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Keine Ksse auf Franzsisch fr Paolo Roversi PDF Drucken
Donnerstag, 11 September 2008

 „Keine Küsse auf Französisch“ für Paolo Roversi

 

 von Giuseppina la Ciura

 
Traduction: Katharina Schmidt
 

Paolo Roversi ist knapp über dreißig, aber seine Bibliografie und Biografie könnten einen viel älteren Mann vor Neid erblassen lassen. Er hat nicht nur seinen Abschluss in Zeitgenössischer Geschichte an der Universität „Sophia Antipolis“ in Nizza gemacht, sondern schon drei Noirs geschrieben: „Blue Tango“, „La mano sinistra del diavolo“ (Die linke Hand des Teufels) und „Niente baci alla francese“ (Keine Küsse auf Französisch“), die letzten beiden sind bei Mursia herausgekommen und alle haben bei Lesern und Kritikern einen erfreulichen Erfolg erzielt. Außerdem leitet er das Krimi und Noir-Festival „Nebbia Gialla Suzzara NoirFestival“ und ein sehr gut besuchtes Internetportal www.milanonera.com. Und damit er nicht dazu kommt, sich auszuruhen, hat er sich vor Kurzem in das angesichts seiner knappen Zeit wahnwitzige Unterfangen gestürzt, eine sechzehnseitige Zeitung zum Thema Kriminalroman herauszugeben, die den gleichen Namen wie sein Internetportal trägt und die man – wohlgemerkt kostenlos! – in allen Filialen der Buchhandlung Feltrinelli mitnehmen kann.

Ganz klar, dass es sich lohnt, diesen interessanten Menschen zu interviewen.

 

 

Die erste Frage ist fast eine Pflichtfrage: Wie wurde Paolo Roversi zum Schriftsteller – und zum Verfasser von Kriminalromanen?

So wie der Mensch das ist, was er isst, ist der Schriftsteller das, was er liest. Auf meinem Nachttisch lagen Bücher von Izzo, Vasquez-Montalban, Carlotto, Ellroy ... Also war es für mich ganz normal, als ich mit dem Schreiben begann, die dunkle Seite des Lebens zu erzählen ...

 

Du bist in Suzzara geboren, das liegt in der Provinz Mantua, jenem Mantua, woher Vergil stammt (Mantua me genuit ...), aber deine Romane spielen hauptsächlich in Mailand. Kannst du uns erklären, warum du diese Wahl getroffen hast, die wie ein Verrat an einer Region wirkt, die vielen unserer gefeierten Noirautoren so lieb und teuer ist?

Nein, das ist kein Verrat, denn ich habe der Bassa, meiner Heimat, meinen zweiten Roman „La mano sinsitra del diavolo“ gewidmet, mit dem ich im letzten Jahr den Premio Camaiore gewann. In diesem Buch versuche ich zwei Orte zu portraitieren. Suzzara ist ein Ort am Ufer des Po, in der Bassa, wo jeder jeden kennt. Tiefste Provinz, dort läuft das Leben langsam wie in den Don-Camillo-Romanen von Guareschi. Eine ganz andere Welt im Vergleich zu Mailand, einer chaotischen, anonymen Metropole, wo dich dein Nachbar von gegenüber mit Ach und Krach grüßt, wenn du ihn im Aufzug triffst. Aber auch eine dynamische Stadt mit vielen Möglichkeiten, die meiner Meinung nach die italienische Noir-Stadt an sich ist, der ideale Schauplatz für einen Roman. Und trotz allem auch eine literarische Stadt: mit ihrer Atmosphäre und ihren Widersprüchen, ihren hässlichen Seiten aber auch den vielen verborgenen Schönheiten. Hier findest du alles und das genaue Gegenteil davon. Die „Big Bad City“ Ed McBains ohne Namen und ohne Seele, aber auch ein Wohnviertel mit Reihenhäusern wie Lambrate, wo jeder jeden kennt und das Leben wie in einem Dorf in der Provinz verläuft.

 

 

Enrico Radeschi, der Protagonist deiner Bücher – man muss schon ein Genie sein, um den Nachnamen des legendären Staatsfeinds Nummer Eins im Mailand der Renaissance zu italienisieren – ist weder Commissario bei der Polizei noch Privatdetektiv, sondern ein Journalist wie Rouletabille: Warum hast du eine Wahl getroffen, die wie von vorgestern wirken könnte?

Radeschi ist ein Spürhund der Cronaca nera, der Berichterstattung über Verbrechen. Einer, der spektakuläre Nachrichten sucht, die auf den Titelseiten veröffentlicht werden und für die er pro Stück bezahlt wird. Ich habe als Verbrechensreporter gearbeitet und kannte das Umfeld also. Von dieser Erfahrung habe ich mich bei der Erschaffung meiner Figur inspirieren lassen.

 

Dein Lieblingsmusiker ist Paola Conte, von dem du dir den Titel deines ersten Romans „Blue Tango“, verlegt bei Stampa Alternativa, geliehen hast. Wer sind deine Lieblingsautoren oder die, denen du dich verpflichtet fühlst. Und wenn ja, warum?

Einem vor allen: Giorgio Scerbanenco. Der heute noch sehr aktuell ist. Und dann, wie ich schon sagte: Vasquez-Montalban, Izzo, Ellroy und Massimo Carlotto. Mein absoluter Lieblingsschriftsteller und mein Idol ist aber Charles Bukowski. Wenn wir heute hier über meine Romane sprechen, dann dank seiner Bücher, die in mir den Wunsch erweckt haben, Schriftsteller zu werden.

 

Außer dem höllischen Tempo und ihrem knappen, witzigen Schreibstil beeindrucken deine Romane den Leser besonders die stark und sehr gut gezeichneten Figuren, einige davon bleiben unvergesslich – wie der weise Don Lino und Sciamanna, dazu die Vielzahl der Schauplätze. Entspringt das alles nur der Fantasie des Autors?

 

Ja und nein. Sagen wir mal, ich inspiriere mich an lebenden Personen und dann ändere ich etwas, füge etwas hinzu. Auf jeden Fall überwiegt die Fantasie

 

Normalerweise besteht eine besondere Verbindung zwischen dem Autor und seinem Protagonisten. Was in Enrico Radeschi ist ein Teil von Paolo Roversi und umgekehrt?

 

Drei Dinge: Wir sind beide Journalisten, Computerfans und fahren eine gelbe Vespa, Baujahr 1974.

 

Deine Romane sind sehr visuell konzipiert und könnten sich so sehr gut für eine Fernsehverfilmung eignen. Werden wir bald eine Serie mit Enrico Radeschi auf dem Bildschirm sehen?

 

Das würde mir sehr gefallen, aber es gibt noch nichts Definitives ...

 

Werden deine treuen Leser bald einen neuen Roman von Roversi mit Radeschi in der Buchhandlung finden? Oder gibt es andere Projekte?

 

Am 4. September erscheint bei Kowalski mein neuer Roman „Taccuino di una sbronza“ (Notizen über einen Rausch), ein Buch, das auf  Bukowski zurückgeht, also kein Kriminalroman ... Aber keine Angst: 2009 wird es ein neues Abenteuer mit Radeschi geben.

 

Letzte Frage, wie kam dir die geniale Idee für diese Zeitung (MilanoNera), die kostenlos an die italienischen Krimifans verteilt wird?

 

Ein Abenteuer, das ich seit August 2006 vorwärtsbringe, als ich das Noirblog MilanoNero gründete und andere Freunde, Schriftsteller, Literaturkritiker und Journalisten mit einbezog. Seitdem haben wir einiges auf den Weg gebracht: beinahe  400 Bücher besprochen, um die Hundert Autoren interviewt und das Blog, aus dem inzwischen ein Internetportal geworden ist, hat das Vertrauen von ein paar tausend Lesern im Monat erworben.

Diese Zahlen haben den Verleger Kowalski – und uns in der Redaktion überzeugt, uns zusammenzuschließen und den Weg des bedruckten Papiers zu beschreiten. Das Ergebnis ist MilanoNera web press, eine Zeitung die im Internet entsteht und kostenlos in die Buchhandlungen kommt.

Die Zeitung wird farbig gedruckt und wird im Zweimonatsrhythmus in allen italienischen Buchhandlungen verteilt, besonders stark ist sie in den Feltrinelli-Buchhandlungen vertreten, zu denen der Kowalskiverlag gehört.

Dieses Abenteuer, das ich im Alleingang begonnen habe, hat sich inzwischen in eine Zeitung verwandelt, die im Kollektiv entsteht, und sich als Inspirationsquelle und Treffpunkt für Fans dieser Gattung, Leser und Insider anbietet.

 

Und nachdem ich dich mit so vielen Fragen bombardiert habe, vielen herzlichen Dank für das Gespräch und Komplimente für deine Arbeit!

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 08 Oktober 2008 )
 
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