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Rosa Ribas: La detective miope (Die kurzsichtige Detekivin) PDF Drucken
Geschrieben von Empar Fernndez   
Sonntag, 31 Oktober 2010

Rosa Ribas: La detective miope (Die kurzsichtige Detektivin)

Barcelona: Viceversa, 2010, 179 págs. 14,50 €


Aus dem Spanischen von Doris Wieser

Rosa Ribas geht in ihrem neuen Kriminalroman, La detective miope (Die kurzsichtige Detektivin), von Duncan Watts' Theorie der "Sechs Grade der Trennung" (Six Degrees: The Science of a Connected Age, 2004) aus, derzufolge jeder Bewohner der Erde in einer Kette von Personen, die sich kennen oder voneinander wissen, durchschnittlich sechs Schritte von jedem beliebigen anderen Individuum getrennt ist.

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Die Detektivin Irene Ricart wird in die Psychiatrie eingeliefert, nachdem ihr Mann (ein Ermittler der Polizei), und ihre Tochter Alicia erschossen wurden. Auf halbem Wege zu Vernunft und gesundem Menschenverstand liest Irene zufälligerweise eine Reportage über die Theorie der "Sechs Grade der Trennung" und kommt auf die abwegige Idee, dass sie die Mörder von Víctor und Alicia finden wird, wenn es ihr gelingt, sechs Fälle zu lösen. Mithilfe einer fast besessenen Ordnung und einem programmartigen Tagesablauf, gelingt es Irene, das Ärzteteam von ihrer Genesung zu überzeugen. Sie ergattert daraufhin eine Anstellung in der äußerst unkonventionellen Detektivagentur, "Detectives Marín", die von Miguel Marín geleitet wird.

Mit dem über weite Strecken bitteren und zweitweise lustigen Roman gelingt Rosa Ribas das, was sich Kriminalschriftsteller mühsam erarbeiten müssen: einen Protagonisten zu erschaffen, der sich von anderen absetzt, eine unverwechselbare Ermittlerfigur mit eigener Handschrift. Irene Ricart versucht den Schlag zu überleben, durch den sie in wenigen Tagen alles verlieren wird (in den Tagen der Agonie vor Alicias Tod). Sie nimmt die Zügel in die Hand, verwandelt den Schmerz in körperliches Leid, das sich durch eine schnell voranschreitende Abnahme ihrer Sehkraft ausdrückt und sie in Blindheit zu stürzen droht.

Die ungewöhnliche Detektivin, die immer weniger sieht, löst fünf aufeinanderfolgende Fälle in der Überzeugung, auf diese Weise letztendlich die Täter zu finden, die die Schüsse abgefeuert und damit ihr Leben zerstört haben. Die Fälle sind kurios, häufig mit Humor und Ironie gespickt und wecken Interesse und Neugier beim Leser. Jedoch werden die Morde an Irenes Mann und Tochter auf überraschende Weise durch alte Bekannte gelöst. Das Ende der Geschichte der verzweifelten Irene Ricart ist süßsauer, wie der ganze Roman und wie fast immer auch das Leben.

Wenn an diesem originellen Kriminalroman, der von den esten Seiten an fesselt, etwas zu tadeln ist, dann dass die Einarbeitung der Theorie der "Sechs Grade der Trennung" Lücken aufweist und Erwartungen weckt, die die Handlung nicht erfüllt.

Äußerst empfehlenswert.

Letzte Aktualisierung ( Montag, 08 November 2010 )
 
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