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Ian Rankin -Der Held ist mde PDF Drucken
Montag, 13 Dezember 2010

Der Held ist müde

Interviewmit Ian Rankin

Von Corinne Naidet

Bei der Übersetzung aus dem Englischen half Marie-Anne Lucas

Aus dem Französischen von Andrea Stephani

 

exit music ian rankinIan Rankins Figur John Rebus bleiben nur wenige Tage. Nicht, dass er ist unheilbar krank wäre oder von einem seiner zahlreichenFeinde ermordet würde, nein: In Exit music (Editions du masque, 2010, dt.: Ein Rest von Schuld, Goldmann Verlag, 2010) geht Rebus in den Ruhestand. ZehnTage vor diesem schicksalsschweren Ereignis bekommt sein Team es mit einer neuen Ermittlung zu tun: Ein russischer Dichter und Dissident wurde zu Tode geprügelt in der Nähe eines Parkhauses aufgefunden. Politisches Verbrechen, Racheakt oder Raubmord? 

Rebus, widerborstig wie eh und je, verscherzt es sich sogleich mit seinen Vorgesetzten, die ihn wider Erwarten nicht mit demFall betrauen. Da haben sie die Rechnung aber ohne Rebus‘ Hartnäckigkeit gemacht, der, unterstützt von seiner unersetzlichen Assistentin Siobhan Clarke,bis zum Schluss alles in seiner Macht Stehende tun wird, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Auch deshalb weil sein persönlicher Widersacher Ger Cafferty nach einem Überfall zwischen Leben und Tod schwebt.

Jetzt ist er also ein letztes Mal am Werk, dieser faszinierende und leicht in Rage zu bringende Polizist, der uns seit nunmehr zwanzig Jahren und siebzehn Buchtiteln auf seinen Wegen durch die Straßen seiner Lieblingsstadt Edinburgh mitnimmt. Die Romane haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt, von einer zunächst recht klassischen Vorgehensweise hin zu stärker an gesellschaftlichen Themen orientierten Romanen, in denen Rebus nicht mehr antrat, um von einer Ermittlung zu berichten, sondern vom Zustand der Gesellschaft, in der er sich quer durch alle Schichten bewegt. Und doch genießt man die raffiniert zusammengestellten Plots und die vielen überraschenden Wendungen, die Ian Rankin klug in seine Geschichten einbaut.

Das ist auch bei Exit Music nicht anders, und der schottische Autor erfreut uns mit einer flotten, dynamischen Erzählung, die im Gegensatz zu der Melancholie und Wehmut steht, die zunehmend von seiner Figur Besitz ergreifen. Doch Musikfan Rebus weiß: It’s only rock’n roll!

Ian Rankin war so freundlich, uns anlässlich des Erscheinens von Exit Music in Frankreich ein paar Fragen zu beantworten.

Wir danken seiner französischen Verlegerin Marie Caroline Aubert für die Erlaubnis zu diesem Interview.

Europolar: John Rebus tritt in 17 Romanen auf. Wo liegen in Ihren Augen die Vor- und Nachteile einer so häufig wiederkehrenden Figur, zumal über einen so langen Zeitraum?

Ian Rankin: Der erste Roman, in dem Rebus in Erscheinung tritt, wurde 1987 veröffentlicht, der letzte 2007, und innerhalb dieser Zeit entwickelt sich Rebus in Echtzeit. Das gab mir die Möglichkeit, mich gründlich mit den Veränderungen in Schottland und Edinburgh zu befassen, die in diesem Zeitraum stattgefunden haben. Auch Rebus selbst hat sich von Buch zu Buch weiterentwickelt. Wir bekommen mit, wie er älter wird, desillusionierter, und wie er an dem Vorhaben scheitert, die Welt zu einem sichereren Ort zu machen. Sein ganzes Leben spielt sich vor unseren Augen ab. Das alles in einem Buch zu bewerkstelligen, wäre nicht möglich gewesen. Nachteile, die das Schreiben einer Reihe möglicherweise mit sich bringt, habe ich, ehrlich gesagt, nicht viele entdeckt. Für all die Themen, denen ich auf den Grund gehen wollte, war der Kriminalroman mit dem Schauplatz Edinburgh gut geeignet.

Eur: Als Sie sich Rebus ausgedacht haben, wollten Sie da einen möglichst wirklichkeitsnahen Polizisten schaffen oder eine Idealfigur?

I.R.: Als ich mir Rebus ausgedacht habe, kam mir überhaupt nicht in den Sinn, dass er länger als ein Buch lang existieren könnte. Er war ein Vehikel, um eine Geschichte zu erzählen und den Leser durch diese Geschichte hindurch zu führen. Meiner Meinung nach war er eher zweidimensional. Nach drei oder vier Büchern merkte ich, dass ich ihn in seiner Eigenschaft als komplexes menschliches Wesen, als dreidimensionale Figur jetzt erst wirklich kennenlernte.

Eur: Sie sagen oft, dass Sie von Rebus sprechen wollten, wie man von einer Stadt, beispielsweise Edinburgh, spricht. Haben Sie deshalb nie sein Äußeres beschrieben?

I.R.: Mir gefällt die Vorstellung, dass meine Leser meinen Figuren Gestalt verleihen: Sie geben Rebus ein Gesicht und ebenso Siobhan. Ich sehe, was in den Figuren vorgeht, wie sie aussehen, weiß ich nicht. Ich bin in ihnen und blicke hinaus.

Eur: Ein zentrales Thema ist auch Edinburgh. Warum bedienen Sie sich des Kriminalromans, um von dieser Stadt zu erzählen?

I.R.: Edinburgh ist wie Jekyll and Hyde. Die Stadt, die der Tourist zu sehen bekommt, ist nur ein Teil eines vielschichtigeren Ganzen. Hinter der prächtigen Architektur sieht man sich plötzlich ganz realen gesellschaftlichen Problemen gegenüber. Der Kriminalroman gibt mir die Möglichkeit, gleich beide zu erkunden: die Stadt voller Reichtum und Stil wie auch die Stadt der Ausgegrenzten und Kriminellen.

Eur: Es scheint, als hätten Sie sich den ersten Rebus-Roman nur deshalb ausgedacht, damit Sie ihn in der Bibliothek, dem alten Gericht, enden lassen und das ganze alte Edinburgh beschreiben können.

I.R.: Edinburgh bietet eine Fülle wunderbarer Handlungsrahmen. Wann immer ich einen mir bis dahin unbekannten Teil der Stadt entdecke, möchte ich, dass auch die Leser ihn entdecken können. Während meines Hauptstudiums nahm ich an einer Besichtigung der Tunnel unterhalb der Bibliothek teil und dachte damals: Wie gemacht für eine Verfolgungsjagd.

Eur: Können Orte einen Schriftsteller prägen?

I.R.: Die besten Kriminalromane geben dem Leser die Möglichkeit, sich einen Ort hautnah vorzustellen – denken Sie an das Los Angeles von Chandler, an das Barcelona von Montalbán, an das Paris von Léo Malet oder auch an das Stockholm von Sjöwall und Wahlöö. All diese Autoren waren von ihren Städten fasziniert. Sie haben sie zu ihrem Tummelplatz gemacht und sie mit kindlichem Staunen erforscht.

Eur: Ich drehe die Frage um: Können Schriftsteller Orte auf unvergessliche Weise prägen? Sie nennen Edinburgh eine schizophrene Stadt, so wie Jekyll und Hyde.

I.R.: Ein Autor kann in einer Stadt seine Spuren hinterlassen. Man kann heutzutage an einer Trainspotting-Stadtführung durch das Edinburgh von Irvine Welsh teilnehmen. In Stockholm begeben die Fans sich auf die Suche nach den Orten in den Romanen von Stieg Larsson. Tatsächlich kann die Art und Weise, wie Leser eine Stadt sehen, durch ihre Lektüre beeinflusst werden. Edinburgh ist eine Schriftstellerstadt. Der Bahnhof (Waverley) ist nach einem Roman von Walter Scott benannt. Das Scott-Denkmal ist der Orientierungspunkt im Stadtzentrum. Denkmäler erinnern auch an Robert Louis Stevenson und Arthur Conan Doyle. Es gibt sogar ein Schriftstellermuseum.

Eur: Es verwundert Sie, dass man Ihren zweiten, 1987 erschienenen Roman als Kriminalroman eingestuft hat. Was dachten Sie denn, in welchem Genre Sie schreiben?

I.R.: Das Schottische hat zwar keine Krimitradition, aber es gibt eine Menge Romane, die sich mit Verbrechern beschäftigen (die meisten davon spielen in Glasgow) und zahlreiche sehr schwarze Psycho-Gothic-Thriller. Meinem Eindruck nach war dies die Art Buch, die ich selbst auch schrieb.

Eur: Um bei Ihren frühen Büchern zu bleiben, in Verborgene Muster (Knots and Crosses) gibt es nicht die leiseste musikalische Anspielung, obwohl sie Musikliebhaber sind. In den folgenden Büchern zitieren Sie jede Menge Bands und Musiktitel, die Ihnen gefallen … Wie kommt es zu dieser Entwicklung? Oder besser: Warum haben Sie die Musik nicht von Anfang an einbezogen?

I.R.: In den ersten zwei oder drei Romanen hört Rebus ein wenig Jazz und sogar klassische Musik. Aber andere Krimiautoren haben dasselbe gemacht: Colin Dexters Inspektor Morse liebt Klassik, John Harveys Inspektor Resnick liebt Jazz. Ich wollte, dass Rebus anders ist, damit niemand sagen kann, ich würde andere Schriftsteller kopieren. Da ich Rockfan bin, beschloss ich, dass Rebus ebenfalls einer wird.

Eur: Hingegen finden sich in Ihren Romanen von Anfang an zahlreiche literarische Verweise, insbesondere auf „Verbrechen und Strafe“ … und bei einigen Ihrer Bücher ist mir die gleiche Titelgestaltung aufgefallen. Wie z. B. in Black and Blue (dt.: Das Souvenir des Mörders). Hat dieses Buch von Dostojewski Sie geprägt?

I.R.: Ich war Student, als ich den ersten Rebus-Roman schrieb. Ich verbrachte unheimlich viel Zeit mit Literatur und erging mich oft in literarischen Theorien. Dieses erste Buch enthält vermutlich viel zu viel von mir selbst. Rebus sollte nicht so viel lesen. Der Fall wird sogar von einem Literaturprofessor der Universität gelöst, der Kontakt zu Rebus aufnimmt. Vom zweiten Buch an hatte ich eher das Gefühl, dass Rebus eine Figur ist, deren Leben sich von meinem unterscheidet. Er war sein eigener Herr geworden. Einige meiner Bücher sind von bestimmten Romanen oder Schriftstellern beeinflusst. Black and Blue (dt.: Das Souvenir des Mörders) steht in der Schuld von James Ellroys White Jazz. The Black Book (dt.: Verschlüsselte Wahrheit) ist von einem schottischen Schauerroman des 19. Jahrhunderts mit dem Titel Memoirs and Confessions of a Justified Sinner beeinflusst.

Eur: Ein weiterer Bezug zu einem Schriftsteller und bestimmten Romanen: Wie bei Jekyll und Hyde oder auch Holmes und Moriarty braucht Rebus offenbar das personifizierte Böse als feindliches Gegenüber. Bei Ihnen sind es Rebus und Ger Rafferty (der erstmals in Verschlüsselte Wahrheit auftaucht). Hommage oder einfach notwendiger Bestandteil des Romanaufbaus?

I.R.: Rafferty war zunächst eine Nebenfigur im dritten Roman (Tooth and Nail, dt.: Wolfsmale). Ich fand ihn interessant, und mir wurde klar, dass ich viel mehr aus ihm machen konnte. Rafferty verkörpert all das, was uns an einem Verbrechen Unbehagen verursacht. Er ist Rebus aber auch in vielerlei Hinsicht ähnlich. Man weiß nie so genau, ob einer der beiden den anderen am Ende vernichtet oder ob sie die besten Freunde werden.

Eur: Es gibt in Ihren Romanen also eine Menge Bezüge zu Büchern, aber auch zu deren Figuren, und sie machen sich einen Spaß daraus. So kommt der Leser zu einem Brian Holmes, zu einem Mr. Watson, zu einem Mr. Hyde und sogar zu einem Mr. H. Tatsächlich gibt es hier eine Entwicklung, beispielsweise von einem Mr. Hyde zu einem Mr. H in Black and Blue (dt.: Das Souvenir des Mörders). Spielen Sie auf diese Weise mit Ihren Lesern?

I.R.: Ich spiele in der Tat sehr gerne mit den Lesern. Es gibt manch augenzwinkernden Jux und auch literarische Verweise in meinen Büchern, aber mit ein bisschen Glück stehen Sie der Geschichte nicht im Weg, und sowieso ist es nicht weiter schlimm, wenn der Leser nicht jede Anspielung versteht. Kürzlich hat ein Leser in einem meiner Bücher ein Zitat erkannt, dass ich mir aus dem Hollywoodfilm MASH geborgt habe. Ich habe das Buch vor so langer Zeit geschrieben, dass ich gegenwärtig gar nicht mehr weiß, ob dieser Verweis Absicht oder Zufall war.

Eur: Kommen wir zu den Themen Ihrer Bücher. Mehr als alles andere erscheint mir das Böse als das Thema schlechthin, das Böse, wie die Bibel es definiert. Sie erwähnen das Buch Hiob: Gott hat die Welt den Bösen gegeben. Ist das Ihre Sicht der Gesellschaft? Und da wir schon über Religion sprechen: Manche Leute sind der Meinung, dass die Bibel der erste Kriminalroman ist, der je geschrieben wurde – sehen Sie das auch so?

I.R.: Ich würde die Bibel nicht als Roman bezeichnen. Sie besteht aus einzelnen Geschichten und Liedern, von denen manche gelungener sind als andere. Das Böse ist ein interessantes Thema: Ich finde, eine Handlung lässt sich relativ schnell als schlecht bezeichnen, einen Menschen hingegen als schlecht zu bezeichnen, ist schon schwerer. Wir sind komplexe Geschöpfe, und die Gründe, weshalb wir Verbrechen begehen, sind zahlreich. Die meisten Verbrecher sind nicht das personifizierte „Böse“, im Verlauf der Menschheitsgeschichte gab es nur sehr wenige Ungeheuer. Mich fasziniert die Grenze, die jemand überschreitet, wenn er ein Verbrechen begeht. Und mich interessieren die moralischen Regeln, die die meisten von uns davon abhalten, diese Grenze zu überschreiten.

Eur: In A Question of Blood (dt.: Die Kinder des Todes) lassen Sie eine Figur sagen: „Böse Menschen tun das, wovon gute Menschen träumen“. Ist das einer der Gründe, warum Sie Kriminalromane schreiben?

I.R.: „Böse Menschen tun das, wovon gute Menschen träumen“ ist eigentlich die Formulierung eines Psychiaters. Den Namen des Mannes habe ich vergessen, aber ich habe ihn einmal für einen Dokumentarfilm über das Böse interviewt. Ich vermute, die meisten von uns haben schon irgendwann einmal einem Menschen den Tod gewünscht, oder zumindest eine Bestrafung. Der Kriminalroman befasst sich mit dem Moment, in dem ein Mensch an einen kritischen Punkt gelangt, mit dem Augenblick, in dem er seine Gedanken in die Tat umsetzt und ein Verbrechen begeht, denn dies wird sein eigenes Leben und das der Menschen, die ihm nahestehen, für immer verändern.

Eur: Da wir über Zitate sprechen: In A Question of Blood (dt.: Die Kinder des Todes) gibt es einen Satz von Yeats: „Ich hasse nicht was ich bekämpfe, ich liebe diejenigen nicht, die ich beschütze“. (Those I fight I do not hate, Those I guard I do not live). Das verdient einen Kommentar.

I.R.: Was das Yeats-Zitat angeht, glaube ich, dass die meisten Polizisten sich über ihren Beruf Gedanken gemacht haben. Oft laufen die Schuldigen frei herum, während die Unschuldigen weiter leiden. Bei Verbrechen ist nur selten von „Siegern“ die Rede.

Eur: In Dead Souls (dt.: Die Seelen der Toten) heißt es: „Irgendwo hat jeder einen kritischen Punkt“. John Rebus ist Zeuge, wenn Menschen an solch kritische Punkte gelangen … Für mich heißt das, dass Sie im Grunde genau davon erzählen wollen, und ein Polizist ist der ideale Zeuge …

I.R.: In der Tat, und auch Rebus hat seinen kritischen Punkt. In Black and Blue (dt.: Das Souvenir des Mörders) gibt es eine Szene, in der er sich gerade mit seinem besten Freund geprügelt hat. Er kniet blutend auf dem Boden und weint. In diesem Augenblick ist er seinem eigenen kritischen Punkt sehr nahe. Aber sein Beruf (wie auch der des Schriftstellers) ist auch der eines Voyeurs. Er durchforscht das Leben der Menschen nach Beweggründen, Geheimnissen und Lügen. Er hat Zugang zu jedem Leben, zu jeder Gruppe unserer Gesellschaft, und deshalb ist der Detektiv die ideale fiktive Figur.

Eur: Die Rebus-Romane führen uns 20 Jahre schottische Geschichte vor Augen, und mir scheint, der Rahmen wird von Buch zu Buch düsterer. Wie in The Naming of the Dead (dt.: Im Namen der Toten). Alles wird zusehends schlimmer.

I.R.: Es geht der schottischen Gesellschaft nicht wirklich schlechter. Die Menschen kommen in der Regel besser zurecht als 1987. Das Drogenproblem ist nicht gravierend. Den Menschen geht es gesundheitlich besser. In Kneipen und Kinos herrscht Rauchverbot. Das schottische Parlament ermöglicht uns heute mehr Mitbestimmung im politischen und gesellschaftlichen Leben. Doch das Verbrechen stirbt nicht aus. Das ist es, was Rebus frustriert. Für jeden Dreckskerl, den er einsperrt, rückt ein neuer nach. Außerdem ist ihm klar geworden, dass es Verbrecher gibt, die nahezu unberührbar sind: in Wirtschaft und Politik …I

Eur: Eine Frage zum Schreiben selbst und zum Aufbau Ihrer Bücher. In vielen Ihrer Romane zählt die Verflechtung mehrerer Geschichten zu den Stärken des Buches. Können Sie uns schildern, wie Sie beim Schreiben vorgehen?

I.R.: Im Allgemeinen fange ich ein Buch mit einem Thema an, mit dem ich mich näher beschäftigen möchte. Das Verbrechen, um das es in der Hauptsache geht, gibt mir die Gelegenheit dazu, aber schon bald schälen sich Nebenhandlungen heraus. Wo die herkommen, weiß ich nicht genau. Es ist ein wenig so, als wisse der Roman selbst, wohin er will. Er selbst stößt mich auf die interessantesten Figuren und Geschichten, die es wert sind, näher erforscht zu werden. Es kann gut sein, dass ich beim Schreiben der Rohfassung noch nicht weiß, wer der Mörder ist. Dann befinde ich mich in der Rolle des Detektivs und muss mir, wie Rebus, die Beweggründe, Figuren und Indizien genau ansehen.

Eur: Letzter Punkt: Rebus und die Frauen. Zuerst haben Sie uns gezeigt, dass ein Polizist keine dauerhafte Beziehung eingehen kann, siehe Rebus oder auch Holmes und seine Bibliothekarin … Warum haben Sie ihm dann Siobhan Clarke zur Seite gestellt?

I.R.: Siobhan hat viel von Rebus gelernt, aber nicht nur Gutes. Genau wie er ist sie von ihrer Arbeit besessen, deshalb haben enge Freunde und Liebhaber in ihrem Leben keinen Platz. Dieses Problem haben Polizisten auch in Wirklichkeit: Manchmal zerbricht eine Beziehung, weil die Arbeit von ihr nicht unberührt bleibt. Hinzu kommt, dass der Leser über das Privatleben der Hauptfiguren oft gar nichts weiter wissen will: Der Held soll sich auf die Lösung des Falls konzentrieren und nicht zwischendurch zum Abendessen nach Hause verschwinden!

Eur: Sie haben sich entschieden, Rebus mit sechzig in den Ruhestand zu schicken. Aber (betrüblicherweise) schieben viele Länder das Ruhestandsalter immer weiter hinaus. Kommt Rebus vielleicht zurück?

I.R.: Ja, Rebus wird wohl zurückkommen. Als einfacher Staatsbürger kann er jederzeit mit der Polizei zusammen arbeiten. Vielleicht wird es so laufen …
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 29 Januar 2011 )
 
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