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Patrick Pécherot Nebel am Montmartre Convertir en PDF Version imprimable
Écrit par Kerstin Schoof   
06-05-2010

 Patrick Pécherot Nebel am Montmartre

Edition Nautilus

192 Seiten, 14.95 Euro

ImageParis 1926: „Pipette", ein junger, heruntergekommener Möchtegern-Poet aus der südfranzösischen Provinz, hält sich mit Gelegenheitsjobs und Leseauftritten in Kneipen über Wasser. Als er sich mit den Kleinganoven Lebœuf, Raymond und Cottet einlässt, nehmen die Scherereien ihren Lauf: Was ein routinemäßiger Einbruch bei einem Fabrikbesitzer werden sollte, endet mit dem Fund einer Leiche - in dessen Tresor. Welchen Machenschaften war der Sensationsjournalist Rouleau auf der Spur, die zu seiner Ermordung geführt haben? Hat er den reichen Grafen de Klerq erpresst? Bald schon wird auch dieser erschossen aufgefunden ...

Pipette stellt Recherchen an, um das Gaunerquartett aus seiner misslichen Lage zu befreien, und befreundet sich als erstes mit Pauline, dem Dienstmädchen des Toten, die prompt der Witwe de Klerq nahelegt, ausgerechnet den umtriebigen Poeten mit detektivischen Ermittlungen zu beauftragen.

 

Patrick Pécherots Roman ist ein Krimi der alten Schule, der die sozialen Klassen und Schichten im Paris der Zwischenkriegszeit beschreibt und seinen Hochstapler Pipette durch die verschiedensten Lebenslagen und zu den unterschiedlichsten Bewohnern der Stadt führt. Als herausragende Nebenfigur tritt André Breton auf, der den Dichter an seinen surrealistischen Stammtisch im „Cyrano" einlädt - und zu einer stilistischen Revolution in Pipettes Versen beiträgt, die dessen reguläres Kneipenpublikum nicht gerade goutiert. Breton ist es auch, der die Ganoven zum Showdown auf den Friedhof begleitet, bevor diese dem Hintergrund des Mordes in Wirtschaftsschiebereien nach Ende des Ersten Weltkriegs immer näher kommen.

 

Angelehnt an die Krimis von Léo Malet lässt Pécherot ein nostalgisches Paris auferstehen, das er mit überbordenden Milieuschilderungen anreichert und damit insgesamt leider etwas übersättigt. In einem eher leichten Ton gehalten, sorgt Nebel am Montmartre weniger für Spannung als für Amusement angesichts seines tollpatschigen Antiheldens Pipette und dessen Gaunerbande. In der Tradition des französischen Néopolar siedelt Pécherot den Hintergrund des Verbrechens in einer Gemengelage aus politischen und wirtschaftlichen Interessen an, die allerdings kaum vertieft werden - ein Roman, der gute Ideen und witzige Momente hat, seine  vielversprechenden Ansätze jedoch oftmals nicht zur Gänze ausbaut. Da die Edition Nautilus die Übersetzung einer Paris-Trilogie des Autors plant, darf man gespannt sein, ob die angekündigten Folgebände Belleville-Barcelona und Boulevard der Irren das kriminalistische Potenzial Pécherots vielleicht doch noch etwas weiter entwickeln.

Dernière mise à jour : ( 06-05-2010 )
 
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