krimis in Europa
n°8 Februar-März-April 2007

 

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Rache sollte kalt genossen werden

The Art of Drowning
Frances Fyfield

Little Brown, 2006, 372 z.

Sue Neale
Übersetzung: Michael Koltan

 

A. N. Wilson hat Frances Fyfield als "die beste weibliche Krimiautorin hierzulande" beschrieben. Von Beruf Anwältin, untersucht sie in ihrem jüngsten Roman, The Art of Drowning, das Verhältnis von Rache und Gerechtigkeit.

Als ein Richter Morddrohungen bekommt, nimmt er an, dass sie von Angeklagten kommen, die er nicht vor dem Gefängnis bewahrt hat. Die Wahrheit liegt jedoch viel näher. Der jüngste Roman Fyfields ist ein spöttischer Thriller mit bedrohlichen Untertönen, die von Anfang an mitschwingen. Erst beim wiederholten Lesen erschließt sich, wie klug Fyfield Spannung aufbaut, indem sie winzige Anspielungen auf Verhaltensweisen oder die Vergangenheit einstreut, die der bewussten Aufmerksamkeit leicht entgehen können. Von Anfang an weiß der Leser, dass Gefahr und Unheil in den dunklen Schatten unserer Vorstellungen lauern. Einige Figuren werden in der ersten Person präsentiert, andere in der dritten, und man kann nie ganz sicher sein, welche Motive die Einzelnen haben oder wie sie zueinander stehen.

Carl, der Richter, lebt mit seinem 19jährigen Sohn in London, wie der Polizist Donald Cousins, der ohne große Begeisterung die Morddrohungen untersucht. Rachel, eine langweilige Buchhalterin, die in der Stadt arbeitet, entwickelt immer mehr Freude an der Familie ihrer Freundin Ivy, die auf dem Land lebt. Weil sie unbedingt dazugehören will, missachtet Rachel die sich häufenden Anzeichen dafür, dass Äußerlichkeiten trügen können. Sie glaubt aufrichtig, zu helfen, als sie Kontakt zu Ivys Ex-Mann Carl aufnimmt. Tatsächlich verhält sie sich genau so, wie Ivy und ihre Eltern es wollen. In aller Unschuld handelt sie als Werkzeug, um diese darin zu unterstützen, Rache für den Unfalltod ihrer Tochter (und ihrer Enkelin) vor zehn Jahren zu nehmen. Unglücklicherweise handeln Ivy und ihre Eltern als Richter und Geschworene zugleich und überantworten Carl seiner Strafe (Tod durch Strangulation und Ertrinken) allein wegen seines Mangels an Fürsorge. Schließlich versuchen sie, auch Rachel auf eine Weise umzubringen, die keine Spuren zurücklassen soll, doch sie überlebt und trägt dazu bei, ihre Pläne zunichte zu machen. In einem letzten Dreh erschießt Ivys Vater - ein Bauer, der nie etwas anderes als ein krankes Tier getötet hat - seine Tochter, um deren Mordorgie zu beenden.

Indem sie sich auf seltsame Charaktere konzentriert, die auf einem Bauernhof leben und zunächst ganz normal wirken, schafft Fyfield es, das Landleben bedrohlich und gefährlich erscheinen zu lassen, vor allem für die Mehrheit der Leser, die in einem städtischen Umfeld leben. Die lächelnde Erdmutter, die Wärme und Unterstützung schenkt, ist in Wirklichkeit die Hexe aus dem Knusperhäuschen. Der Tod ist auf dem Land immer präsent; hier kommt er jedoch aus einer unerwarteten Ecke. Indem sie das Landidyll auf den Kopf stellt, stellt Fyfield auch die Vorurteile über Wärme und Großzügigkeit ländlicher Familien in Frage.

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