krimis in Europa
n°7 November-Dezember-Januar 2006/07

 

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Krimijahrbuch 2006
Dieter Paul Rudolph (Hrsg./ éditeur)

NordPark Verlag

Kerstin Schoof

 

Es ist kaum zu glauben: die vorliegende Publikation ist das erste deutsche Krimijahrbuch seit 1990. 16 Jahre lang kein Jahrbuch zu einem Genre, das sich doch ausgesprochener Beliebtheit und guter Verkaufszahlen erfreut?

Vertieft man sich in die große Auswahl an thematischen Essays, Rezensionen, Interviews, Autorenporträts und Trendanalysen, die Dieter Paul Rudolph hier zusammengetragen hat, kristallisieren sich bald verschiedene Antworten auf diese Frage heraus. Thomas Wörtche, Herausgeber der metro-Reihe des Unionsverlags, konstatiert in seiner Analyse des Krimimarktes (Nach dem Erfolg kommt die Spaghettisierung) eine beispiellose Regression des Genres seit Anfang der Neunziger Jahre. In dieser Zeit konnten Autoren wie Donna Leon und Henning Mankell zwar respektable Verlagshäuser gewinnen und dem Krimi aus der Nische heraushelfen, "bombten" ihn jedoch gleichzeitig "in seinen ästhetischen und erkenntnistheoretischen Potenzialen um Jahrzehnte zurück".

Die wenigen großen und erfolgreichen Autoren haben Tobias Gohlis zufolge wenig an der hochkulturellen Ignoranz gegenüber dem Kriminalroman geändert - ein wesentlicher Grund, der den Krimikritiker (u.a. der ZEIT) dazu bewegte, die KrimiWeltBestenliste ins Leben zu rufen, um auch weniger bekannten Autoren eine Öffentlichkeit zu schaffen.

Mit seinem Einblick in die Vielzahl neuester Krimiveröffentlichungen, die sich thematisch auch über den deutschen Horizont hinauswagen, hofft das Krimijahrbuch 2006, einen Beitrag zur Geschichtsschreibung des Kriminalromans zu leisten - ergänzt durch theoretische Aufsätze und Autorenporträts wird hier in jedem Fall eine fundierte und spannend lesbare Bestandsaufnahme (nicht nur) der deutschsprachigen Krimiszene präsentiert.

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