Cronache di Bassavilla*
Danilo Arona
Flaccovio Editore • 2006
Giovanni Zucca
Übersetzung: Dieter Hartmann
Wenn der Noir-Krimi, neben vielem anderen,
das Reich der Unruhe ist, dann sollte Bassavilla mit gutem Recht eine
seiner Hauptstädte sein.
Auch, weil dort die Große Synchronie vorbeikommt.
Doch der Reihe nach: Bassavilla, das weiß man,
existiert nicht. Oder doch, sie existiert und ihren wahren Namen findet
nur zu leicht, wer sich in die Seiten dieses merkwürdigen und faszinierenden
Romans vertieft, der von dem (nicht mehr ganz) kleinen Verlag Flaccovio
herausgegeben wird. Ein Roman, der unter den Finalisten für den Scerbanenco-Preis
war, den Giancarlo Narciso 2006 mit dem ebenfalls in europolar besprochenen
Roman Incontro a Daunanda (Treffen
in Daunanda,
im selben Verlag erschienen) gewonnen hat.
Ein Roman also? Tatsächlich ist dies kein
Roman, sondern, wenn überhaupt,
eine Sammlung von Erzählungen, die sich zuerst auf Carmilla (www.carmillaonline.it)
fanden, einer Webseite für kulturellen Widerstand, und die dann von
Danilo Arona zusammengewoben und überarbeitet worden sind. Er lebt
selbst in Bassavilla (alias.) und ist von Beruf Journalist und Schriftsteller
und ein - Legenden-Jäger? Alptraum-Detektiv? Es fällt schwer
ihn genau einzuordnen. Sagen wir, dass Arona sich seit Jahren für
diese Art von Geschichten interessiert, die es nicht auf die erste
Seite der Zeitungen schaffen. Seltsame, kuriose, beunruhigende Geschichten . Geschichten
von Autofahrern (ausgeglichenen, anständigen Personen ohne Haschisch-
oder Alkohol-Probleme), die steif und fest behaupten, mitten in der
Nacht ein Mädchen, das mitten auf der Straße lief, angefahren
zu haben, oder zumindest um ein Haar.
Zu Tode erschrocken hielten sie
an, um, noch ganz unter Schock, erste Hilfe zu leisten . und fanden niemanden.
Weder tot noch lebendig - oder
irgendwie zwischen diesen beiden Zuständen. Ganz langsam taucht
ein Name auf. Melissa. Der Name eines Softporno-Sternchens. Von einem
Mädchen, das sich, so scheint es, in den Zwanzigerjahren in Bassavilla
umgebracht hat. Von einem Computer-Virus, der sich 1999 via Internet
verbreitete und hunderttausende, wenn nicht Millionen von Computern
in der ganzen Welt befiel, lahm legte und beschädigte. Von klatschnassen
Gespenstern, die um Hilfe bitten und. verschwinden. Ich sehe bereits
einige Leser den Kopf schütteln, manch einer denkt schon an den üblichen
New Age-Schwindel von Engeln, übernatürlichen Wesen usw. . Aber
wir sprechen über einen Krimi Noir, zum Teufel! Trotzdem. nichts
mit: trotzdem. Das Buch dampft in jeder Zeile nach Noir!; es erzählt
von einer Stadt, die nicht existiert, aber real ist, mit ihren Straßen,
Flüssen, ihren Nebeln. Nebel, die Geheimnisse bergen. Rätselhaftes,
das manchmal zu erklären ist und manchmal nicht. Rätsel, die
jedoch einen Zeugen hatten, auf den Seiten der Lokalzeitungen gelandet
sind, Geheimnisse, die Psychiater, Forscher, Journalisten, Carabinieri
beschäftigt haben. Kleine Mädchen, die im Vergnügungspark
vor Angst gestorben sind. Ein Mädchen, das im Schlaf starb, in seinem
Bett, und dessen innere Organe zerstört waren. Gerade so, als sei
es von einem Auto überfahren worden. Oder von vielen Autos. Gleichzeitig. An
verschiedenen, weit entfernten Orten .
Um nicht von der verfluchten Großen Synchronie
zu sprechen, die Energien, Kräfte, besondere Fähigkeiten verströmt. Die
einen Dinge sehen lässt, die man besser nicht sehen sollte, sehen
könnte.
Genug. Ich habe schon zu viel erzählt.
Oder vielleicht auch zu wenig.
Ach ja, eine Sache noch: Wenn möglich,
geht nicht nach Bassavilla. Doch wenn ihr unbedingt gehen wolt, dann
geht in Begleitung von Danilo Arona und seinem Buch.
Und sagt nicht, ich hätte euch nicht
gewarnt.
* Nachrichten aus
Bassavilla