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Willy Uribe: Revancha [Revanche] PDF Drucken
Freitag, 03 Juli 2009

Willy Uribe: Revancha [Revanche]

 Übersetzt von Studierenden der Universität Göttingen [1]
 

Barcelona: Editorial Ámbar, 2009. 192 pags. 13,00 €

 

 In einer Siedlung am Stadtrand von Madrid wird ein Fußballspiel zwischen Eigentümern und Angestellten vorbereitet. Was als einfaches, spielerisches Ereignis beginnt, entwickelt sich durch den unbedingten Siegeswillen ersterer, die in den vorigen Jahren stets von den Arbeitern, Latinos in der Mehrzahl, besiegt worden waren, und durch die Geldmengen, die in Form von Wetteinsätzen zu fließen beginnen, schnell zu etwas sehr Ernstem. Dies ist der Ausgangspunkt von Revancha, dem jüngsten Roman von Willy Uribe, der erzählt, wie die Anspannung, die sich nach und nach unter das Ereignis mengt, in persönlichen Auseinandersetzungen gipfelt und die Situation derart verschlechtert, dass die paradiesische Welt aus Zement und Rasenflächen, für die der Vorort steht, zu einer Hölle wird.

 ImageEine der großen Stärken des Romans ist die Art und Weise, mit der Uribe über die Scheinwelt nachdenkt, in die sich die heutige Zeit verwandelt hat, und darüber, wie das alltägliche Elend jederzeit und überall hervortreten kann. In dieser Hinsicht wirkt insbesondere in den ersten Kapiteln die Darstellung des Alltags in der Vorortsiedlung plausibel. Der heterodiegetische Erzähler zeichnet Familienportraits mit kostumbristischen Duktus, vom Familienfrühstück bis hin zu Fahrradtouren in der Umgebung. Vor der Kulisse des nahen Gebirges und fern des städtischen Unbehagens lassen die immer gleichen Gewohnheiten von dem Raum, in dem sich das Geschehen entwickelt, den Eindruck einer Oase entstehen; ganz so als handelte es sich hierbei um ein Bollwerk der Ruhe und des Friedens direkt neben dem Großstadtdschungel. Auf die selbe Art, auf die sich in den klassischen Krimis herrschaftliche Landhäuser oder entlegene Kurhotels durch einen überraschenden Leichenfund in perfekte Tatorte verwandeln, beeindruckt das von Uribe kreierte Szenario den Leser, der hinter den Fassaden eine Realität erkennt, die stark von dem nach außen vermittelten Bild abweicht.

Eine Schlüsselrolle bei der Umkehrung der idyllischen in eine infernale Welt spielt eine Romanfigur, die eine Intrige anstiftet, welche sich wie ein Spinnennetz über das Spiel spannt, in dem sich die restlichen Personen nach und nach verfangen. Ihre Anwesenheit zwingt den Leser dazu, über die Zeit, in der wir leben und, konkreter noch, über die Welt der Spekulationen und des materiellen Geizes nachzudenken. Ohne jegliche ethische Grenzen repräsentiert die Figur all jene, für die der Zweck die Mittel heiligt und die ihre persönliche Zufriedenheit über die Interessen der Gemeinschaft stellen. Ihr Handeln löst die Ereignisse aus und verweist die übrigen Personen in die Rolle von Opfern eines Komplotts, dessen Details allein ihr bekannt sind.

Mit einem absoluten Objektivismus erzählt und in einem schneidenden, aseptischen Stil geschrieben, der treffend mit dem eines Dashiell Hammett in Verbindung gebracht wurde, ist Revancha ein Kriminalroman, in dem das „Warum“ von weitaus größerer Bedeutung ist als das „Wer“. Hart, beeindruckend und unvorhersehbar wird dieses gelungene Werk eines der vielversprechendsten Autoren der spanischen Gegenwartsliteratur niemanden kalt lassen.


 [1] Die Übersetzung wurde von Studierenden der Hispanistik im Rahmen eines Übersetzungskurses an der Universität Göttingen im Sommersemester 2009 erstellt:
Sabrina Bloem
Annika Breitzmann
Nadya Hartmann
Steffi Klein
Mark Schäffer
Helena Zimpel
Dozentin: Friederike von Criegern de Guiñazú

 

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 15 Januar 2010 )
 
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