Europolar is back on line
Home arrow Portrts arrow Juan Bas Es lebe die Republik und der Geist des Weines
Juan Bas Es lebe die Republik und der Geist des Weines PDF Drucken
Mittwoch, 09 April 2008

Juan Bas – „Es lebe die Republik und der Geist des Weines“

Von Susanna Mende

Image

Es ist nicht leicht zu entscheiden, ob man Juan Bas  als spanischen Autor, der im Baskenland geboren wurde, oder einfach als baskischen Autor bezeichnen sollte. Es gibt Argumente für beides:

Für den spanischen Autor baskischer Herkunft spricht, dass er ein scharfer Kritiker jeglicher Form des baskischen Nationalismus ist, sei es nun der konservative durch die Regierungspartei PNV (Partido Nacionalista Vasco) repräsentierte oder der mit dem ETA Jahrzehnte lang die spanische Republik in Atem gehalten hat und sich zumindest noch immer in Zuckungen windet. Wer die wichtigste Tageszeitung des Baskenlandes, El Correo, aufschlägt, sieht sich regelmäßig mit scharfzüngigen und spöttischen Attacken des Schriftstellers gegen die konservative Seite und empörten und in seinem Urteil unmissverständlichen Stellungnahmen zum Terror der Separatisten konfrontiert.

Für den baskischen Schriftsteller spricht, dass immer wieder das Baskenland Schauplatz seiner Romane ist und sowohl historische und politische Themen als auch nationale Eigenheiten darin Eingang finden. So beginnt in seinem Roman „La cuenta atrás“ (nur annähernd befriedigend zu übersetzen mit „Rechnung rückwärts“) die Boxkarriere des Protagonisten als Steinewerfer, ein seltsam und archaisch anmutender baskischer Sport, bei dem gewinnt, wer den größten Brocken stemmen kann. Sein Roman „Alacranes en su tinta“ („Skorpione im eigenen Saft“) ist unter anderem eine  explizite Abrechnung mit ETA, dass ihm nach Erscheinen von offizieller Seite nahegelegt wurde, sich einen Bodyguard zuzulegen, wozu sich bis zum heutigen Tage zahlreiche Personen des öffentlichen baskischen Lebens noch immer gezwungen sehen.


Mit dem Schreiben begann Juan Bas nach einem abgebrochenen Jurastudium Anfang der 80er Jahre als Drehbuchautor fürs Fernsehen. Er verfasste u. a. die 13 Episoden der ersten baskischen Sitcom „Juntos y revueltos“, die er heute selbst als ziemlich schlecht bezeichnet, und arbeitete dann für diverse spanische Fernsehsender. Kultstatus erlangte eine Serie mit dem Titel „Páginas ocultas de la historia“ („Verborgene Seiten der Geschichte“), die er gemeinsam mit dem Schriftsteller und Jugendfreund Fernando Marías verfasste. Es handelt sich um eine raffinierte Verknüpfung historischer Ereignisse mit fiktionalen Elementen, die selbst bei gut informierten spanischen Bürgern für Verwirrung sorgte. So wird in „La otra muerte der Federico García Lorca“ („Der andere Tod des Federico García Lorca“) im Stil des investigativen Journalismus angeblich der Nachweis erbracht, dass Lorca bei dem Mordversuch 1936 durch spanische Nationalisten nicht zu Tode kam, sondern, dement durch eine Schussverletzung am Kopf, bis zu seinem Tod 1954 in einem Kloster von Nonnen gepflegt wurde. Der Erfolg der Serie veranlasste beide Schriftsteller, die Drehbücher für einen Erzählband umzuarbeiten, der 1999 unter dem gleichnamigen Titel erschien und für Juan Bas der eigentliche Beginn seines schriftstellerischen Schaffens bedeutete.

Es folgte der Erzählband „La taberna de los tres monos“, der fünfzehn Erzählungen um das Thema Poker vereint und in einer Auswahl unter dem Titel „Die Taverne zu den drei Affen“ 2003 in der deutschen Übersetzung von Fritz Rudolf Fries beim Europa-Verlag veröffentlicht wurde. Hier zeigt sich Bas’ Talent zu verdichten und in wenigen Sätzen eine spannungsvolle Atmosphäre zu schaffen. Als Fan und Kenner des „Género negro“, des Krimigenres also, sorgen auch sorgfältig ausgewählte und mit zahlreichen literarischen Anspielungen versehene Elemente  für Spannung.

Es folgten zwei Jugendromane, die aufgrund ihres historischen Hintergrunds auch so manchem Erwachsenen Vergnügen bereiten werden. 2001 „El oro de los carlistas“ („Das Gold der Carlisten“), dessen Protagonist Nicolás Gorostiza, der am ersten Carlisten-Krieg teilgenommen hat, von dieser Erfahrung erzählt. Hier kommt wieder der Republikaner Juan Bas zum Vorschein, der in dem Roman Kritik an dieser monarchistischen Bewegung mit absolutistisch-katholischer Gesinnung übt und damit auch aufklärerische Arbeit im besten Sinne leistet.

Der Jugendroman „Glabro, legionario de Roma“ („Glabro, Legionär aus Rom“), der gleich im darauf folgenden Jahr erschien, befasst sich ebenfalls auf kritische Weise mit dem Thema Krieg, allerdings ist der Schauplatz Rom, und Icherzähler ist diesmal ein römischer Gladiator, der sich an seine Zeit als Legionär unter Quintus Sertorius, der 83 v. Chr. als Prätor Statthalter der spanischer Provinzen wurde, erinnert.


Wie eine Zäsur wirkt das nächste Buch von Juan Bas, das sich einer  persönlichem Leidenschaft, dem Trinken nämlich, widmet. „Tratado sobre la resaca“ („Traktat über den Kater“) ist ein gelungener Versuch, sämtliche Aspekte des Alkoholgenusses dem Leser auf äußerst humorvolle Weise nahe zu bringen: Es gibt sowohl medizinische Ratschläge für den Tag danach als auch philosophische Betrachtungen, und der Band ist gespickt mit echten und fiktiven Anekdoten und zahlreichen literarischen und cineastischen Anspielungen rund um die manchmal unberechenbaren Auswirkungen des Alkoholgenusses.


Der Roman „La cuenta atrás“ ( Rechnung rückwärts) ist die Rückschau des ehemaligen Europameisters im Schwergewicht José Luis Arrida, der, wie bereits erwähnt, in der tiefen baskischen Provinz als Steineheber seine internationale Karriere beginnt und kurz vor dem Sprung ins Leere sein Leben Revue passieren lässt. Es ist eine vitale, schwarzhumorige und mitleidlose Bilanz einer gescheiterten Existenz, die in ihrer Beschreibung der „condition humaine“ eine universelle Dimension erreicht und leider nicht die verdiente Resonanz erhielt.

Der Roman „Alacranes en su tinta“ („Skorpione im eigenen Saft“), der ebenfalls 2002 erscheint, bedeutet für Juan Bas den nationalen und internationalen Durchbruch. Der Roman wurde ins Französische, Russische und Deutsche übersetzt und erhielt 2002 auf der Buchmesse von Bilbao die „Pluma de Plata“ für das meistverkaufte Buch des Jahres. „Alacranes en su tinta“ („Skorpione im eigenen Saft“) ist die Geschichte eines gnadenlosen Rachefeldzugs, der in Form von Bekenntnissen in eine Rahmenhandlung eingebettet ist, die im Bilbao des Jahres 2000 angesiedelt ist. Der tölpelhafte und unter chronischem Geldmangel leidende Held Pacho Murga Bustamente schließt Freundschaft mit dem bereits angegrauten Astigarraga, mit dem er die Liebe für die gehobene Küche teilt und das Gourmetlokal „Die Weltkarte von Bilbao“ eröffnet. Noch ganz berauscht von dem durchschlagenden Erfolg, wird Pacho unverhofft mit den schriftlich niedergelegten Bekenntnissen seines Partners und Freundes konfrontiert, nach deren fieberhafter Lektüre es zu einem fulminanten Showdown im berühmten Guggenheim Museum von Bilbao kommt. Politisch brisant ist dieser Roman, weil er eine explizite Abrechnung mit ETA darstellt, wie es sie in der spanischen Literatur so kaum gibt.

Dem verkrachten Helden Pacho Murga Bustamente begegnet der Leser in Bas’ nächstem Roman „Voracidad“ („Gier“) wieder, für den der Autor 2007 den „Premio Euskadi de Literatura“ (Baskischer Literaturpreis“) erhielt. Mit demselben stilistischen Furor wie in „Alacranes en su tinta“ („Skorpione im eigenen Saft“), der sich gekonnt der Groteske bedient, wird der Leser anhand eines schrillen Panoptikums durch die Niederungen der menschlichen Begierden geführt, die auch hier in ein Verbrechen aus Rache münden. Bas lässt es sich außerdem nicht nehmen, diverse Seitenhiebe gegen den baskischen Nationalismus auszuteilen und boshafte Medienkritik zu üben und somit die Auswüchse einer modernen und gleichzeitig rückwärtsgewandten Gesellschaft anzuprangern.

Im letzten Jahr erschienen ebenfalls die zahlreichen Kolumnen aus „El Correo“ in Buchformat, und der neue Roman mit dem Titel „Es saxo es mi marido“ („Das Saxophon ist mein Mann“) wird gerade überarbeitet.

Juan Bas ist nicht nur ein unermüdlicher, scharfsichtiger und schwarzhumoriger Kritiker aktueller gesellschaftlicher und politischer Ereignisse, sondern auch mit einer enormen Produktivität gesegnet, unterbrochen von vielen Lektürestunden, Filmsessions und zahlreichen Dry Martinis, natürlich nur von bester Qualität.

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 20 Mai 2008 )
 
< zurück   weiter >
© 2018 Europolar- powered by jl2i.com
Joomla! est un logiciel libre distribu sous licence GNU/GPL.

Design by syahzul, FlexiSaga.com