krimis in Europa
n°7 November-Dezember-Januar 2006/07

 

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C'era una volta il giallo II
L'età del piombo*

Gian Franco Orsi - Lia Volpatti

Alacràn editore •2006

Pasquale Pede
Übersetzung: Katharina Schmidt

Pasquale Pede ist Psychoanalytiker und lebt in Rom. Seit Jahren liest er begeistert und erforscht den klassischen Noir. Er schreibt für Zeitschriften und Fachpublikationen.

 

Dies ist der zweite Band eines Überblicks der Krimiliteratur, die Gian Franco Orsi und Lia Volpatti im letzten Jahr mit "L'etá d'oro del mystery" (Das goldene Zeitalter des Detektivromans) begonnen hatten.

Ein dritter und vierter Band (er befasst sich mit den italienischen Autoren) sind schon angekündigt und werden hoffentlich bald veröffentlicht. Dies ist ein Grund zur Freude, bedeutet es doch, dass ein solches Unternehmen eindeutig Interesse erregt und fortgesetzt werden kann. Seit Jahren hat man in Italien keinen Überblick oder Lexikon des (internationalen) Kriminalromans veröffentlicht. Man muss schon in die achtziger Jahre zu "Dizionario dei detectives" zurückgehen, um Ähnliches zu finden, und es ist sicher kein Zufall, dass dieses Buch von den gleiche Fachleuten stammt, die auch diese Bände herausgeben, oder in die Neunziger Jahre zu dem Werk des leider verstorbenen Franco Fossati. Dies soll nur noch einmal unterstreichen, dass es in Italien einen großen Mangel an kompetente Veröffentlichungen zum Thema gibt, Bücher wie die hier vorgestellten sind also sehr willkommen und füllen eine beklagenswerte Lücke im Buchangebot.

Der Untertitel des Bandes "L'età del piombo" ließe vermuten, hier beschäftigten sich die Autoren vornehmlich mit Vertretern des amerikanischen Krimis, gemeint ist das Genre Hard-boiled, das trifft aber nur eingeschränkt zu. In diesem zweiten Teil, der noch umfangreicher ist als der erste, sind natürlich die Klassiker des Noirs wie Hammett, Chandler, Spillane und Macdonald vertreten, aber es bleibt noch viel Platz für Autoren ganz anderer Genres. Für die Meister des klassischen Detektivromans wie Carr oder Queen über die Königinnen des Suspense wie der Eberhart bis hin zu den französischen Autoren, die sich keinem Genre zuordnen lassen wie Aveline oder Simenon. Insgesamt liegt uns hier ein beachtlicher Anteil der großen Namen aller Genres aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg vor.

Natürlich kann man an solchen Überblicken immer kritisieren, dass ein Autor aufgenommen wurde oder ein anderer fehlt - ich frage mich zum Beispiel: Warum steht Bruno Fischer drin und, na sagen wir mal, nicht Lionel White oder William P. Mac Givern - aber die Auswahl, die die Autoren getroffen haben, hing vermutlich auch mit dem Material zusammen, das den Herausgebern zur Verfügung stand. Wie im ersten Band handelt es sich fast ausschließlich um Material aus dem Anhang zu der Krimireihe Gialli Mondadori oder verwandten Veröffentlichungen, was nicht bedeutet, das die Herausgeber bestimmte Autoren bevorzugt hätten. Insgesamt sind die Portraits alle sehr gut lesbar und enthalten viele Informationen über Leben und Werk der Schriftsteller. Alles wird in dem gleichen leichten, unterhaltsamen Stil erzählt wie schon im vorangegangenen Teil. Sicher nichts Neues, aber den jüngeren Lesern, denen die älteren Nummern dieser verdienstvollen Reihe von Mondadori nicht mehr zur Verfügung stehen, kann diese umfassende Zusammenstellung von Informationen sehr nützlich sein.Auf jeden Fall ist es gut, dass sie die Aufmerksamkeit wieder auf in Vergessenheit geratene Namen wie C.Daly King oder Ngayo Marsh lenkt.

Natürlich beschäftigt sich der größte Teil des Buches mit den großen Namen wie Carr, Queen, Simenon, Hammett und so weiter. Dort sind die Artikel gründlich ausgearbeitet und umfangreich. Besonders scharfsichtig formuliert sind Mauro Buoncompagnis Beiträge, und die von Andrea G. Pinketts sind so amüsant und respektlos wie üblich.

Ich gebe gern zu, meine besondere Vorliebe gilt Oreste de Buonos Beiträgen. Er ist vielleicht der Intellektuelle, der sich am meisten dafür eingesetzt hat, der Gattung Kriminalroman in Italien literarische Würden zu verleihen. Heute noch fehlt uns sein bissig-liebevoller Stil und die ehrliche Liebe, mit der er unsere Lieblingsgattung betrachtete.

Besonders zu erwähnen sind noch die Schriftstellerinterviews, die die einzelnen Kapitel oft ergänzen und bereichern. Sie sind immer sinnvoll, denn leider ist es nur selten möglich, die Autoren so vieler Bücher, die uns begeistert haben, persönlich zu hören - eine kleine Bemerkung am Rande: es wäre sicher nützlich gewesen, neben der Quelle auch noch die Entstehungszeit der Interviews anzugeben, da es sich sich um älteres Material handelt, könnte es helfen, es zeitlich einordnen zu können.

Insgesamt ein flott geschriebenes Buch, das sich in einem Zug liest. Komplimente an die unermüdlichen Förderer des Kriminalromans in Italien, G.F. Orsi und L.Volpatti.

* Es war einmal der Kriminalroman II - Die Blei-Zeit

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