Wie auf einem russischen Berg
El disparatado
círculo
de los pájaros borrachos*
(12. Preis "Premio de Novela
Lengua de Trapo")
Juan-Aparicio Belmonte
Verlag Lengua de Trapo, 2006Lengua de Trapo,
2006, 256 Seiten
Javier Sánchez Zapatero
Übersetzt
von Sarah Florence Gabler
Der
Romanpreis "Lengua de Trapo" gehört zu einer der wenigen Auszeichnungen
in der spanischen Literaturszene, die mehr auf Qualität und kreative
Brillanz setzt, als auf Verkaufszahlen und Opportunismus. Wie die bis
heute insgesamt zwölf ausgezeichneten Werke unter Beweis stellen,
hat der Preis immer auf originelle und erneuernde Literatur gesetzt
und damit dazu beigetragen, junge und mutige Autoren bekannt zu machen.
Während
der Preis vergangenes Jahr an " Caja Negra ", das außergewöhnliche
Erstlingswerk von Pablo Sánchez, ging, das originell das künstlerische
Schaffen in Zeiten der Postmoderne transparent reflektiert, ging die
diesjährige
Auszeichnung an Der fabelhafte Kreis der trunkenen
Vögel (El
disparato círculo de los pájaros borrachos), einen
großartigen Roman, der die guten Manieren seines Autor, Juan Ignacio
Aparicio-Belmonte, bestätigt, die er in seinen beiden ersten Werken
(Mala suerte und López
López) bereits
bewiesen hatte.
Der Ausgangspunkt der Geschichte ist die
Festnahme eines extravaganten Schriftstellers, der einige Wochen vor
der Veröffentlichung seines
neuen Werkes beschuldigt wird, zwei Morde aufgrund einer einstigen Liaison
mit einer Polizistin begangen zu haben. Trotz alledem und wider jede Erwartung,
die mit der Lektüre der ersten Passagen aufkommen mag, entwickelt
die Erzählung sich nicht entsprechend den geltenden Parametern der
Kriminalliteratur. De facto wird der erste Ausgangspunkt der Handlung
schnell von den Richtungswechseln eines unterhaltsamen, nachdenklichen
und spannenden Erzählverlaufs eingeholt. Auf Schwindel erregende
Weise wechseln die Szenarien und die Personen sich ab, die Wirklichkeit
und Fiktion miteinander verschmelzen lassen.
Der Schriftsteller beweist, dass er sein
Handwerk beherrscht und auch das Tempo der Erzählung im Griff hat. Er flicht immer wieder überraschende
Momente in den Handlungsverlauf ein, so dass der Roman von seiner Struktur
lebt, die ihr Ende dort nimmt, wo die Geschichte begonnen hat, nachdem
verschiedene Szenarien und Erzählstränge durchlebt wurden. Von
Gottheiten Entsandte, die zur Erde reisen, um seltsame, apokalyptische
Phänomene während der Pause eines American-Football-Spiels anzukündigen.
Konspirative, von bösartigen Putzfrauen ersonnene Intrigen gegen
Forschungsstipendiaten eines Elitewissenschaftszentrums. Präsidenten,
die sich aufgrund eigenartiger Flecken am Körper in Komplexen verlieren.
Und schließlich tauchen noch Personen aus einigen vorhergehenden
Werken auf. Eine sich perfekt zusammenfügende Struktur entsteht,
die Aparicio-Belmonte erlaubt, eine metafiktionale Übung hinzulegen,
in der alles darauf hinausläuft vom Leser hinfragt zu werden.
Der Roman sticht darüber hinaus nicht nur aufgrund seiner Struktur
hervor, sondern besticht auch durch seine Leichtigkeit, die sich über
die anfängliche Schwierigkeit hinwegsetzt, sich in eine nicht einzuordnende
Handlung hineinzufinden, wo nichts ist wie es scheint und alles auf eigensinnige
Weise aufeinander folgt. In einem erfrischenden, ironischen Ton verfasst,
der sich bis zur Perfektion an das satirische Ansinnen, das den gesamten
Roman umspannt, anpasst und dessen exzentrische Handlungsstränge
vor allem dazu dienen, eine unerbittliche und unehrerbietige Kritik an
der heutigen Gesellschaft zu üben - und insbesondere an der aktuellen
politischen Situation Spaniens, die Aparicio-Belmonte mit beißendem
Humor entschlüsselt -, gehört Der fabelhafte
Kreis der trunkenen Vögel zum Reizvollsten und Originellsten, was die derzeitige
Literatur und sein Autor zu bieten haben. Ein Autor, dem man in unmittelbarer
Zukunft besondere Aufmerksamkeit widmen sollte.
* Der
fabelhafte Kreis der trunkenen Vögel.