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Leonardo Oyola: Chamam PDF Drucken
Geschrieben von Grizel Delgado   
Montag, 28 Juni 2010

Leonardo Oyola: Chamamé

Madrid: Salto de página, 2007. 214 S. 16,95 EUR.


Aus dem Spanischen von Doris Wieser 

ImageLeonardo Oyola (Buenos Aires, 1973), der bereits mehrere Erzählungen und Romane in Argentinien veröffentlicht hatte, setzte sich dafür ein, dass seine Romane auch in Spanien publiziert wurden. Sein Beharren hat sich gelohnt. Chamamé, sein erster bei einem spanischen Verlag (Salto de página) erschienener Roman, gewann 2008 auf der Semana Negra de Gijón den Premio Hammett.

In Chamamé erzählt Oyola die Geschichte zweier Freunde, die eigentlich nichts Besonderes an sich hätte, außer dass es sich dabei um zwei Verbrecher handelt, in deren Lebensweise die Einhaltung eines Verhaltenskodex wichtiger als moralisches Handeln ist. Diese Freundschaft, die in einer gewaltvollen und ernüchternden Welt versinkt, wird verraten, weswegen einer der beiden Kriminellen Rachegefühle entwickelt.

Pastor Noé und Perro (der "Hund") sind zwei Verbrecher, deren Schicksal sich aus Zufall unauflöslich miteinander verbindet. Durch Perros Perspektive lernen wir das Leben von Pastor Noé kennen, einem Mann, der im Gefängnis Gottes Wort erhört und dadurch nicht länger ein ganz gewöhnlicher Bursche ist, sondern fanatisch, gewalttätig und gefühllos wird. Der Pastor, der vorher ein "normaler" Mann gewesen ist, verwandelt sich nicht nur in den idealen "Geschäftspartner" des Perro, sondern auch in dessen engen Freund. Sie bilden zusammen ein gutes Verbrecherteam, jedoch haut der Pastor bei einer Gelegenheit den "Hund" übers Ohr und behauptet, Gott habe ihm gesagt, was er mit der Beute anstellen soll. Von da ab zerfressen den Perro immer heftigere Rachegelüste. Im Laufe des Geschehens zeigt dieser Drang nach Vergeltung, dass der Perro ebenso furchtbar wie der Pastor sein kann. Trotz der Brutalität ihrer Handlungen erwecken beide Figuren auch Mitleid im Leser, der nach und nach Bruchstücke aus ihrer Vergangenheit kennenlernt und so erfährt, wie zerbrechlich und einsam sie eigentlich sind.

Chamamé ist ein aktionsreicher Roman mit schnellem Rhythmus, der es dem Leser ermöglicht, die Vorgänge sehr nahe mitzuverfolgen. Er zeichnet sich außerdem durch die Art und Weise aus, wie er die Handlung mit Elementen der Populärkultur verbindet. Einige Verse aus Popsongs fließen direkt in die Dialoge ein und in ein paar Refrains steckt sogar der Schlüssel zur Interpretation des Romans. Der Song des Spaniers Miguel Mateos, "Llámame si me necesitas" (dt. "Ruf mich an, wenn du mich brauchst"), der von Freundschaft handelt und dem Roman seinen Titel gibt (1), taucht in einem entscheidenden Moment der Handlung auf.

Oyola legt mit Chamamé einen Roman vor, der durch seine Geschwindigkeit, seine Brutalität, seine harte Sprache und die virtuose Weise, dies alles zu dosieren, von Anfang bis Ende fesselt.

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(1) Der Romantitel spielt außerdem auf einen volkstümlichen Tanz an, der typisch für die argentinische Provinz Corrientes ist.


Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 31 Oktober 2010 )
 
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