The Grounds*
Cormac Millar
Penguin, Ireland, 2006, 369 Z.
Claire Gorrara
Übersetzung: Kerstin Schoof
The
Grounds ist
Cormac Millars zweites Buch, in dem der Ermittler Séamus Joyce die Hauptrolle spielt. Wie sein Vorgänger - An
Irish Solution - ist The Grounds in Dublin angesiedelt
und setzt sich mit irischer Geschichte, Politik und Kultur auseinander,
um hierbei Sebstgefälligkeiten und Korruption dieses neuen Tigerstaates
zu untersuchen. Im Mittelpunkt steht die fiktionale Universität King's
College, wo die Auswirkungen der "Reformen" in der Hochschulbildung sichtbar
gemacht werden, die Irland in den letzten Jahrzehnten heimgesucht haben.
Beißend satirisch konstruiert Millar eine Kriminalerzählung,
in der geldgierige Universitätsvertreter, Industrie, Geschäftemacher
und die fortschreitende Kommerzialisierung des Hochschulwesens nach
amerikanischem Vorbild eine Rolle spielen.
Fokus des Romans ist der Protagonist Séamus Joyce, der als Millars "wandernde
Perspektive" einen verbitterten Blick auf die irische Gegenwart werfen
kann, da er als ehemaliger Direktor der Drogenpolizei wegen übler
Geschäfte in Ungnade gefallen ist, und nun im Ausland lebt. Jetzt
agiert er als Abgesandter und Berater der Firma Finer Small Campuses
of the Western World TM und ist zugleich Komplize und Kritiker des
Abbaus von akademischer Integrität, die er beobachtet. Von seinen
amerikanischen Auftraggebern geschickt, um die Rentabilität des Kaufs
von King's College zu beurteilen, bedauert er den Verlust des von ihm
so hoch geschätzten bisherigen Universitätsmodells. Aber er
muss auch einsehen, dass das, was vom College ohne externe Finanzierung übrig
bleiben würde, vom Aussterben bedroht wäre.
Der düster-komische Ton des Romans erklärt
sich daraus, dass Cormac Millar seinen roman noir über
die Prostitution der irischen Hochschulbildung vor dem Hintergrund
eigener Erfahrungen schreibt. Der wahre Cormac ÓCuilleanáin
ist anerkannter Romanist und Universitätsdozent am Trinity College
in Dublin und somit jemand, der sich selbst mit dramatischen Veränderungen
in seinem Berufsleben auseinander setzen muss. Obwohl dem Roman das
altbekannte "Dieser Roman
ist rein fiktiv. Namen, Charaktere, Orte und Begebenheiten sind entweder
das Produkt der Fantasie des Autors oder werden auf fiktive Weise verarbeitet" vorangestellt
ist, macht das Wiedererkennen von Charakteren einen großen Teil
seines Reizes aus. Charaktere, die real erscheinen, weil man sie aus
Campusromanen kennt (zum Beispiel David Lodge), oder aus dem wahren
Leben zu entspringen scheinen: der selbstherrliche Akademiker, der
in die Verwaltung gegangen ist; der gescheiterte Akademiker - mittlerweile
Alkoholiker - der
sich in der College Bar einen hinter die Binde kippt; oder der einzelgängerische
Gelehrte, der nichts mit der aktuellen Begeisterung für Kooperation
und Forschungsgehälter anfangen kann. Nichts hiervon lenkt jedoch
von der Schnelligkeit und dem Plot des Romans ab: von grausigen Morden,
sexuellen Intrigen, familiären Loyalitätskonflikten
und in der Ferne begangenen Kriegsverbrechen, die zu ihren Urhebern
in die Heimat zurückkehren. Komik und Tragik halten sich die Waage,
und als Leser ist man manchmal unsicher, wie man auf Millars schwarzen
Humor reagieren soll, wenn beispielsweise eine der Figuren mit einer
Fahnenstange samt Universitätsflagge zu
Tode geprügelt wird. Nach seinem Ausflug in die irische Medikamentenaufsichtsbehörde
(An Irish Solution) und in die Welt der Hochschulen
in The
Grounds, wird es ein Vergnügen sein zu sehen, welchen Aspekt
der irischen Gesellschaft Millar als nächstes unter die Lupe nimmt.