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Eine innovative Verlagsstruktur, die sich bewhrt PDF Drucken
Mittwoch, 08 Oktober 2008

Eine innovative Verlagsstruktur, die sich bewährt


 Übersetzung von Sarah Florence Gaebler
 

Krakoen ist eine Gruppe von Autoren. Einer von ihnen ist Max Obione*, der auch die Idee zu dieser neuen Verlagsform hatte: die Verlagskooperative Krakoen.

 

Krakoen … was genau verbirgt sich dahinter? Was ist eine Autoren-Kooperative? Das Konzept ist einfach: Eine kleine Gruppe von Autoren, die es leid waren, von den Verlagshäusern abgewiesen zu werden, hatten die ein wenig verrückte Idee, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und ihre eigene Verlagsform ins Leben zu rufen, die es ihnen ermöglicht, aus ihren Texten Bücher zu machen, die eine Leserschaft finden.


ImageUnd damit war das Abenteuer Krakoen geboren. Krakoen ist vorerst einmal ein gemeinnütziger Verein, der ein Kollektiv an Autoren zusammenfasst. Jedes Mitglied wird somit zum eigenen Verleger. Aber Achtung: es handelt sich nicht um das Prinzip des Zuschussverlags.
Die Idee dahinter hatte einen weitreichenderen Anspruch. Ziel war nicht, um jeden, noch so abwegigen Preis dem Bedürfnis der Anerkennung nachzukommen. Vielmehr ging es darum, die Energien zu bündeln, um eine Struktur zu schaffen, die es ermöglicht, Bücher zum Druck zu bringen, indem Drucker und Graphiker als Partner gewonnen werden. Zudem ging es darum, eine Sammlung an qualitativ hochwertigen Werken zusammenzustellen mit Wiedererkennungswert für die Leserschaft und die Förderung der Autoren sicherzustellen. Eine durchaus verrückte Herausforderung, und doch … besteht Krakoen heute seit nunmehr vier Jahren, weist einen Katalog mit dreißig Titeln vor und kann sich rühmen, Autoren dazu verholfen zu haben, ihren Traum zu verwirklichen und ihre Texte zu veröffentlichen. Doch all das ist nicht bedingungslos entstanden. Das Erfolgsrezept von Krakoen: Man wollte und will auch weiterhin die Qualität in den Vordergrund stellen, das Buch, die Inhalte und die Vermittlung, die dafür Sorge trägt, dass es gelesen wird und seine Leserschaft findet. Die Autoren sind somit selbst zu Verlegern geworden. Jeder krempelt die Ärmel hoch und wird reihum Lektor, Korrektor und Berater in literarischen Fragen für die anderen Mitglieder des Vereins. Und zudem … und vor allem … wird der Autor zum Hauptakteur der gesamten Kette, die aus seinem getippten Skript ein Buch werden lässt!


Einiges muss hier jedoch noch erläutert werden. Zu diesem Zweck möchte ich einfach meine eigene Erfahrung schildern. Mein erstes Buch „Mektoub“ wurde von einem kleinen regionalen Verleger (Pavic in Avallon im Burgund) herausgegeben. Selbstverständlich war dies für mich ein erster Schritt in die unerbittliche Verlagswelt und noch heute bin ich unendlich dankbar dafür, dass jemand bereit war, an meinen Text zu glauben und das Risiko auf sich genommen hat, ihn zu veröffentlichen. Doch wie so viele dieser kleinen Verlagsstrukturen stützt Pavic sich auf eine einzige Person, die allein eine Wahl treffen muss und alle Schritte von der Herstellung, über den Vertrieb bis hin zum Verkauf im Handel begleitet. Wie soll man unter derlei Bedingungen der Konkurrenz, den tausenden von Neuerscheinungen, die jedes Jahr veröffentlicht werden und die Auslagen der Buchhandlungen bevölkern, Stand halten? Man halte sich vor Augen, dass sich die größten Handelsketten wie Fnac und Privat in Frankreich oder Hugendubel in Deutschland heutzutage weigern, Bücher in Kommission zu nehmen. Einzig und allein die kleinen, unabhängigen Buchhandlungen können sich noch herausnehmen, an die kleinen fleißigen Macher der Bücherwelt zu glauben. Man müsste überall zugleich sein, Einfluss ausüben, um auf die Messen und Festivals eingeladen zu werden, Finanzierungen zu finden, zum Händler werden und landauf und landab reisen, damit die Bücher in diesen neuartigen Supermärkten der Bücherwelt sichtbar werden. Kurzum: eine Aufgabe, die unmöglich zu sein scheint.

 

Die erste Auflage von „Mektoub“ erschien in 300 Exemplaren**. Ich wurde zur kleinen Buchmesse von Recey-sur-Ource im Burgund eingeladen und in den Supermarkt in der Ortschaft Sémur-en-Auxois. Zugegebenermaßen nicht unbedingt das, was man unter einem erfolgreichen Autor versteht, der seinem Verlag zum großen Durchbruch verholfen hat. Der Verlag hat die Veröffentlichung von Kriminalromanen in der Region mittlerweile eingestellt. Das Beispiel ist durchaus aufschlussreich – aufschlussreich auch dafür, was Krakoen geschafft hat. Die Autoren haben sich engagiert, haben finanziell investiert, um ihre Bücher herzustellen, doch war die Kooperative da, um sie da zu unterstützen und ihnen Mut zuzusprechen, wo ein kleiner, klassischer Verlag nur scheitern konnte.

Sicher, ein Autor muss sich finanziell einbringen. Doch im Gegenzug wird nicht nur der Anfangseinsatz sehr schnell eingespielt (ungefähr ab 100 verkaufter Exemplare), sondern lässt auch die Begleitung und Unterstützung der Autoren nicht nach. Krakoen hat immer auf die professionelle Qualität all dessen, was der Verein anbietet, gesetzt. Mittlerweile arbeitet Krakoen mit einem Vertrieb zusammen: Calibre. Die Buchhändler zögern nunmehr also nicht, Bücher zu bestellen. Krakoen hat mit den Akteuren der Bücherwelt in Form von Netzwerken zusammengearbeitet. Dort wo die Kooperative zu Beginn in eigenem Namen auf Messen auf bescheidene Weise vertreten war, sind Autoren, die Mitglied von Krakoen sind, heute auf allen wichtigen Festivals und Veranstaltungen vertreten: Von der Pariser Buchmesse bis zur Krimibuchmesse von Montigny-lès-Cormeilles, über die Krimitage Sang d’encre in Vienne und das Festival der littératures noires et sociales von Besançon, um hier nur einige zu nennen, wobei es noch eine Vielzahl anderer gibt. Die Webseite wird ständig aktualisiert, die Bücher werden mittlerweile auf den auf Krimiwebseiten gelistet und der Name so manch eines Autoren wurde in das Dictionnaire des littératures policières oder das Magazin Crimes de l’année der französischen Bibliothek für Kriminalliteratur Bilipo aufgenommen.


Der Erfolg ist da. Um auch weiterhin daran anzuknüpfen, was von Anbeginn im Mittelpunkt stand, will heißen eine durchgängige Begleitung der Autoren und eine hohe Qualität ihres Schaffens und des Vertriebs, ist die Kooperative gezwungen, neue Autoren abzulehnen.

 

Sicherlich hat alles seine Grenzen. Die Struktur der Kooperative selbst wäre nicht in der Lage, große Erfolge zu verbuchen. Aus Gründen der Lagerung und um zu vermeiden, dass eine zu große Auflage an Büchern gedruckt wird, ohne dass ein entsprechender Vertrieb gesichert wäre, bleibt die Auflagenstärke vergleichsweise gering und wird nur entsprechend der Nachfrage nachgedruckt, was – nun ja, nichts ist perfekt – die Kosten pro Buchexemplar erhöht. Doch das Konzept bewährt sich und da der Autor die Rechte an seinen Werken behält, ergeben sich selbstverständlich keinerlei Folgerechte. Und Krakoen kann nunmehr geltend machen, als Sprungbrett zu dienen – ein Sprungbrett, auf das einige, wie auch ich, gewartet haben, um bekannt zu werden und vielleicht sein literarisches Abenteuer in Verlagen fortzusetzen, die über mehr Mittel verfügen.

 

Meine eigene Erfahrung mit Krakoen war so bereichernd, dass ich nicht lange nach Argumenten suchen muss, um dafür zu werben. Und sollte das Glück mir weiterhin hold bleiben, kann ich gewiss sein, immer über Texte zu verfügen, die bei den „Großen“ keinen Platz finden, weil sie zu atypisch sind, und mit denen ich das Abenteuer an der Seite Krakoens werde fortführen können. Ich weiß, dass diese kleine Kooperative – klein von ihrer Größe her doch reich an Erfahrungen – noch weitere wunderbare Überraschungen für mich bereithält!

krakoen.com

 


* « Calmar au sang » (Calamaris in Blut) und « Les vielles décences » (Die alten Anständigkeiten), Max Obione, Verlag Krakoen

** Autor von „Mektoub“, erschienen im Verlag Pavic und « Le sceau de l’ombre » (Der Eimer des Schatten) im Verlag Krakoen. „Mektoub“ wurde später in Zusammenarbeit mit der Regionalzeitung Côte-d’Or neu aufgelegt: « Le Bien Public ».


 

Letzte Aktualisierung ( Montag, 18 Januar 2010 )
 
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