krimis in Europa
n°8 Februar-März-April 2007

 

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Cronache di Bassavilla*
Danilo Arona

Flaccovio Editore • 2006

Giovanni Zucca
Übersetzung: Dieter Hartmann

 

Wenn der Noir-Krimi, neben vielem anderen, das Reich der Unruhe ist, dann sollte Bassavilla mit gutem Recht eine seiner Hauptstädte sein. Auch, weil dort die Große Synchronie vorbeikommt.

Doch der Reihe nach: Bassavilla, das weiß man, existiert nicht. Oder doch, sie existiert und ihren wahren Namen findet nur zu leicht, wer sich in die Seiten dieses merkwürdigen und faszinierenden Romans vertieft, der von dem (nicht mehr ganz) kleinen Verlag Flaccovio herausgegeben wird. Ein Roman, der unter den Finalisten für den Scerbanenco-Preis war, den Giancarlo Narciso 2006 mit dem ebenfalls in europolar besprochenen Roman Incontro a Daunanda (Treffen in Daunanda, im selben Verlag erschienen) gewonnen hat.

Ein Roman also? Tatsächlich ist dies kein Roman, sondern, wenn überhaupt, eine Sammlung von Erzählungen, die sich zuerst auf Carmilla (www.carmillaonline.it) fanden, einer Webseite für kulturellen Widerstand, und die dann von Danilo Arona zusammengewoben und überarbeitet worden sind. Er lebt selbst in Bassavilla (alias.) und ist von Beruf Journalist und Schriftsteller und ein - Legenden-Jäger? Alptraum-Detektiv? Es fällt schwer ihn genau einzuordnen. Sagen wir, dass Arona sich seit Jahren für diese Art von Geschichten interessiert, die es nicht auf die erste Seite der Zeitungen schaffen. Seltsame, kuriose, beunruhigende Geschichten . Geschichten von Autofahrern (ausgeglichenen, anständigen Personen ohne Haschisch- oder Alkohol-Probleme), die steif und fest behaupten, mitten in der Nacht ein Mädchen, das mitten auf der Straße lief, angefahren zu haben, oder zumindest um ein Haar.
Zu Tode erschrocken hielten sie an, um, noch ganz unter Schock, erste Hilfe zu leisten . und fanden niemanden. Weder tot noch lebendig - oder irgendwie zwischen diesen beiden Zuständen. Ganz langsam taucht ein Name auf. Melissa. Der Name eines Softporno-Sternchens. Von einem Mädchen, das sich, so scheint es, in den Zwanzigerjahren in Bassavilla umgebracht hat. Von einem Computer-Virus, der sich 1999 via Internet verbreitete und hunderttausende, wenn nicht Millionen von Computern in der ganzen Welt befiel, lahm legte und beschädigte. Von klatschnassen Gespenstern, die um Hilfe bitten und. verschwinden. Ich sehe bereits einige Leser den Kopf schütteln, manch einer denkt schon an den üblichen New Age-Schwindel von Engeln, übernatürlichen Wesen usw. . Aber wir sprechen über einen Krimi Noir, zum Teufel! Trotzdem. nichts mit: trotzdem. Das Buch dampft in jeder Zeile nach Noir!; es erzählt von einer Stadt, die nicht existiert, aber real ist, mit ihren Straßen, Flüssen, ihren Nebeln. Nebel, die Geheimnisse bergen. Rätselhaftes, das manchmal zu erklären ist und manchmal nicht. Rätsel, die jedoch einen Zeugen hatten, auf den Seiten der Lokalzeitungen gelandet sind, Geheimnisse, die Psychiater, Forscher, Journalisten, Carabinieri beschäftigt haben. Kleine Mädchen, die im Vergnügungspark vor Angst gestorben sind. Ein Mädchen, das im Schlaf starb, in seinem Bett, und dessen innere Organe zerstört waren. Gerade so, als sei es von einem Auto überfahren worden. Oder von vielen Autos. Gleichzeitig. An verschiedenen, weit entfernten Orten .

Um nicht von der verfluchten Großen Synchronie zu sprechen, die Energien, Kräfte, besondere Fähigkeiten verströmt. Die einen Dinge sehen lässt, die man besser nicht sehen sollte, sehen könnte.

Genug. Ich habe schon zu viel erzählt. Oder vielleicht auch zu wenig.

Ach ja, eine Sache noch: Wenn möglich, geht nicht nach Bassavilla. Doch wenn ihr unbedingt gehen wolt, dann geht in Begleitung von Danilo Arona und seinem Buch.

Und sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

* Nachrichten aus Bassavilla

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