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Literaturpreis LIndizio Nascosto (Das versteckte Indiz) PDF Drucken
Geschrieben von Rina Brundu Eustace   
Freitag, 09 Mai 2008

 

Literaturpreis „L’Indizio Nascosto“ (Das versteckte Indiz)

Nascimur uno modo, multis morimur

(Auf die Welt kommen wir alle auf die gleiche Art, doch wir sterben auf viele verschiedene Arten.)

von Rina Brundu

Traduction: Übersetzung: Katharina Schmidt

 

 

Den Literaturpreis L’Indizio Nascosto – Krimiautor des Jahres gibt es offiziell seit 2006. Doch der Gedanke, einen solchen Preis für den klassischen italienischen Kriminalroman zu schaffen, entstand schon viel früher und hat seinen Ursprung in der nicht endenden Faszination, die die großartigen Plots der Meister des Genres zu Meisterwerken gemacht haben, heute noch auf uns ausüben: Agatha Christie, John Dickinson Carr, Ellery Queen und all die legendären Autoren des im weitesten Sinne „Golden Age“ des Detektivromans englischer Prägung.

 

Auch das „Format“ orientiert sich in Manchem an den weltberühmten englischen Dagger Awards und ist Ausdruck des strengen modus operandi, der sich sowohl in technischer, als auch in schriftstellerischer und gedanklicher Hinsicht von den schon erwähnten Schriftstellern ableitet. Autoren, die an der Ausschreibung des L’Indizio Nascosto teilnehmen wollen, müssen Folgendes mitbringen: überragende literarische Qualitäten, eine ausgeprägte schreibtechnische und kreative Linie, Begabung für logisches Denken und vor allem Talent, das erst die Qualitäten einer Krimihandlung zum Leben erweckt, die in den engen strukturellen und stilistischen Grenzen der Gattung „Klassischer Kriminalroman“ erzählt wird.

 

Unter diesen Voraussetzungen lässt sich kaum leugnen, dass dieser besondere „Wettbewerb“ auch einer instinktiven Protestbewegung der Aficionados dieser Gattung entspringt, die sich gegen ein Ausbreiten eines Pseudo-Kriminalromans und Noirs auflehnen, wie er besonders in Italien verbreitet ist. Dort trägt er ausgeprägte nationalfolkloristische Züge und steht unserer Ansicht nach in klarem Gegensatz zum aristokratischen Ursprung des Genres Kriminalroman an sich. Vor allem zu den strengen technischen und stilistischen Mustern, die von jedem ernst zu nehmenden „crime novellist“ gefordert werden. Das geschieht zum Beispiel, wenn die conditio sine qua, eine tragfähige Krimihandlung, die den Romananfang logisch mit der Schlussklimax verbindet und so die eigentlich tragenden Säule der gesamten Erzählstruktur ist,  außer Acht gelassen wird, um dem Entstehen eines manieristischen zerfaserten Schinkens bar jeder Qualität Raum zu geben.

 

Aber warum soviel Begeisterung für ein Revival von vielleicht ein wenig anachronistischen literarischen Formen? Sie entspringt dem gleichen Grund, der zum Entstehen des Premio letterario L’indizio nascosto-giallista dell’anno geführt hat, weil diese Formen auch heute noch aktuell sind und aus ihrer Allgemeingültigkeit. Es gibt keine Geschichte, nicht einmal in der Weltliteratur, die nicht diesen Hauch eines intelligenten Mysteriums nutzt, das nötige Quäntchen Salz in der Suppe, das vieles würziger macht, dem sonst jeder ästhetische Reiz fehlte.

Cui prodest (Wem nützt es?) Die klassische Frage nach dem Täter. Uns allen: Verlegern, Autoren, Lesern und Kritikern. Denn als Zwerge auf den Schultern von Giganten sind wir verpflichtet, weiter zu schauen: über die wüstenhaften Ufer am mare magnum des Nicht-Erzählten hinaus, um vergessene Kostbarkeiten zu entdecken, die uns im Bereich ihrer Möglichkeiten noch etwas zu geben haben. Und uns etwas lehren können.

Rina Brundu

www.giallografia.com

Dublin, 23/01/2008

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Letzte Aktualisierung ( Samstag, 30 Januar 2010 )
 
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