krimis in Europa
n°9

 

>> Rezensionen

Garden of love
Marcus Malte

Zulma, 2007, 318 z.

Corinne Naidet
Übersetzung: Unda Hörner

 

Garden of Love, so lautet der Titel eines anonymen Manuskripts, welches Alexandre Astruc, seit dem Tod seiner Frau und seiner Kinder ein unermüdlicher Kriminalbeamter, in der Post findet. Astruc beginnt das Buch zu lesen, und schnell wird ihm klar, wer der Verfasser ist: Ariel Dayms, Hauptverdächtiger in einer Mordserie, die niemals aufgeklärt wurde. Mit Verblüffung muss Astruc feststellen, dass die Geschichte die seines eigenen Lebens erzählt, wenngleich die Karten neu gemischt wurden und die Figuren auch mit Dayms zu tun haben. Nicht zu vergessen Matthieu und Edouard, zwei unzertrennliche Freunde: sie scheinen ihrem Schöpfer sehr nahezustehen, literarische Klone seiner Person.

Alexandre, ganz aufgewühlt durch dieses Manuskript , will Kontakt mit Dayms aufnehmen, doch der wird tot in seinem Haus aufgefunden, er hat sich umgebracht. Überzeugt, dass das Dokument eine letzte Rache dieses diabolischen Geistes ist, wendet sich Astruc an die Einzige, die ihm noch helfen kann: an seine Schwägerin Marie.

Ein machiavellistischer Roman: Der Leser findet sich in einem Spiegelkabinett wieder, in dem die verzerrte Wirklichkeit niemals ist, was sie noch zwei Seiten zuvor zu sein schien. Es gibt viele Wahrheiten, nicht nur eine einzige. Die Figuren selbst sind von wechselnder Gestalt, Gesichter, die man augenblicklich beim Lesen zu erkennen glaubt und die im nächsten Kapitel wieder entgleiten. Ein Buch über die metaphorische Kraft der Literatur: Wo beginnt die Fiktion, wo endet die Wirklichkeit? Die Wirklichkeit gibt es nicht, alles liegt in der Hand ihres Schöpfers, dem Schriftsteller . Er manipuliert den Leser auf gleiche Weise wie seine Figur Ariel, er stellt immer mehr Fallen, legt weitere falsche Fährten aus. Die Wirklichkeit ist trügerisch, und wer die Fäden entwirren kann, die der Autor so gern verwickelt, muss schon sehr schlau sein.

Ein großer, wunderbar geschriebener Roman der Vielstimmigkeit. Marcus Malte zeigt hier sein ganzes Können. Behutsam gestaltet er die allerschwärzesten Seelen, und der Poet kommt gerade dann zum Ausdruck, wenn es um die Schilderung größter Schrecknisse geht. Ein paar wenige Worte, eine Volte, er beleuchtet Schicksale, die das Unglück gezeichnet hat: " Die einzelnen Töne von Schuberts Musik erklangen und erstarben zugleich, sie hauchten all ihre Kraft aus. Düfte und Farben. Und mitten auf diesem Feld des Flüchtigen führten unsere.

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