Rue des absents*
Mouloud Akkouche
Editions de l'Atelier n°8/Noires de
Pau • 2006 • 173 Seiten
Jean-Marc Laherrère
Übersetzung: Alexander Ruoff
In Pau erwacht Véronique Radkov mit einem fürchterlichen
Kater: Sie kann sich an rein gar nichts mehr erinnern, sie weiß weder
wo sie ist noch warum. Als sie endlich wieder klar denken kann, stellt
sie zu ihrem größten Schrecken fest, dass sie nicht mehr Véronique
ist: sie ist keine Frau mehr, sondern ein Mann.
In Montreuil dreht Jean-Paul mit seinem
Rollstuhl unermüdlich seine
Runden. Er ist ein bisschen schwachsinning und verliert sich oft in der
Vergangenheit - besonders in seinen Erinnerungen an den 22. Mai 1979,
als der Dicke ihn unter ein Auto gestoßen und zum Krüppel gemacht
hat.
Und irgendwo weit weg leitet Maxime Girard
per mail ein blühendes
Unternehmen ...
Mouloud Akkouche kehrt wieder zum Krimi
zurück, und das ist sehr
gut so. Denn er meldet sich grandios zurück mit diesem hervorragend
konstruierten Roman, in dem sich Perspektiven und narrative Stile abwechseln,
von der klassischen Erzählweise über Briefwechsel bis hin zu
mehr oder minder delirierenden Monologen. Er jongliert mit den Orten,
führt von Pau nach Montreuil, streift Lausanne und Toulouse und trägt
so nach und nach die verschiedenen Puzzleteile zusammen, die erst ganz
zum Schluss das gesamte Bild enthüllen. Diese von Meisterhand geschaffene
komplexe Konstruktion setzt mit großem Geschick und Sorgfalt Personen
in Szene, die genauso verloren sind wie der Leser. Wenn nicht noch
mehr. Ein tolles Lesevergnügen.
* Straße der Abwesenden