mankell zwar respektable
Verlagshäuser
gewinnen und dem Krimi aus der Nische heraushelfen, "bombten" ihn
jedoch gleichzeitig "in seinen ästhetischen und erkenntnistheoretischen
Potenzialen um Jahrzehnte zurück".
Die wenigen großen und erfolgreichen Autoren haben Tobias Gohlis
zufolge wenig an der hochkulturellen Ignoranz gegenüber dem Kriminalroman
geändert - ein wesentlicher Grund, der den Krimikritiker (u.a. der
ZEIT) dazu bewegte, die KrimiWeltBestenliste ins Leben zu rufen,
um auch weniger bekannten Autoren eine Öffentlichkeit zu schaffen.
Mit seinem Einblick in
die Vielzahl neuester Krimiveröffentlichungen,
die sich thematisch auch über den deutschen Horizont hinauswagen, hofft
das Krimijahrbuch 2006, einen Beitrag zur Geschichtsschreibung des Kriminalromans
zu leisten - ergänzt durch theoretische Aufsätze und Autorenporträts
wird hier in jedem Fall eine fundierte und spannend lesbare Bestandsaufnahme
(nicht nur) der deutschsprachigen Krimiszene präsentiert.