krimis in Europa
n°8 Februar-März-April 2007

 

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La nuit du pigeon*
Jean-Baptiste Baronian

Espace Nord, Noir de Noir, Editions Labor • 2006 • 210 Seiten

Etienne Borgers
Übersetzung: Alexander Ruoff

 

Jean Malherbe ist Langzeitarbeitsloser und lebt zurückgezogen in einem bescheidenen Viertel von Nivelles, einer kleinen und friedlichen Stadt, dreißig Kilometer von Brüssel entfernt. Sein beruflicher Werdegang ist ziemlich jämmerlich und liegt weit unterhalb seiner tatsächlichen Fähigkeiten, aber das stört ihn nicht weiter. Nachdem er ständig die Arbeit gewechselt hat, ist er nun seit 18 Monaten arbeitslos, nachdem ihn die Sadec im Zuge von Umstrukturierungsmaßnahmen entlassen hat, wo er sieben Jahre lang der Fahrer von Clark war. Die Arbeitsaussichten in der Region sind so schlecht, dass man selbst mit 33 Jahren kaum noch Chancen hat. Mit einer gewissen resignativen Freude schickt er sich denn auch in dieses triste Leben. Bis zu jenem Tag, als er nach einem seiner regelmäßigen Termine beim Arbeitsamt draußen auf der Straße von einem Unbekannten bedrängt wird, einen lukrativen Job anzunehmen. Einen sehr lukrativen. Er hat nichts zu verlieren, hört sich aber trotzdem nur mit Skepsis an, was der Unbekannte ihm zu sagen hat, der ohne Umschweife direkt zur Sache kommt: Er solle jemanden umbringen, und zwar nach den Anweisungen derer, für die er arbeitet. Es handelt sich um einen hohen Gewerkschaftsvertreter, den Malherbe vage aus der Gewerkschaft kennt, die in der Sadec vertreten ist. Die Sache ist offensichtlich hervorragend bezahlt. Warum ausgerechnet er, ein durchschnittlicher Niemand, der nie mit dem Milieu in Kontakt gekommen ist? Die Auftraggeber sind wegen seiner Vergangenheit als Scharfschütze bei der Armee an ihm interessiert. Das Geld lockt ihn, es könnte ihm helfen, aus seiner Misere herauszukommen. Er akzeptiert, ohne sich große Gedanken zu machen, aber trotz des vielen Geldes schafft er es nicht, sich ruhig in seine Rolle zu fügen. Sein falscher Arbeitsvertrag im Namen einer Gesellschaft, die es nicht zu geben scheint, die Männer, die ihm ständig folgen und nicht gerade zu seiner Beruhigung beitragen (auch wenn sie immerhin keine Limousine fahren) - Jean Malherbe gleitet langsam in eine innere Paranoia, erstickt an seinen Zwängen, er findet sich abgeschnitten von der wirklichen Welt auf Grund der Angst, die ihn ständig erdrückt und würgt. Er glaubt, in die wunderschöne Simone verliebt zu sein, mit der er sich zufällig in einer Kneipe in der Umgebung von Nivelles wiederfindet. In jener Kneipe, in der sein Anwerber Stammgast ist. Aber selbst das Verhältnis, das er mit der jungen Frau anfängt, erscheint voller Widersprüche und offener Fragen.

Die Angst ist immer da, bis zu jener Nacht, wo er in einem verlassenen Gebäude in Nivelles einen Mann, der sich auf ihn stürzt, tötet, um seinen Verfolgern zu entgehen, die ihm ständig auf den Fersen sind. Von einer immer größer werdenden Angst ausgelaugt geht Malherbe nach Charleroi und folgt den Anweisungen, um das Attentat vorzubereiten. Da er aber auf irrationale Art und Weise handelt und die Absichten seiner Begleiter, selbst seiner nächsten, nicht richtig beurteilen kann, verwickelt er sich im Glauben, er entkomme der infernalischen Situation, in die er sich begeben hat, nur noch weiter in sie hinein. Und immer noch weiter, in jener Nacht der Taube.

Dieser Roman über Isolation und Angst, geschrieben als Ich-Erzählung, wirft uns sofort in das enge Universum der Hauptperson. Ein Protagonist, der sich in einer nahen und bekannten Realität auf das Wesentliche konzentriert, unfähig, sich eine Zukunft vorzustellen, die nicht feindselig und sinnlos wäre, und für die er nur eine Lösung kennt: die Flucht ...

Flüssig und präzise erzählt, führt uns J. B. Baronian den Abstieg des Jean Malherbe in die Abgründe der inneren Angst vor Augen, einer Figur, die sich in ihren eigenen Schlingen verliert. Der Stil spiegelt mit seiner an Distanzierung grenzenden Kälte das Leben dieser Figur wider, das sich zwischen Indifferenz und unkontrollierbarer Imagination bewegt.

Der graue Alltag trübt sich schnell zu einer dunklen und sinistren Geschichte, die direkt in Tragik und Verzweiflung führt. Und das alles mit der besonderen Note von Baronian und seinem konzisen Stil, der jede Emphase verweigert und dessen vordergründig einfache Art des Schreibens nichts als Eleganz ist. Eine Eleganz, die von einem tiefen Schwarz durchdrungen ist...

Anmerkung: Dieser Roman ist 1982 unter dem Pseudonym Alexandre Lous veröffentlicht worden.

* Die Nacht der Taube

 

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Neuf petits crimes très ordinaires - Jean-Baptiste Baronian [n°5]
Etienne Borgers

 

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