krimis in Europa
n°8 Februar-März-April 2007

 

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Le Talisman de la Villette*
Claude Izner

Verlag 10/18 • Ottobre 2006 • 350 Seiten

Sophie Colpaert
Übersetzung: Alexander Ruoff

 

Seit dem ersten Band über die Ermittlungen des Buchhändlers Victor Legris Das Geheimnis der Rue des Saints-Pères), begeistert Claude Izner mit seiner Rekonstruktion von Paris gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Er erhielt dafür 2003 den Preis Michel Lebrun.

Hinter dem Pseudonym Claude Izner verbergen sich die Schwestern Liliane Korb und Laurence Lefèvre, die im vierhändigen Schreiben Erfahrung gesammelt haben. Während ihrer langjährigen Tätigkeit als Buchhändlerinnen am Seineufer haben sie zunächst Kinder mit ihren Geschichten verzaubert, in denen oftmals Bücher die Hauptrolle spielen. Mit dem überaus gelungenen Krimi Sens dessus dessous - Drunter und drüber (Éditions Viviane Hamy 1999), in dem sich ein Buchhändler und eine Photographin in einem sehr pittoresk gezeichneten Paris begegnen, wenden sie sich an erwachsene Leser. Ganz nebenbei sei noch erwähnt, dass die Schwestern Nichten des gefeierten Librettisten Francis Lemarque sind - Auf Paris ...

In Le Talisman de la Villette - Der Talisman von La Villette (Éditions 10/18 2006), dem sechsten Band der Ermittlungen von Victor Legris, haben die Autorinnen ihren Stil verfeinert und beschreiben meisterhaft das historische Ambiente, aus dem sich ihre Erzählungen speisen.

Im Februar 1894 wird Victor Legris wieder mal von einem Gefühl der Leere heimgesucht. Seine Arbeit als Buchhändler bedrückt ihn, aber er wagt es nicht, seinem Geschäftspartner und Adoptivvater Kenji Mori davon zu erzählen. Seit kurzem kann Victor sich nur noch für die Photographie begeistern. Seine Tage verbringt er damit, die Straßen von Paris zu durchschreiten und das Alltagsleben fotografisch einzufangen, die Probleme der verschiedenen Stadtviertel zu dokumentieren. Und natürlich mit kriminalistischen Ermittlungen. Bei ihrer Hochzeit hatte er Tasha versprochen, diesem Bedürfnis, das sie ängstigt, zu entsagen. Aber einem guten Rätsel kann er kaum widerstehen, vor allem, wenn es frei Haus geliefert wird. Maurice Laumier, der Maler und ehemalige Mentor von Tasha, berichtet Victor von den Sorgen seiner Geliebten. Mireille hat seit drei Wochen nichts von ihrer Cousine Loulou gehört, was gar nicht zu Loulou passt. Victor kann Laumier nicht leiden und lehnt zunächst jede Hilfe ab. Kurz danach wird in La Villette die Leiche einer jungen Frau gefunden, erwürgt. Als Mireille ins Leichenschauhaus eilt, findet sie dort Loulous Leiche - die schönen blonden Haare schwarz gefärbt ... Mireilles Tränen erweichen Victor, und er erklärt sich bereit, in diesem Fall zu ermitteln. Und auch Joseph Pignot, der zupackende Bote der Buchhandlung hat an diesem neuen Fall wieder seine Freude. Jede neue Ermittlung Victors nährt Josephs Phantasie, der Fortsetzungsromane für Passe-Partout schreibt. Und da ihre jeweiligen besseren Hälften die Risiken, die sie eingehen, nicht gutheißen, verfeinern Victor und Joseph wie zwei kleine Jungs ihre Tricks, um die Ermittlungen geheim zu halten. Dieser neue Fall bringt sie auf die Spur der Geheimnisse einer großen Schneiderei und die wenig beneidenswerte Situation der Arbeiterinnen, die im Verborgenen ausgebeutet und missbraucht werden, während die eleganten Damen arrogant im Licht stolzieren. Die Mutterschaft nimmt in diesem Roman einen breiten Raum ein, ein Thema, das zu Ende des 19. Jahrhunderts oft fatale Folgen hatte...

* Der Talisman von La Villette

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