Patrick Pécherot Nebel am Montmartre
Edition Nautilus
192 Seiten, 14.95 Euro
Paris 1926: „Pipette", ein junger,
heruntergekommener Möchtegern-Poet aus der südfranzösischen Provinz, hält sich
mit Gelegenheitsjobs und Leseauftritten in Kneipen über Wasser. Als er sich mit
den Kleinganoven Lebœuf, Raymond und Cottet einlässt, nehmen die Scherereien ihren Lauf: Was
ein routinemäßiger Einbruch bei einem Fabrikbesitzer werden sollte, endet mit
dem Fund einer Leiche - in dessen Tresor. Welchen Machenschaften war der
Sensationsjournalist Rouleau auf der Spur, die zu seiner Ermordung geführt
haben? Hat er den reichen Grafen de Klerq erpresst? Bald schon wird auch dieser
erschossen aufgefunden ...
Pipette stellt Recherchen an, um das
Gaunerquartett aus seiner misslichen Lage zu befreien, und befreundet sich als
erstes mit Pauline, dem Dienstmädchen des Toten, die prompt der Witwe de Klerq nahelegt,
ausgerechnet den umtriebigen Poeten mit detektivischen Ermittlungen zu
beauftragen.
Patrick Pécherots Roman ist ein Krimi der
alten Schule, der die sozialen Klassen und Schichten im Paris der
Zwischenkriegszeit beschreibt und seinen Hochstapler Pipette durch die
verschiedensten Lebenslagen und zu den unterschiedlichsten Bewohnern der Stadt
führt. Als herausragende Nebenfigur tritt André Breton auf, der den Dichter an
seinen surrealistischen Stammtisch im „Cyrano" einlädt - und zu einer
stilistischen Revolution in Pipettes Versen beiträgt, die dessen reguläres Kneipenpublikum
nicht gerade goutiert. Breton ist es auch, der die Ganoven zum Showdown auf den
Friedhof begleitet, bevor diese dem Hintergrund des Mordes in
Wirtschaftsschiebereien nach Ende des Ersten Weltkriegs immer näher kommen.
Angelehnt an die Krimis von Léo Malet lässt
Pécherot ein nostalgisches Paris auferstehen, das er mit überbordenden
Milieuschilderungen anreichert und damit insgesamt leider etwas übersättigt. In
einem eher leichten Ton gehalten, sorgt Nebel
am Montmartre weniger für Spannung als für Amusement angesichts seines
tollpatschigen Antiheldens Pipette und dessen Gaunerbande. In der Tradition des
französischen Néopolar siedelt Pécherot den Hintergrund des Verbrechens in
einer Gemengelage aus politischen und wirtschaftlichen Interessen an, die
allerdings kaum vertieft werden - ein Roman, der gute Ideen und witzige Momente
hat, seine vielversprechenden Ansätze
jedoch oftmals nicht zur Gänze ausbaut. Da die Edition Nautilus die Übersetzung
einer Paris-Trilogie des Autors plant, darf man gespannt sein, ob die
angekündigten Folgebände Belleville-Barcelona
und Boulevard der Irren das
kriminalistische Potenzial Pécherots vielleicht doch noch etwas weiter
entwickeln.
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