krimis in Europa
n°8 Februar-März-April 2007

 

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Nazis in Österreich

Kalte Monde
Manfred Wieninger

Ein Marek-Miert-Krimi
Haymon Verlag, Innsbruck-Wien • 2006 • 235 S.

Elfriede Müller

 

Der ehemalige Polizist Marek Miert hat umgesattelt auf Privatdetektiv mit wenig Kundschaft und Erfolg. Doch handelt es sich beim dritten Roman von Manfred Wieninger nicht um einen Kriminalroman, auch wenn ein paar äußere Rahmenbedingungen dies nahe legen könnten, wie der Beruf des Antihelden, zwei ineinandergreifende kriminalistische Untersuchungen und einige Morde. Wenn der Icherzähler feststellt: "Auch aus der Geschichte, dachte ich, lässt sich kein Job mehr schlagen", so gilt das auch für den Plot von Kalte Monde.

Wieninger hat einen lesenswerten und zynischen Roman über Österreich geschrieben, über den alltäglichen und den parlamentarischen Rassismus, den Marek Miert böse und traurig kommentiert. Der Roman spielt in Harland, Niederösterreich, ein Ort, der provinzieller nicht sein könnte. Miert wird von einem rechtsradikalen Abgeordneten als Personenschutz angeworben und begibt sich gleichzeitig auf die Suche nach einer alten Katze, die angeblich Millionen erben soll. Die Anspielung auf die Spaltung der rechtsradikalen Szene in die beiden Parteien FPÖ und BZÖ ist mehr als evident. Ihre Verankerung in der Bevölkerung schildert Wieninger erbittert und anklagend. Eine dritte Untersuchung, die mit den anderen beiden rein gar nichts zu tun hat, aber eine der sympathischsten Personen des Buches ins Spiel bringt, weist ebenfalls darauf hin, dass es Wieninger nicht eigentlich um eine stringente Krimihandlung geht, sondern um die Darstellung der österreichischen Verhältnisse in all ihren Facetten. Eine greise Kommunistin beauftragt Miert herauszufinden, wo ihr desertierter Bruder 1945 geblieben ist, um ihn würdig zu begraben. Dazu kommt eine verworrene Intrige, die die Machtverhältnisse in der Polizeihierarchie umwerfen soll, aber genauso wenig zu einem Ergebnis führt wie die anderen drei Erzählstränge.

Die stärksten Momente des Romans sind die Schilderung des Mordes an einem Obdachlosen, orchestriert von besagtem rechtsradikalen Abgeordneten, in dessen Diensten Miert bis zu diesem Zeitpunkt steht, und die Erinnerung von Miert an einen ähnlichen Vorfall in seiner Jugend, den er aber durch Eingreifen abwendete, als sein Freund Peter ("mager wie die Sozialhilfe") von rechtsradikalen Rockern mit Ketten verprügelt wurde. Doch heute greift Miert nicht ein, auch nicht gegen die neu gegründete Bürgerwehr, die gegen Obdachlose, tschetschenische Flüchtlingsfrauen und Migranten tätig ist. Er schaut dem Treiben ohnmächtig zu.

Schließlich passiert ein Mord in einer Siedlung, ein so genannter "Schlitzer" tötet Frauen, Miert ermittelt, die Bürgerwehr greift ein und alle außer Miert verdächtigen einen - natürlich unschuldigen - Jugoslawen: "So fidel, dachte ich, geht es nicht auf jedem Pogrom zu, so etwas ist auch nur bei uns möglich." Die Auflösung erfolgt ohne Spannungsbogen, aber darauf kommt es in dieser Geschichte ja auch nicht an. Es ist ein witziges und bitteres Buch über die österreichischen Zustände, dessen Autor anscheinend nicht den Mut hatte, die klassische Struktur des Kriminalromans über Bord zu werfen.

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