C'era una volta il giallo
II
L'età del piombo*
Gian Franco Orsi - Lia Volpatti
Alacràn editore •2006
Pasquale Pede
Übersetzung: Katharina Schmidt
Pasquale Pede ist Psychoanalytiker und lebt
in Rom. Seit Jahren liest er begeistert und erforscht den klassischen
Noir. Er schreibt für
Zeitschriften und Fachpublikationen.
Dies
ist der zweite Band eines Überblicks der Krimiliteratur, die
Gian Franco Orsi und Lia Volpatti im letzten Jahr mit "L'etá d'oro
del mystery" (Das goldene Zeitalter des Detektivromans) begonnen hatten.
Ein dritter und vierter Band (er befasst
sich mit den italienischen Autoren) sind schon angekündigt und werden hoffentlich bald veröffentlicht.
Dies ist ein Grund zur Freude, bedeutet es doch, dass ein solches Unternehmen
eindeutig Interesse erregt und fortgesetzt werden kann. Seit Jahren hat
man in Italien keinen Überblick oder Lexikon des (internationalen)
Kriminalromans veröffentlicht. Man muss schon in die achtziger Jahre
zu "Dizionario dei detectives" zurückgehen, um Ähnliches zu
finden, und es ist sicher kein Zufall, dass dieses Buch von den gleiche
Fachleuten stammt, die auch diese Bände herausgeben, oder in die
Neunziger Jahre zu dem Werk des leider verstorbenen Franco Fossati. Dies
soll nur noch einmal unterstreichen, dass es in Italien einen großen
Mangel an kompetente Veröffentlichungen zum Thema gibt, Bücher
wie die hier vorgestellten sind also sehr willkommen und füllen eine
beklagenswerte Lücke im Buchangebot.
Der Untertitel des Bandes "L'età del piombo" ließe vermuten,
hier beschäftigten sich die Autoren vornehmlich mit Vertretern des
amerikanischen Krimis, gemeint ist das Genre Hard-boiled, das trifft aber
nur eingeschränkt zu. In diesem zweiten Teil, der noch umfangreicher
ist als der erste, sind natürlich die Klassiker des Noirs wie Hammett,
Chandler, Spillane und Macdonald vertreten, aber es bleibt noch viel Platz
für Autoren ganz anderer Genres. Für die Meister des klassischen
Detektivromans wie Carr oder Queen über die Königinnen des Suspense
wie der Eberhart bis hin zu den französischen Autoren, die sich keinem
Genre zuordnen lassen wie Aveline oder Simenon. Insgesamt liegt uns hier
ein beachtlicher Anteil der großen Namen aller Genres aus der Zeit
nach dem Zweiten Weltkrieg vor.
Natürlich kann man an solchen Überblicken immer kritisieren,
dass ein Autor aufgenommen wurde oder ein anderer fehlt - ich frage mich
zum Beispiel: Warum steht Bruno Fischer drin und, na sagen wir mal, nicht
Lionel White oder William P. Mac Givern - aber die Auswahl, die die Autoren
getroffen haben, hing vermutlich auch mit dem Material zusammen, das den
Herausgebern zur Verfügung stand. Wie im ersten Band handelt es sich
fast ausschließlich um Material aus dem Anhang zu der Krimireihe Gialli
Mondadori oder verwandten Veröffentlichungen, was nicht bedeutet,
das die Herausgeber bestimmte Autoren bevorzugt hätten. Insgesamt
sind die Portraits alle sehr gut lesbar und enthalten viele Informationen über
Leben und Werk der Schriftsteller. Alles wird in dem gleichen leichten,
unterhaltsamen Stil erzählt wie schon im vorangegangenen Teil. Sicher
nichts Neues, aber den jüngeren Lesern, denen die älteren Nummern
dieser verdienstvollen Reihe von Mondadori nicht mehr zur Verfügung
stehen, kann diese umfassende Zusammenstellung von Informationen sehr
nützlich sein.Auf jeden Fall ist es gut, dass sie die Aufmerksamkeit
wieder auf in Vergessenheit geratene Namen wie C.Daly King oder Ngayo
Marsh lenkt.
Natürlich beschäftigt sich der größte Teil des Buches
mit den großen Namen wie Carr, Queen, Simenon, Hammett und so weiter.
Dort sind die Artikel gründlich ausgearbeitet und umfangreich. Besonders
scharfsichtig formuliert sind Mauro Buoncompagnis Beiträge, und die
von Andrea G. Pinketts sind so amüsant und respektlos wie üblich.
Ich gebe gern zu, meine besondere Vorliebe
gilt Oreste de Buonos Beiträgen.
Er ist vielleicht der Intellektuelle, der sich am meisten dafür eingesetzt
hat, der Gattung Kriminalroman in Italien literarische Würden zu
verleihen. Heute noch fehlt uns sein bissig-liebevoller Stil und die
ehrliche Liebe, mit der er unsere Lieblingsgattung betrachtete.
Besonders zu erwähnen sind noch die Schriftstellerinterviews, die
die einzelnen Kapitel oft ergänzen und bereichern. Sie sind immer
sinnvoll, denn leider ist es nur selten möglich, die Autoren so vieler
Bücher, die uns begeistert haben, persönlich zu hören - eine
kleine Bemerkung am Rande: es wäre sicher nützlich gewesen,
neben der Quelle auch noch die Entstehungszeit der Interviews anzugeben,
da es sich sich um älteres Material handelt, könnte es helfen,
es zeitlich einordnen zu können.
Insgesamt ein flott geschriebenes Buch,
das sich in einem Zug liest. Komplimente an die unermüdlichen Förderer
des Kriminalromans in Italien, G.F. Orsi und L.Volpatti.
* Es
war einmal der Kriminalroman II - Die Blei-Zeit
